Spatenstich in Dresden für Chiphersteller TSMC und deutschen Subventionsplan

Ursula von der Leyen nahm am Dienstag an der offiziellen Grundsteinlegung für das Werk des taiwanesischen Unternehmens TSMC in Dresden teil. Für die Bemühungen der EU, die heimische Halbleiterproduktion anzukurbeln, hatte die Kommission zuvor eine staatliche Beihilfe in Höhe von 5 Milliarden Euro bewilligt.

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Groundbreaking ceremony for ESMC chip plant in Dresden
„In einer Zeit wachsender geopolitischer Spannungen wird TSMC auch von der geografischen Diversifizierung in Europa, einem besseren Zugang zu unseren europäischen Stärken - wie der Automobilindustrie - und unserem einzigartigen Binnenmarkt profitieren.“ - Ursula von der Leyen [picture alliance/Getty Images]

Die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nahm am Dienstag (20. August) an der offiziellen Grundsteinlegung für das Werk des taiwanesischen Unternehmens TSMC in Dresden teil. Für die Bemühungen der EU, die heimische Halbleiterproduktion anzukurbeln, hatte die Kommission zuvor eine staatliche Beihilfe in Höhe von fünf Milliarden Euro bewilligt.

Die Kommission hat bestätigt, dass die Bundesregierung die Hälfte der erforderlichen Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro für die Errichtung des ersten TSMC-Werks in Europa finanzieren wird.

Das asiatische Unternehmen ist der größte Chiphersteller der Welt. Zusammen mit Bosch, Infineon und NXP wird er in einem Joint Venture namens European Semiconductor Manufacturing Company (ESMC) tätig sein.

Das Werk ist das zweitgrößte Einzelprojekt, das im Rahmen des europäischen Chipgesetzes geplant ist. Es folgt auf die geplante zehn Milliarden Euro Subvention für den US-Chiphersteller Intel für einen Standort in Magdeburg, Deutschland.

TSMC wird flexible, auf Feldeffekttransistoren basierende Chips herstellen. Diese werden in industriellen Anwendungen unter anderem stark in der deutschen Automobilindustrie genutzt.

Aufgrund der technologischen Komplexität der Herstellung solcher Chips sind derzeit nur eine geringe Anzahl von Unternehmen in der Lage sie zu produzieren. Das Fachwissen von TSMC ist daher ein entscheidender Vorteil für die erste europäische Massenproduktionsanlage, die die heimische Industrie mit diesen begehrten Chips beliefern soll.

Anlässlich der Zeremonie in Dresden bezeichnete von der Leyen das Projekt als eine „echte Win-win-Situation.“

„Die europäische Industrie profitiert von zuverlässigeren lokalen Lieferketten und neuen maßgeschneiderten Produkten“, sagte sie.

„TSMC seinerseits profitiert in diesen Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen von der geografischen Diversifizierung in Richtung Europa und einem besseren Zugang zu unseren Stärken wie der europäischen Automobilindustrie und unserem einzigartigen Binnenmarkt.“

Die neue Fabrik ist das vierte Großprojekt, das im Rahmen des EU „Chips Act“ gefördert wird. Für zwei italienische Projekte wurden bereits 292,5 Millionen Euro und zwei Milliarden Euro genehmigt sowie 2,9 Milliarden Euro für ein französisches Projekt.

Intel-Projekt hinkt hinterher

Das größte deutsche Chip-Projekt, eine vom US-Hersteller Intel geplante Fabrik in Magdeburg, kommt dagegen nicht so schnell voran.

Von der Gesamtinvestition in Höhe von 33 Milliarden Euro sollen zehn Milliarden Euro aus staatlichen Beihilfen stammen, für die es noch kein grünes Licht aus Brüssel gibt. Auch ein zweites Intel-Projekt, das in Polen gebaut werden soll, wurde von der EU noch nicht formell genehmigt.

„Die Kommission steht in engem Kontakt mit den deutschen und polnischen Behörden über eine mögliche Unterstützung für Intel“, sagte eine Kommissionssprecherin am Dienstag gegenüber Euractiv.

In der Zwischenzeit haben Intels finanzielle Probleme Befürchtungen ausgelöst, dass die Projekte gestrichen werden könnten. Das Unternehmen verzeichnete im zweiten Quartal 2024 Verluste in Höhe von insgesamt 1,6 Milliarden Euro.

Es gibt jedoch „von Intel keinerlei Hinweise, dass Magdeburg infrage gestellt würde“, sagte Sven Schulze (CDU/EVP), Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt, am Dienstag (20. August) dem Handelsblatt.

Scholz verteidigt staatliche Beihilferegelungen im Rahmen des Chips-Gesetzes

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD/S&D), der ebenfalls bei der Zeremonie anwesend war, sagte, er unterstütze voll und ganz das Ziel der EU, bis zum Jahr 2030 ein Fünftel der weltweiten Chipproduktion in Europa anzusiedeln.

Er fügte hinzu, dass Projekte wie das Werk in Dresden das EU-Chipgesetz „mit Leben füllen“ würden.

„Halbleiter sind der Treibstoff, das Erdöl des 21. Jahrhunderts“, sagte Scholz. Damit wies Kritik daran zurück, dass große Summen staatlicher Gelder für einzelne Fabriken ausgegeben werden.

Chips würden in „allen Branchen“ gebraucht, und der Nutzen der Fabriken gehe über das einzelne Projekt hinaus.

„Die Halbleiterfertigung ist eine der kapitalintensivsten Industrien überhaupt“, sagte er und darauf, dass einzelne Maschinen mehrere hundert Millionen Euro kosten können.

„Wenn wir diese Produktion in Europa haben wollen, wo sie nicht immer und unbedingt am günstigsten zu machen ist, dann müssen wir das finanziell auch ermöglichen.“

Reaktion auf die Chip-Engpässe

Das europäische Chipgesetz trat letztes Jahr als Reaktion auf die Engpässe bei der Halbleiterversorgung während der COVID-19-Krise in Kraft.

Es zielt darauf ab, sowohl die Sicherheit der europäischen Lieferketten als auch die Halbleiterforschung und -innovation zu stärken. Dazu soll es den Mitgliedsstaaten erlaubt sein, die Halbleiterproduktion zu subventionieren und strategische Halbleiterprojekte in ganz Europa zu koordinieren.

Von den Maßnahmen wird erwartet, dass sie vor allem Investitionen in großen Ländern mit größerer finanzieller Schlagkraft, insbesondere Deutschland, zugutekommen. Dadurch wurden Befürchtungen deutlich, dass sie den Binnenmarkt verzerren und Länder mit geringerem Budget zurücklassen könnte.

Einige Experten haben jedoch auf die Vorteile der Förderung regionaler „Cluster“ und der Spezialisierung als unvermeidlichen Schritt zur Stärkung der europäischen Industrie hingewiesen.

Experten kritisieren auch, dass das 20-Prozent-Ziel zu wenig differenziert ist. Denn die Chip-Produktion unterscheidet sich je nach Art der Chips stark voneinander.

„Wir sprechen über ganz verschiedene kleine Märkte, mit zum Teil ganz unterschiedlichen Anforderungen auch ganz unterschiedlichen Preissensitivitäten“, sagte André Wolf, Fachbereichsleiter für technologische Innovation, Infrastruktur und industrielle Entwicklung vom Forschungsinstitut CEP, am Dienstag gegenüber Euractiv.

Er erwartet jedoch, dass sich die EU auf Spitzentechnologien konzentrieren wird, da sie staatliche Beihilfen an den Status des „first of a kind“ (das Erste seiner Art) knüpft. Das bedeutet, dass es in Europa noch keine andere Produktionsstätte dieser Art geben darf.

Théophane Hartmann trug zur Berichterstattung bei.

[Bearbeitet von Anna Brunetti/Daniel Eck]