Von der Leyen verspricht EU-Strategie zur psychischen Gesundheit
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union (SOTEU) am Mittwoch (14. September) eine neue Initiative zur psychischen Gesundheit an, die im Jahr 2023 vorgestellt werden soll.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union (SOTEU) am Mittwoch (14. September) eine neue Initiative zur psychischen Gesundheit an, die im Jahr 2023 vorgestellt werden soll.
„Wir sollten uns besser umeinander kümmern. Und für viele, die sich ängstlich und verloren fühlen, kann angemessene, zugängliche und erschwingliche Unterstützung den Unterschied ausmachen“, so von der Leyen.
In der Absichtserklärung der Präsidentin, die an die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola und den tschechischen Premierminister Petr Fiala gerichtet ist, bezeichnete sie die neue Initiative als „einen umfassenden Ansatz für die psychische Gesundheit.“
Zwar wurden keine weiteren Einzelheiten genannt, von der Leyen wies jedoch darauf hin, dass die Initiative eine Antwort auf die Schlussfolgerungen der Konferenz zur Zukunft Europas (CoFoE) sei, die im Mai zu Ende ging.
Im 9. Vorschlag der CoFoE, „ein breiteres Verständnis von Gesundheit“, wird als erste Maßnahme gefordert, „das Verständnis für Fragen der psychischen Gesundheit und die Möglichkeiten, sie anzugehen, zu verbessern.“
„Um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, sollten die EU-Institutionen und die relevanten Interessengruppen Veranstaltungen zum Austausch bewährter Verfahren organisieren und ihre Mitglieder dabei unterstützen, diese in ihren eigenen Kreisen zu verbreiten“, heißt es darin.
„Es sollte ein EU-Aktionsplan für psychische Gesundheit entwickelt werden, der eine langfristige Strategie für psychische Gesundheit, einschließlich Forschung, vorsieht und sich auch mit der Frage der Verfügbarkeit von Fachkräften, auch für Minderjährige, sowie mit der baldigen Einführung eines Europäischen Jahres der psychischen Gesundheit befasst“, heißt es abschließend.
Psychische Gesundheit wird immer mehr zum Problem
Bislang gibt es auf EU-Ebene nur wenige Initiativen zur psychischen Gesundheit.
Im Juni 2022 stellte die Kommission ihre „Healthier Together“-Initiative vor, eine Strategie zur Bekämpfung nicht übertragbarer Krankheiten, die „psychische Gesundheit und neurologische Störungen“ als einen Schwerpunkt nennt.
Das psychische Wohlbefinden steht zwar nicht ganz oben auf der Agenda der Politik, rückt aber zunehmend in den Fokus – zum Teil aufgrund der von Forscher:innen geäußerten Besorgnis über Verschlechterungen der psychischen Gesundheit in der EU nach den Corona-Beschränkungen.
Der Trend begann zwar nicht während der Pandemie, doch die Lockdowns haben die Schwierigkeiten verschärft, wobei Studien darauf hindeuten, dass sich die Einführung von Maßnahmen zur sozialen Distanzierung besonders nachteilig auswirkte.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits davor gewarnt, dass die Auswirkungen der Lockdowns auf die psychische Gesundheit verschiedene gesellschaftliche Gruppen in unterschiedlicher Weise betreffen.
Sie wies darauf hin, dass junge Menschen, Frauen und Menschen mit körperlichen Vorerkrankungen eher Symptome psychischer Störungen entwickeln würden.
Am Dienstag hatten die EU-Abgeordneten für einen nicht rechtsverbindlichen Bericht gestimmt, in dem höhere Ausgaben für Bildung und Kultur gefordert werden, um die Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen.
In dem Bericht heißt es, dass vor der Pandemie und den zahlreichen Lockdowns zwischen zehn und 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Problemen zu kämpfen gehabt hätten, während diese Zahl heute bei etwa 20 bis 25 Prozent liegt.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]