Vogelgrippe bei Säugetieren: Brüssel sieht geringes Risiko für Menschen
Die EU-Kommission und die internationalen Gesundheitsbehörden beobachten aufmerksam das zunehmende Auftreten von Vogelgrippe bei Säugetieren. Das Risiko für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist aus Sicht der Kommission jedoch gering.
Die EU-Kommission und die internationalen Gesundheitsbehörden beobachten aufmerksam das zunehmende Auftreten von Vogelgrippe bei Säugetieren. Das Risiko für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist aus Sicht der Kommission jedoch gering.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) melden einen Anstieg der Fälle des Vogelgrippevirus A(H5N1) bei Säugetieren in Europa seit Anfang des Jahres.
Dieser Grippetyp stammt ursprünglich von Vögeln, wurde aber in den letzten Monaten bei einer wachsenden Zahl von Säugetieren wie Füchsen und Katzen festgestellt, die dem Menschen biologisch näher stehen als Vögel. Dies gebe Anlass zur Sorge, dass sich das Virus anpassen könnte, um den Menschen leichter zu infizieren, so die WHO.
Ein Sprecher der Europäischen Kommission erklärte gegenüber EURACTIV, man stehe in regelmäßigem Kontakt mit den nationalen Behörden, um das Vorgehen zu koordinieren und sie bei der Prävention, Eindämmung, Kontrolle und Ausrottung der Krankheit bei Geflügel zu unterstützen.
„Die Kommission bleibt in Kontakt mit den Mitgliedsstaaten und ist bereit, sehr schnell zu reagieren, sollte sich die Situation weiterentwickeln“, so der Sprecher.
Geringes Risiko, aber bereit zu handeln
Nachweise des Vogelgrippevirus beim Menschen wurden zwar gemeldet, sind aber mit acht gemeldeten Fällen seit Dezember 2021 weiterhin sehr selten. Infektionen beim Menschen können zu schweren Erkrankungen mit einer hohen Sterblichkeitsrate führen. Die bisher festgestellten Fälle beim Menschen stehen meist im Zusammenhang mit engem Kontakt zu infizierten Vögeln und kontaminierten Umgebungen.
Daher schätzen sowohl die WHO als auch das ECDC das derzeitige Infektionsrisiko für die Allgemeinheit als gering ein.
„Nach den bisher vorliegenden Informationen scheint das Virus nicht ohne Weiteres von Mensch zu Mensch übertragbar zu sein, aber es ist Wachsamkeit geboten, um jegliche Entwicklung des Virus zu erkennen, die dies ändern könnte“, sagte Sylvie Briand, Direktorin für Epidemie- und Pandemievorsorge bei der WHO.
Das ECDC bewertete das derzeitige Infektionsrisiko für die Allgemeinheit als gering. Für Personen, die mit dem Vogelgrippevirus infizierten Tieren in Berührung kommen, beispielsweise Mitarbeitende in Geflügelfarmen, in denen es zu Ausbrüchen gekommen ist, wird es als gering bis mäßig eingestuft.
Derzeit werden Studien durchgeführt, um etwaige Veränderungen des Virus zu ermitteln, die dazu beitragen könnten, dass sich das Virus leichter unter Säugetieren, einschließlich Menschen, ausbreitet.
Die Kommission hatte sich bereits mit der Gefahr einer Vogelgrippe-Pandemie beim Menschen im Jahr 2019 befasst. Damals schloss sie mit Seqirus und GSK einen Vertrag über die gemeinsame Beschaffung von Grippepandemieimpfstoffen ab, der auch jetzt noch gelten würde.
„Diese gemeinsame Beschaffung wird sicherstellen, dass die Unternehmen den teilnehmenden Mitgliedstaaten Pandemieimpfstoffe liefern, falls ein Vogelgrippestamm eine Pandemie auslöst“, fügte der Sprecher der Europäischen Kommission hinzu.
Wachsendes Risiko bei Säugetieren
In den letzten Monaten haben Gesundheitsbehörden aus verschiedenen europäischen Ländern eine Reihe von Fällen gemeldet, in denen Säugetiere mit der Vogelgrippe infiziert waren.
Im Dezember 2022 meldete die französische Agentur für Lebensmittel, Umwelt und Arbeitsschutz (ANSES) eine infizierte Hofkatze, die während eines Ausbruchs in einem Geflügelbetrieb infiziert wurde.
Am 19. Juli meldete die finnische Lebensmittelbehörde, dass die Vogelgrippe in zehn Pelztierfarmen bestätigt wurde, in denen blaue Polarfüchse und Silberfüchse gehalten werden. Am 5. Juli meldete außerdem das italienische Gesundheitsministerium fünf Hunde und eine Katze aus einer ländlichen Geflügelfarm, in der kürzlich ein Influenzaausbruch aufgetreten war, so das ECDC.
In Polen berichtete die nationale Kontaktstelle der WHO am 27. Juni über ungewöhnliche Todesfälle bei Katzen im ganzen Land. Bislang wurden im vergangenen Monat 29 Katzen positiv auf Vogelgrippe getestet.
Von den identifizierten Personen, die mit den polnischen Katzen in Kontakt waren, hat sich bis zum Ende des mittlerweile abgeschlossenen Überwachungszeitraums niemand infiziert.
Nach Angaben der WHO wurde bereits früher über sporadische Infektionen von Katzen mit dieser Art von Influenza berichtet. Dies ist jedoch der erste Fall einer großen Anzahl von Katzen in einem großen geografischen Gebiet innerhalb eines Landes.
Nach Angaben des ECDC gibt der spezielle Fall in Polen Anlass zur Besorgnis, da die Infektionsquelle noch nicht identifiziert wurde und die Möglichkeit einer Übertragung zwischen Katzen und Menschen noch offen ist.
Nach den bisher gesammelten Informationen gibt es in keinem dieser Fälle einen Hinweis auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch.
Die Gesundheitsbehörden riefen die Bevölkerung dazu auf, sich vor dem Kontakt mit kranken oder toten Seevögeln oder Säugetieren zu schützen, und mahnten auch Haustierbesitzer zur Wachsamkeit, falls ihre Tiere Symptome zeigen.
[Bearbeitet von Giedrė Peseckytė/Zoran Radosavljevic]