Studie stößt Debatte über die Wahrnehmung der EU-Akteure an [DE]

Eine kürzlich von EURACTIV und der Internationalen Journalisten-Föderation (IJF) vorgestellte Studie hat eine wichtige Debatte über die Beziehungen zwischen den EU-Akteuren und der Presse angestoßen. Die Studie und die folgende Diskussionsrunde haben gezeigt, dass die Beziehungen besser sein könnten. 

Eine kürzlich von EURACTIV und der Internationalen Journalisten-Föderation (IJF) vorgestellte Studie hat eine wichtige Debatte über die Beziehungen zwischen den EU-Akteuren und der Presse angestoßen. Die Studie und die folgende Diskussionsrunde haben gezeigt, dass die Beziehungen besser sein könnten. 

Die Ergebnisse der Studie „Wie werden Interessenverbände von den Medien wahrgenommen?“ wurden bei einer EURACTIV-Konferenz am 24. Oktober 2006 vorgestellt. 

Die Haupterkenntnisse der Studie sind: 

  • NGOs werden als bessere Kommunikationsstrategen wahrgenommen als Unternehmensverbände
  • Die meisten Organisationen haben einen zu geringen Wiedererkennungseffekt (Brand Recognition) in den Medien
  • Für Journalisten, die über EU-Entwicklungen berichten, sind Onlineinformationen unerlässlich, um Zeit zu sparen (vor allem Zugang zu Hintergrundinformationen)
  • Ein rascher Zugriff auf Positionspapiere im Vorfeld von relevanten EU-Entscheidungen und bessere Internetseiten gehören ebenfalls zu den Prioritäten der Journalisten und werden den traditionellen Mitteln vorgezogen (Kontakt zu Büroleiter, Pressekonferenzen und Anrufe der Journalisten)
  • Die Journalisten verlangen bessere Bedingungen für tiefgründige Recherchen, investigativen Journalismus und Quellenschutz. Transparenz und ethische Leitlinien werden bei Berichterstattung über Interessenverbände als unerlässlich eingeschätzt.

Die Vortragshalter Jérôme Vignon (Direktor der GD Beschäftigung) und Aidan White (Generalsekretär der IJF) platzierten die Studie in einen breiteren Kontext.

In einem offenherzigen Redebeitrag zeichnete Vignon die unterschiedlichen Phasen der EU-Kommunikationspolitik auf und scheute auch nicht vor Kritik an seiner Institution zurück. Nach der Ära Delors, die von einer positiven Beziehung zwischen der Kommission und den Medien geprägt war, wurde die Beziehung in der Amtszeit der Santer-Kommission zu einem „Alptraum“, so Vignon. Die Prodi-Kommission habe im Anschluss keine richtige Kommunikationsstrategie vorgelegt, da der Kommissionspräsident kein großes Kommunikationstalent war und die Kommission „ethische Integrität“ überbetont habe und Antibetrugsvorschriften eingeführt hätte, die die Effizienz erstickt hätten.

Jérôme Vignon gab auch offen zu, dass die Barroso-Kommission in der Frage der Kommunikationsstrategie von Margot Wallström geteilter Meinung sei. Die Spaltung verläuft seiner Meinung nach zwischen denjenigen, die „eine zynische Haltung einnehmen“ und gute Meldungen mit den Medien verhandeln wollen und denjenigen, die glauben die Bürger seien besser informiert und bräuchten eine Mischung aus täglichem Mehrwert und einer langfristigen Vision für die Kommission.

IJF-Generalsekretär Aidan White sprach sich für einen Verhaltenskodex für Medien und Journalisten in Brüssel aus. Er betonte, dass es sehr wichtig sei, ein auf Respekt und Offenheit basierendes Verhältnis zwischen EU-Akteuren und den Medien aufzubauen. Er wies darauf hin, dass Journalisten keine Transparenz verlangen dürften, wenn sie sich ihrerseits weigerten, transparent zu arbeiten und forderte größere Offenheit über Finanzierungsquellen. White betonte auch, dass eine interessante Nachricht drei Zutaten braucht: Tatsachen (Frage des Timings für die Presseerklärung), Gefühl (sie muss die Leute ansprechen) und Kontroversen (ohne Drama keine Nachricht).

Willy De Backer, Chefredakteur von EURACTIV, fügte hinzu, dass von Kontroversen in den im Stil “guter Nachrichten” gehaltenen Mitteilungen der jede Spur fehle. Dies, obwohl Margot Wallström in einem Interview with EURACTIV im letzten Jahr die Notwendigkeit betonte, dass sich die Institutionen verstärkt ihre internen Debatten nach außen tragen müssten.

Im zweiten Teil der Veranstaltung stellten Tony Long von WWF und Hubert Linssen von der Internationalen Straßenverkehrsunion (IRU) in Fallstudien vor, wie ihre Organisationen Kommunikation nutzt. Bruno Alves und Alfons Westgeest von Kellen Europe zeigten, wie sie ihren Kunden helfen, die Möglichkeiten der Kommunikation besser zu nutzen. Zudem erklärten sie die Unterschiede zwischen amerikanischem und europäischem Lobbyismus.