Temperatur in Europa stieg zweimal schneller
Temperaturen haben sich in Europa in den vergangenen 30 Jahren mehr als doppelt so stark erwärmt wie im globalen Durchschnitt und bedrohen Leben, Wirtschaft und Gesellschaft, so ein neuer Bericht der Weltorganisation für Meteorologie.
Temperaturen haben sich in Europa in den vergangenen 30 Jahren mehr als doppelt so stark erwärmt wie im globalen Durchschnitt, so ein neuer Bericht der Weltorganisation für Meteorologie. Das bedroht Lebewesen und Meere.
Laut einem am Mittwoch (2. November) veröffentlichten Bericht sind Temperaturen zwischen 1991 und 2021 in jedem Jahrzehnt um durchschnittlich 0,5 °C gestiegen.
Aufgrund dieser Zunahme steigt das Risiko klimabedingter Extremereignisse. Das führt zu Rekord-Hitzewellen, Waldbränden und Überschwemmungen.
„Europa zeigt ein lebendiges Bild einer sich erwärmenden Welt und erinnert uns daran, dass selbst gut vorbereitete Gesellschaften nicht vor den Auswirkungen extremer Wetterereignisse sicher sind“, sagte Professor Petteri Taalas, Generalsekretär der Weltmeteorologiebehörde.
„Dieses Jahr, wie auch 2021, wurden große Teile Europas von ausgedehnten Hitzewellen und Dürreperioden heimgesucht, die die Waldbrände anheizten. Im Jahr 2021 verursachten außergewöhnliche Überschwemmungen Tod und Verwüstung“, fügte er hinzu.
Der Bericht, der in Zusammenarbeit mit dem Copernicus Climate Change Service der EU erstellt wurde, befasst sich mit dem Klimawandel im Jahr 2021, und beschreibt unter anderem steigende Temperaturen, Hitzewellen an Land und im Meer, extreme Wetterverhältnisse, veränderte Niederschlagsmuster und den Rückgang von Schnee und Eis.
Die schnellste Erwärmung ist in Europa
Im Vergleich zu den sechs von der Weltorganisation für Metrologie aufgelisteten Weltregionen erwärmt sich Europa dem Bericht zufolge am schnellsten.
Dieser Temperaturanstieg hat bereits jetzt erhebliche Auswirkungen auf Europa gehabt.
Im vergangenen Jahr wurden viele Teile des Kontinents von außergewöhnlich hohen Temperaturen und Hitzewellen heimgesucht. In Sizilien wurden 48,8 °C erreicht, ein womöglich kurzlebiger Rekord.
Dürre und hohe Temperaturen förderten außerdem sowohl 2021 als auch 2022 große Waldbrände.
In der Zwischenzeit haben die Alpengletscher zwischen 1997 und 2021 30 Meter an Eisdicke verloren. Auch der grönländische Eisschild schmilzt und trägt zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Im Jahr 2021 gab es auf dem dänischen Territorium außerdem erstmals Niederschläge am höchsten Punkt.
Der Temperaturanstieg hat auch direkte Auswirkungen auf die Gesundheit europäische Bürger und führte laut dem Bericht zu „Hunderten von Todesfällen“, betraf 510.000 Menschen direkt und verursachte wirtschaftliche Schäden von über 50 Milliarden Dollar.
Und die mit Wetter, Klima und Wasser zusammenhängenden Katastrophen werden wahrscheinlich noch zunehmen, so der Sechste Bewertungsbericht der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe für Klimaänderungen (IPCC).
Unabhängig von der künftigen Erwärmung in allen europäischen Gebieten sollen Temperaturen mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ schneller steigen als auf globaler Ebene, so der Bericht.
Die Erwärmung wird sich voraussichtlich auch auf die Niederschläge auswirken, wobei für Nordeuropa eine Zunahme der Niederschläge im Winter und für den Mittelmeerraum ein Rückgang im Sommer prognostiziert wird.
Europa hat bereits einen Vorgeschmack auf diesen Wandel der Wettermuster bekommen, mit fatalen Überschwemmungen im Jahr 2021 und Dürreperioden, die zu einem Rückgang der Stromerzeugung aus Wasserkraft führten und die Ernten in diesem Jahr beeinträchtigten.
Im Jahr 2021 war auch der Agrarsektor von einem ungewöhnlichen Kälteeinbruch im April betroffen, der allein in Frankreich zu Verlusten von mehr als 4,6 Milliarden Dollar führte.
Fortschritte bei der Emissionsreduzierung
Es gab jedoch auch Positives zu berichten.
Der EU ist es gelungen, ihre Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2020 um 31 Prozent zu senken. Zudem, plant die Union, ihre Nettoemissionen bis 2030 um 55 Prozent zu reduzieren.
„Was die Verringerung der Treibhausgasemissionen betrifft, so sollte das gute Tempo in der Region beibehalten und die Ambitionen weiter gesteigert werden“, sagte Taalas.
„Europa kann eine Schlüsselrolle dabei spielen, bis zur Mitte des Jahrhunderts eine kohlenstoffneutrale Gesellschaft zu erreichen, um das Pariser Abkommen zu erfüllen“, fügte er hinzu.
Viel mehr muss getan werden
Nach Ansicht der UN muss jedoch noch viel mehr getan werden.
In einem letzte Woche veröffentlichten Bericht wurde festgestellt, dass die Länder der Welt zwar die Kurve der prognostizierten globalen Emissionen nach unten biegen, aber immer noch nicht in der Lage sind, den globalen Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 °C zu begrenzen.
Nach Angaben der Weltmeteorologiebehörde führt Europa bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zur Anpassung an den Klimawandel.
Auch bei der Bereitstellung von Frühwarnsystemen für extreme Wetterlagen, die etwa 75 Prozent der Bevölkerung betreffen, hat die EU eine Führungsrolle.
„Die europäische Gesellschaft ist anfällig für Klimaschwankungen und -veränderungen, aber Europa steht auch an der Spitze der internationalen Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Entwicklung innovativer Lösungen für die Anpassung an das neue Klima, mit dem die Europäer leben müssen“, sagte Dr. Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Climate Change Service.
[Bearbeitet von Frédéric Simon]