Studie: Die Europäer leben nicht mehr länger

Die Lebenserwartung in europäischen Ländern ist zwischen 2011 und 2021 leicht gesunken, wobei nordische Länder besser abschneiden. Ursachen sind neben Erkrankungen zum Teil auf externe Einflussfaktoren zurückzuführen. 

EURACTIV.com
Daily Life In Lisbon: Movement Through The City
Spanien, Italien und Malta verzeichneten eine Lebenserwartung, die mehr als zwei Jahre über dem EU-Durchschnitt lag, während Lettland und Bulgarien mehr als fünfeinhalb Jahre darunter lagen. [(Photo by Luis Boza/NurPhoto via Getty Images]

Seit 2011 ist die Lebenserwartung der Europäer leicht zurückgegangen. Schuld daran sind nicht nur schlechte Angewohnheiten wie Rauchen oder Alkohol, sondern auch externe Faktoren wie der Zugang zu gesundheitlicher Versorgung und langfristige Investitionen in Gesundheitssysteme. 

Seit 1990 sind die Lebensjahre der Europäer stetig gestiegen, doch eine Kombination aus Gesundheitsproblemen – wie Bluthochdruck und hoher Cholesterinspiegel, Tabak- und Alkoholkonsum sowie die COVID-19-Pandemie – hat die erzielten Fortschritte in fast allen EU-Ländern zunichtegemacht.

„Wir haben festgestellt, dass Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Hauptgrund für den Rückgang der Lebenserwartung zwischen 2011 und 2019 waren“, sagte Dr. Nicholas Steel von der University of East Anglia. Er ist Hauptautor der neuen Studie, die in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde.

Griechenland, Italien, Portugal, Frankreich, Österreich, den Niederlanden, Spanien, Deutschland, Luxemburg und Finnland mussten die höchsten Rückgänge in der Lebenserwartung feststellen.

Es besteht jedoch Hoffnung: Länder mit beispielsweise besseren langfristigen Investitionen in die Verbesserung der Ernährung verzeichnen eine höhere Lebenserwartung.

Die Forscher erklärten jedoch, dass wir noch keine Obergrenze für die biologische Langlebigkeit – oder die Lebenszeit eines Menschen – erreicht haben.

„Länder wie Norwegen, Island, Schweden, Dänemark und Belgien konnten ihre bessere Lebenserwartung nach 2011 beibehalten und verzeichneten dank staatlicher Maßnahmen geringere Schäden durch Hauptrisiken für Herzerkrankungen“, erklärte Dr. Steel.

Trotz der COVID-19-Pandemie kam es denselben Ländern zwischen 2019 und 2021 zu keinem Verlust der Lebenserwartung.

Mehr als nur ‚schlechte Angewohnheiten‘

Einige der Hauptgründe für die Lebenserwartung sind auf individuelles Verhalten wie schlechte Ernährung und Tabakkonsum zurückzuführen – aber auch darauf, wie reaktionsschnell die nationalen medizinischen Versorgungssysteme sind. Soziale Faktoren wie zunehmende Armut und Ungleichheit sind weitere externe Einflüsse.

„Die starken Kürzungen der Mittel für Gesundheit, Sozialfürsorge und Wohlfahrt seit 2010, insbesondere in Gebieten mit sozioökonomischer Benachteiligung, wirkten sich auf die sozialen Determinanten der Gesundheit aus und trugen daher zur Verlangsamung der Sterblichkeitsverbesserung bei“, heißt es in der Studie.

Derzeit machen steigende Lebensmittelmittelkosten, bekannt unter dem Namen “food deserts“ [Essenswüste], gesunde Mahlzeiten für Millionen Menschen in Europa unerschwinglich. Einkommensschwache Familien sind davon am stärksten betroffen.

In Europa gibt es zwischen den Ländern erhebliche Unterschiede von bis zu acht Jahren zwischen der höchsten und der niedrigsten Lebenserwartung, fand die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heraus.

Spanien, Italien und Malta verzeichneten eine Lebenserwartung, die mehr als zwei Jahre über dem EU-Durchschnitt lag, während Lettland und Bulgarien mehr als fünfeinhalb Jahre darunter lagen.

Die Europäische Union hat Maßnahmen zur Bekämpfung ihrer wichtigsten Gesundheitsprobleme, wie den Europäischen Plan zur Krebsbekämpfung und Maßnahmen gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aus dem Arbeitsprogramm der Kommission für 2025 gestrichen – eine kontroverse Entscheidung.

[VB]