UK: Wettbewerbsbehörde treibt Untersuchung zur Activision-Übernahme voran

Die britische Wettbewerbsbehörde wird die Untersuchung der Übernahme des Spieleherstellers Activision Blizzard durch Microsoft vorantreiben, wie sie am Donnerstag (1. September) mitteilte. 

EURACTIV.com
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Die Aufsichtsbehörde gab an, dass sich ihre Bedenken vor allem auf die potenziellen Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Wettbewerb in den Bereichen Spielkonsolen, Spiele-Streaming und Multi-Game-Abonnementdienste bezögen. [[Shutterstock / Sergei Elagin]]

Die britische Wettbewerbsbehörde wird die Untersuchung der Übernahme des Spieleherstellers Activision Blizzard durch Microsoft vorantreiben, wie sie am Donnerstag (1. September) mitteilte

Die Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (Competition and Markets Authority, CMA) leitete im Juli eine Untersuchung des Zusammenschlusses ein und fügte damit den zahlreichen anderen Untersuchungen eine weitere hinzu. Der 68,7 Milliarden Euro teure Kauf war bereits Gegenstand einiger Ermittlungen.

Die Übernahme, die bislang die größte von Microsoft sein sollte, folgt auf den Kauf einer Reihe anderer Spielehersteller durch den Tech-Riesen. Im Falle eines erfolgreichen Zusammenschlusses würde Microsoft zum drittgrößten Spielehersteller gemessen am Umsatz aufsteigen – hinter Tencent und Sony.

„Nach der ersten Phase unserer Untersuchung sind wir besorgt, dass Microsoft seine Kontrolle über beliebte Spiele wie Call of Duty und World of Warcraft nach der Fusion nutzen könnte, um Konkurrenten zu schädigen, einschließlich aktueller und zukünftiger Mitbewerber bei Multi-Game-Abonnementdiensten und Cloud-Gaming“, sagte Sorcha O’Carroll, Senior Director für Fusionen bei der CMA.

Die Aufsichtsbehörde gab an, dass sich ihre Bedenken vor allem auf die potenziellen Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Wettbewerb in den Bereichen Spielkonsolen, Spiele-Streaming und Multi-Game-Abonnementdienste bezögen.

Nach Auffassung der Behörde könnte der Kauf dazu führen, dass neue Marktteilnehmer vom Zugang zu Spielen von Activision ausgeschlossen oder zumindest mit ungünstigen Bedingungen belastet werden, da Microsoft seit langem eine dominierende Stellung in der Branche innehat und viele der Activision-Titel große Bekanntheit genießen.

Die CMA äußerte auch Bedenken hinsichtlich der möglichen Auswirkungen einer Einbindung von Activision in Microsofts breiteres Ökosystem, zu dem bereits die Spielkonsole Xbox, die Cloud-Plattform Azure und das Betriebssystem Windows gehören.

Diese könnten in Kombination mit den Spielen von Activision genutzt werden, um Microsofts Position in der Cloud-Gaming-Branche zu stärken, befürchtet die CMA.

Microsoft und Activision haben nun fünf Tage Zeit, um Vorschläge zu unterbreiten, wie die Bedenken der Behörde ausgeräumt werden können. Sollte die CMA die Vorschläge für unzureichend erachten, wird die Untersuchung in Phase 2 übergehen, in der ein unabhängiges Expertengremium die in Phase 1 vorgebrachten Fragen genau prüfen wird.

„Wir sind bereit, mit der CMA an den nächsten Schritten zu arbeiten und alle Bedenken auszuräumen“, sagte Brad Smith, Präsident von Microsoft, in einer Erklärung. „Sony als Branchenführer macht sich Sorgen um Call of Duty, aber wir haben gesagt, dass wir das gleiche Spiel am gleichen Tag sowohl auf der Xbox als auch auf der PlayStation verfügbar machen wollen. Wir wollen, dass die Menschen einen besseren Zugang zu den Spielen haben, nicht einen schlechteren.“

Die CMA ist jedoch nicht die einzige Einrichtung, die das Geschäft unter die Lupe nimmt. Auch die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) untersucht die Vereinbarung, insbesondere ihre möglichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigten von Activision.

In ihrer Antwort auf eine Frage der US-Senatorin Elizabeth Warren Anfang des Jahres sagte die FTC-Vorsitzende Lina Khan, dass die Behörde prüfe, ob bestimmte Aspekte der den Activision-Mitarbeiter:innen angebotenen Verträge gegen das Kartellrecht verstoßen würden.

Kurz nach der Veröffentlichung des Schreibens kündigte Microsoft eine Vereinbarung über Arbeitsneutralität mit der Gewerkschaft Communications Workers of America an, in der es sich verpflichtet, neutral zu bleiben, falls Activision-Mitarbeiter:innen eine Gewerkschaft gründen wollen.

Diese Ankündigung erfolgte im Schatten eines Skandals um sexuelle Belästigung bei Activision, der Gegenstand mehrerer Gerichtsverfahren ist.

Das Spieleunternehmen hat im März mit der US Equal Employment Opportunity Commission einen Vergleich in Höhe von 18 Millionen Dollar in einem Diskriminierungsfall geschlossen, sieht sich aber mit weiteren laufenden Klagen konfrontiert, darunter die Klage einer kalifornischen Bürgerrechtsbehörde wegen geschlechtsspezifischer Diskriminierung im Rahmen der „frat boy culture“ am Arbeitsplatz.

Die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) hat ebenfalls eine Untersuchung gegen das Unternehmen eingeleitet und später erweitert, weil die Vorwürfe des Fehlverhaltens möglicherweise falsch gehandhabt worden sind.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Nathalie Weatherald]