ThyssenKrupp wird aufgespalten
Der seit Jahren kriselnde Traditionskonzern Thyssenkrupp wird wohl aufgespalten. Am Konzern beteiligte Hedgefonds wollen mehr Rendite.
Der seit Jahren kriselnde Traditionskonzern Thyssenkrupp wird wohl unter dem Einfluss ausländischer Hedgefonds aufgespalten.
„Wir schlagen jetzt eine Lösung vor, die nicht nur Wert für unsere Aktionäre schafft, sondern auch die Entwicklungsperspektiven unserer Geschäfte spürbar verbessert“, sagte Vorstandschef Guido Kerkhoff am Donnerstag. Kerkhoff ist erst seit knapp drei Monaten im Amt. Sein Vorgänger, Heinrich Hiesinger trat auch unter Druck der am Konzern beteiligten, für ihr aggressives Vorgehen bekannten Fonds Cevian und Elliott zurück.
Der Vorstand will den Mischkonzern neu sortieren und in zwei börsennotierte Gesellschaften teilen. Das Geschäft mit Aufzügen, Autoteilen, dem Kernanlagenbau und einem Umsatz von rund 16 Milliarden Euro soll abgetrennt werden. In einer zweiten Gesellschaft verbleibt unter anderem der Werkstoffhandel und der Anteil am geplanten Stahl-Gemeinschaftsunternehmen.
Der Aufsichtsrat berät am Sonntag über die Pläne. Die Arbeitnehmervertreter signalisierten bereits Zustimmung: Mit den Plänen sei ein Ausverkauf bei Thyssenkrupp vom Tisch, sagte IG Metall-Sekretär Markus Grolms.
Die Thyssenkrupp-Anteilseigner sollen nach den von Kerkhoff vorgestellten Plänen nach der Aufspaltung zwei Aktien halten: Eine der künftigen Thyssenkrupp Materials AG – der bisherigen Thyssenkrupp AG – und eine der neuen Thyssenkrupp Industrials. An der neuen Gesellschaft sollen die Aktionäre „zunächst eine deutliche Mehrheit“ halten. Die neue Sparte rund um das florierende Geschäft mit Aufzügen erwirtschafte nach Pro-forma-Zahlen mit rund 90.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 16 Milliarden Euro. Das verbleibende Geschäft des zweiten Unternehmens käme mit knapp 40.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von etwa 18 Milliarden Euro.
„Wir planen die Schaffung zweier eigenständiger Unternehmen mit gemeinsamer DNA und starken Wurzeln“, betonte Kerkhoff. Beide Gesellschaften sollten auch in Zukunft den Namen „Thyssenkrupp“ führen, durch die Aufspaltung schlagkräftiger und für die Investoren attraktiver werden.
Die genaue Ausgestaltung der Teilung – wie Transaktionsstruktur, Finanzierungskonzept und die Führung beider Gesellschaften – müssen indes noch ausgearbeitet werden. Dies solle unter Einbeziehung der Mitarbeiter geschehen, wenn der Aufsichtsrat Kerkhoff grünes Licht gegeben hat. Die endgültige Entscheidung liegt dann bei den Aktionären – sie sollen in einer Hauptversammlung über die Spaltung abstimmen. Dies könne in zwölf bis 18 Monaten geschehen.
Aus den Reihen des Aufsichtsrats kam bereits Unterstützung für Kerkhoffs Vorhaben. „Die Arbeitnehmervertreter stehen hinter den Plänen des Vorstands“, sagte IG Metall-Sekretär Grolms. „Damit wird eine Zerschlagung von Thyssenkrupp verhindert“, fügte der stellvertretende Chef des Aufsichtsrats hinzu, der nach dem Rücktritt von Ulrich Lehner das Kontrollgremium derzeit leitet. Die Krupp-Stiftung, mit einem Anteil von rund 21 Prozent größter Einzelaktionär bei dem Essener Konzern, betonte, sie werde sich „keiner Lösung verschließen, die eine gute Balance aus Sicherung von nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit und Sicherung zukunftsfähiger Arbeitsplätze gewährleistet“. Cevian – der Finanzinvestor hält rund 18 Prozent der Anteile – stellte sich hinter die Pläne zur Aufspaltung.
Thyssenkrupp steht unter dem Druck von Investoren wie den beiden Großaktionären Cevian und Elliott, die mehr Rendite fordern. Kerkhoff hatte bereits angekündigt, die Geschäfte profitabler aufzustellen. „Für uns alle gilt: Wir müssen in Zukunft deutlich mehr Geld verdienen als bisher“, schrieb er in einem Reuters vorliegenden Mitarbeiterbrief.
Kerkhoff hatte wenige Wochen nach dem Rücktritt des früheren Konzernchefs Heinrich Hiesinger die Prognose für das am Sonntag endende Geschäftsjahr 2017/18 eindampfen müssen. Sorgenkind ist derzeit die Sparte Industrial Solutions mit dem Anlagenbau und der Marinesparte. Das Stahlgeschäft soll in ein Joint Venture mit Tata Steel abgestoßen werden, der bei Thyssenkrupp verbleibende Anteil von 50 Prozent soll im künftigen Materials-Konzern angesiedelt sein. Kerkhoff äußerte sich nicht dazu, wann die offenen Führungsfragen geklärt sein werden. Der jetzige Vorstand sei bereit, die Pläne umzusetzen. „Wir haben alle Verträge.“ Der von einige Investoren kritisch gesehene langjährige Finanzchef hatte bereits zuvor erkennen lassen, dass er an der Konzernspitze keine Übergangslösung sein will.