Trockenster Juli seit seit Aufzeichnungen bedroht Europas Ernten
Während große Teile Europas unter der dritten Hitzewelle seit Juni leiden, wächst die Befürchtung, dass die durch den Klimawandel verursachte extreme Dürre in den Agrarländern des Kontinents die Ernteerträge beeinträchtigen und die Lebenshaltungskostenkrise verschärfen könnte.
Während große Teile Europas unter der dritten Hitzewelle seit Juni leiden, wächst die Befürchtung, dass die durch den Klimawandel verursachte extreme Dürre in den Agrarländern des Kontinents die Ernteerträge beeinträchtigen und die Lebenshaltungskostenkrise verschärfen könnte.
Die Europäische Kommission forderte am Mittwoch (3. August) die EU-Mitgliedstaaten auf, geklärtes Stadtabwasser zur Bewässerung der von der Trockenheit geplagten Landwirtschaftsbetriebe auf dem Kontinent wiederzuverwenden. In Frankreich und Teilen Englands war der Juli so trocken wie nie zuvor.
In Frankreich macht eine intensive Dürre den Landwirt:innen zu schaffen und hat die Einführung weitreichender Nutzungsbeschränkungen für Süßwasser notwendig gemacht. Nach Angaben von Meteo France fielen im Lande im vergangenen Monat nur 9,7 Millimeter Regen.
Das entspricht einem Rückgang von 84 Prozent gegenüber den durchschnittlichen Juli-Werten zwischen 1991 und 2022. Damit galt dieser Monat als der trockenste seit März 1961, so die Agentur weiter.
Landwirt:innen im ganzen Land beklagen Probleme bei der Futterversorgung ihrer Tiere aufgrund der ausgedörrten Weiden, während die Bewässerung in weiten Teilen des Nordwestens und Südostens aufgrund des Süßwassermangels verboten wurde.
Umweltminister Christophe Bechu sagte, dass die Niederschläge im Juli „nur 12 Prozent dessen ausmachten, was benötigt wird.“
Frankreich ist der viertgrößte Weizenexporteur und gehört zu den fünf größten Maisexporteuren der Welt. Dürrebedingte Ernteausfälle könnten die Getreidelieferungen weiter unter Druck setzen, nachdem Russlands Einmarsch in der Ukraine die Märkte weltweit erschüttert hat.
„Unser Nahrungsmittelsystem steht schon seit einiger Zeit unter Stress, und mit den Versorgungsproblemen in der Ukraine hat sich das nur noch verschlimmert“, sagte Shouro Dasgupta, Umweltökonom am Europa-Mittelmeer-Zentrum für Klimawandel (Euro-Mediterranean Center on Climate Change).
„Diese Hitzewellen kommen zu den Dürren hinzu und werden die Ernten schneller verdorren lassen.“
Dasgupta sagte, dass die durch den Klimawandel verursachte extreme Hitze zu einer Inflation der Lebensmittelpreise für die Verbraucher und zu härteren Bedingungen für die Erzeuger beiträgt.
„Dürren und Hitzewellen haben Auswirkungen auf die Lebensgrundlage der Menschen. Die Menschen werden sich immer weniger Lebensmittel leisten können“, sagte er gegenüber AFP.
„Und bei Hitzewellen können die Arbeiter im Freien nur weniger Stunden arbeiten, was kaskadenartige Auswirkungen auf die Versorgung hat.“
Die Ernährungssysteme funktionieren nicht
Das britische Met Office hat diese Woche mitgeteilt, dass ein Großteil Süd- und Ostenglands den trockensten Juli aller Zeiten erlebt hat.
Einige Wasserversorger haben bereits Restriktionen angekündigt, von denen Millionen von Menschen betroffen sind. Obst- und Gemüseerzeuger haben mehrere Ernteausfälle angekündigt, zum Beispiel bei Bohnen und Beeren.
Die Inflation in Großbritannien ist im Juni aufgrund steigender Kraftstoff- und Lebensmittelpreise auf ein 40-Jahres-Hoch gestiegen.
Elizabeth Robinson, Direktorin des Grantham Research Institute für Klimawandel und Umwelt an der London School of Economics, sagte, dass die steigenden Lebensmittelkosten – die durch hitzebedingte Ausfälle in Europa und Großbritannien noch verschlimmert werden – ein Zeichen dafür seien, dass „die Lebensmittelsysteme für die Menschen nicht funktionieren.“
„Es müssen einige langfristige, schwierige Diskussionen geführt werden, insbesondere über die Verschwendung von Lebensmitteln und die Umleitung von Getreide von der Ernährung der Menschen zur Tierfütterung“, sagte sie der AFP.
In Spanien, das bereits unter einer lang anhaltenden Hitzeperiode leidet, werden die Temperaturen in dieser Woche in einigen Gebieten die 40 Grad-Marke überschreiten.
Die Hitze verschlimmert die Wasserknappheit, die die spanische Landwirtschaft seit dem letzten Winter plagt, und führt in den am stärksten betroffenen Regionen zu lokalen Nutzungsbeschränkungen beim Wasserverbrauch.
Die Regierung gab diese Woche bekannt, dass die spanischen Wasserreservoirs nur noch zu 40,4 Prozent gefüllt seien.
Juan Carlos Hervas von der Bauerngewerkschaft COAG sagte gegenüber AFP, dass die spanische Olivenernte auf unbewässerten Flächen weniger als 20 Prozent des Durchschnitts der letzten fünf Jahre betragen werde.
Spanien liefert fast die Hälfte des weltweiten Olivenöls.
Schlimmste Dürre dieses Jahrhunderts
Portugal, wo die Temperaturen diese Woche erneut die 40°C-Marke überschritten haben, erlebt „die schlimmste Dürre dieses Jahrhunderts“, warnte Umweltminister Jose Duarte Cordeiro letzten Monat.
Zusammen mit Polen hat Portugal seine Bürger:innen aufgefordert, den Wasserverbrauch zu reduzieren, um den Druck zu verringern.
„Die Wasserbehörden in ganz Europa sind nicht auf das vorbereitet, was Wissenschaftler seit drei Jahrzehnten vorausgesagt haben“, sagte Dasgupta. „Häufige Hitzewellen werden die Wasserversorgung beeinträchtigen.“
Die Europäische Kommission hat in einer aktualisierten Bewertung im letzten Monat festgestellt, dass sich fast die Hälfte – 44 Prozent – der Gebiete der EU und Großbritanniens zurzeit im Alarmzustand wegen Trockenheit befinden.
Sie warnte, dass mehrere Länder, darunter Frankreich, Rumänien, Spanien, Portugal und Italien, aufgrund der geringen Bodenfeuchtigkeit im Jahr 2022 mit geringeren Ernteerträgen rechnen müssen.
„Die ungünstigen Prognosen für die kommenden Monate können die Wasserversorgung gefährden und werden voraussichtlich den Konkurrenzkampf um diese Ressource anhalten“, hieß es.
In einem separaten EU-Bericht hieß es außerdem, dass die Erträge von Sojabohnen, Sonnenblumen und Mais in der EU bereits 9 Prozent unter dem Durchschnitt liegen.
Am Mittwoch forderte Virginijus Sinkevicius, EU-Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei, die EU-Länder auf, einen hoheren Anteil ihres Abwassers wiederzuverwenden.
„Wir müssen aufhören, Wasser zu verschwenden und diese Ressource effizienter nutzen, um uns an den Klimawandel anzupassen und die Sicherheit und Nachhaltigkeit unserer landwirtschaftlichen Versorgung zu gewährleisten“, sagte er.