Unschlüssige Wähler entscheiden über Frankreichs EU-Zukunft
Die französischen Wähler:innen werden am Sonntag (11. April) die beiden Spitzenkandidat:innen für das Präsident:innenamt wählen. Doch der Ausgang des ersten Wahlgangs scheint zunehmend ungewiss, die Wahlbeteiligung niedrig.
Die französischen Wähler:innen werden am Sonntag (10. April) die beiden Spitzenkandidat:innen für das Präsidentenamt wählen. Doch der Ausgang des ersten Wahlgangs scheint zunehmend ungewiss, die Wahlbeteiligung niedrig.
Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage, der diplomatischen Rolle Frankreichs und seiner laufenden EU-Ratspräsidentschaft, die im Juni enden wird, sind die diesjährigen französischen Wahlen von entscheidender Bedeutung – nicht nur für Frankreich.
Insgesamt treten 12 Kandidat:innen an, darunter der amtierende Präsident Emmanuel Macron, die rechtsextremen Kandidaten Marine Le Pen und Éric Zemmour, Valérie Pécresse für ihre Mitte-Rechts-Partei und der linksradikale Kandidat Jean-Luc Mélenchon.
Niedrige Wahlbeteiligung prognostiziert
Den Prognosen zufolge könnte die Stimmenthaltung hoch sein. Die Öffentlichkeit scheint den diskutierten Themen und den Kandidat:innen selbst weitgehend gleichgültig gegenüberzustehen.
Daher könnte die Wahlbeteiligung sogar niedriger ausfallen als im Jahr 2002. Damals blieben 28,4 Prozent der Wähler:innen im ersten Wahlgang der Urne fern. Verschiedenen Umfragen zufolge liegt die geschätzte Wahlenthaltung dieses Mal bei etwa 30 Prozent.
Im Jahr 2017 gaben eine Woche vor dem ersten Wahlgang 78 Prozent der Wähler:innen an, auf jeden Fall wählen zu gehen. Die endgültige Wahlbeteiligung lag bei 77,77 Prozent.
Von den 47,9 Millionen wahlberechtigten Franzosen könnten sich also 14 Millionen dafür entscheiden, am Sonntag nicht zur Wahl zu gehen. Ihr Einfluss auf das Endergebnis könnte dennoch entscheidend sein.
Besonders junge Wähler:innen scheinen wenig Interesse an dem Wahlausgang zu zeigen. Den Umfragen zu Folge sind sie von der Politik desillusionierter als ältere Menschen.
Nach der jünsten Prognosen von Ipsos France, die unter 12 600 Personen durchgeführt wurde, werden 40 Prozent der 18- bis 24-Jährigen der Wahl fern bleiben. Das entspricht mehr als zwei Millionen Stimmen. Dieser Anteil steigt bei den 25- bis 34-Jährigen auf 45 Prozent oder 2,2 Millionen Wähler:innen.
Yannick Jadot (Grüne) schneidet bei den jüngsten Wählern am besten ab, gefolgt von Jean-Luc Mélenchon und Marine Le Pen, die ebenfalls bei den 25- bis 34-Jährigen gut ankommen. Sie könnten daher am stärksten von der geringen Mobilisierung dieser Wählergruppe betroffen sein.
Je älter die Wähler, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie zur Wahl gehen.
Auch bei den Wählern:innen, die sich keiner politischen Partei zugehörig fühlen, ist die Wahlabsicht gering. Die Hälfte von ihnen ist sich unsicher oder hat nicht vor, an der Wahl teilzunehmen. Unter den parteigebundenen Wähler:innen sind die Anhänger:inen der Linken etwas weniger mobilisiert als die der Rechten oder der Mitte.
Volatile und unschlüssige Wählerschaft
Ein weiterer kritischer Faktor bei dieser Wahl ist die große Ungewissheit unter den Wähler:innen, von denen sich viele noch nicht entschieden haben.
Laut Ipsos France haben sich 32 Prozent derjenigen, die mit Sicherheit zur Wahl gehen werden, noch nicht entschieden, wem sie ihre Stimme abgeben werden – eine Zahl, die auch von anderen Umfragen bestätigt wird.
Macrons Anhänger:innen und jene der beiden wichtigsten rechtsextremen Kandidat:innen sind am wenigsten unentschlossen (unter 25 Prozent).
Die Unterstützer der linken Kandidat:innen sind deutlich unschlüssiger, ebenso die Wähler:innen von Valérie Pécresse, der Kandidatin der Rechten. Die Anhänger des grünen Kandidaten Yannick Jadot wären am wenigsten gewillt, ihre Stimme abzugeben (58 Prozent seiner potenziellen Wähler:innen), gefolgt von Pécresse (39 Prozent) und Mélenchon (34 Prozent).
Dies entspricht bis zu 10 Millionen Wahlberechtigten.
Mélenchon könnte von den Unentschlossenen profitieren, die beabsichtigen, Fabien Roussel und Jadot zu wählen. Gleichzeitig könnte Macron von einer Übertragung der Wählerschaft von Valérie Pécresse aus der ersten Runde profitieren. Marine Le Pen versucht, die zahlreichen Wähler:innen von Éric Zemmour zu überzeugen, die noch zwischen den beiden Parteien zögern.
Inzwischen haben viele Wähler:innen in den letzten Monaten mehrmals ihre Meinung geändert, was bei früheren Wahlgängen selten der Fall war.
Es ist unmöglich, genau zu wissen, wie viele Menschen dies betrifft, aber es ist ein „offensichtlich großer“ Anteil, sagte ein erfahrener Meinungsforscher gegenüber EURACTIV.
Laut der jüngsten Umfrage von Ipsos France haben 8 Prozent der Personen, die sich sicher sind, wählen zu gehen, in den letzten zwei Wochen den Kandidaten gewechselt.
Die Entourage mehrerer Kandidat:innen teilte EURACTIV Frankreich kürzlich ihre Befürchtung mit, dass die geringe Mobilisierung ihrer Anhänger:innen ihren Aussichten schaden könnte.
Für Le Pen und Mélenchon geht es um den zweiten Platz.