Wahlalter ab Sechszehn: Gent wird Europäische Jugendhauptstadt

Die Kampagne des Europäischen Jugendforums zur Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre war ein zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten in Gent an diesem Wochenende. Die Stadt feierte ihre einjährige Amtszeit als europäische Jugendhauptstadt, die mit dem Jahr der Europawahlen zusammenfällt.

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Während des Eröffnungswochenendes fand eine Podiumsdiskussion statt. Dabei diskutierten die belgische Europaabgeordnete Sara Matthieu, die Präsidentin des Europäischen Jugendforums María Rodríguez Alcázar, Druyts und andere über die Vorteile einer Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre bei allen Wahlen in Europa. [Benjamin De Moor]

Die Kampagne des Europäischen Jugendforums zur Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre war ein zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten in Gent an diesem Wochenende. Die Stadt feierte ihre einjährige Amtszeit als europäische Jugendhauptstadt, die mit dem Jahr der Europawahlen zusammenfällt.

Im Jahr 2023 hat Belgien das Wahlalter für die bevorstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament auf 16 Jahre gesenkt. Damit soll das demokratische Engagement der Jugend gefördert werden, eine Initiative, die vom Europäischen Jugendforum unterstützt wird.

„Gent überzeugte die Jugendhauptstadt-Jury mit seinem Engagement, junge Menschen in den Mittelpunkt seiner demokratischen Veranstaltungen und des bürgerlichen Lebens zu stellen, im Einklang mit der kürzlich getroffenen Entscheidung Belgiens, das Wahlalter für die Europawahlen auf 16 Jahre zu senken“, heißt es in einer Pressemitteilung des Europäischen Jugendforums.

Jef Druyts, einer der Leiter der Jugendabteilung der flämischen Liberalen und Demokraten und Mitglied des Europäischen Jugendparlaments, schloss sich den Aussagen der Pressemitteilung an.

„Für mich […] bekräftigt dies die Verpflichtung der Stadt, aber auch Belgiens, junge Menschen in die politische Entscheidungsfindung einzubeziehen“, sagte Druyts.

Während des Eröffnungswochenendes fand eine Podiumsdiskussion statt. Dabei diskutierten die belgische Europaabgeordnete Sara Matthieu, die Präsidentin des Europäischen Jugendforums María Rodríguez Alcázar, Druyts und andere über die Vorteile einer Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre bei allen Wahlen in Europa.

Nach Ansicht der Diskussionsteilnehmer hätte die Senkung des Wahlalters erhebliche politische Auswirkungen, da viele unter 18-Jährige politisch interessiert und bereit seien, zur Wahl zu gehen. Außerdem würde dies die Haltung der Politiker zu bestimmten Themen beeinflussen.

„Wir haben vor nicht allzu langer Zeit eine Umfrage durchgeführt, bei der wir festgestellt haben, dass wir 18 Prozent der Stimmen von jungen Menschen erhalten haben, was weit mehr ist als bei den Erwachsenen“, sagte Matthieu, die der Fraktion der Grünen/EFA angehört.

„Je mehr junge Menschen zur Wahl gehen, desto mehr werden die politischen Entscheidungsträger berücksichtigen, was sie zu sagen haben“, so Matthieu weiter. „Ich meine, so funktioniert unsere Demokratie. Wenn ein Politiker weiß, ‚oh, ich muss mich auf euch verlassen, um wiedergewählt zu werden, dann höre ich mir an, was ihr zu sagen habt'“, fügte sie hinzu.

Rodríguez Alcázar meinte, wenn 16- und 17-Jährige das Wahlrecht hätten, wäre bereits eine Richtlinie zum Verbot unbezahlter Praktika verabschiedet worden. Zudem würden mehr Mittel für die Lösung von Problemen der psychischen Gesundheit bereitgestellt.

Matthieu fügte hinzu, dass sich die jüngeren Wähler wahrscheinlich auch für ein Mindesteinkommen sowie für erschwinglichere Erasmus-Austauschprogramme einsetzen würden.

Die Diskussionsteilnehmer kritisierten die Ansichten über junge Menschen und das Wählen. Dazu gehörte vor allem die Vorstellung, dass junge Menschen sich von der Politik abwenden, leicht durch Falschmeldungen in den sozialen Medien manipuliert würden und für die Stimmabgabe nicht qualifiziert seien.

Die Diskussionsteilnehmer sprachen sich auch für mehr politische und gesellschaftliche Bildung in den Schulen aus.

„Was ändert sich, wenn man 18 wird? Ich habe eine solche Veränderung in meinem Leben nicht erlebt“, sagte Rodríguez Alcázar. „Bedeutet das, dass man mit 17 noch unerfahren ist, aber am nächsten Tag plötzlich der erfahrenste Mensch ist und seine Stimme abgeben kann und alles in Ordnung ist?“

„Aber wenn es um politisches Verständnis geht“, fuhr sie fort, „müssen wir dafür sorgen, dass wir in der Schule politische Bildung erhalten.“

Neben dem Eintreten für eine Senkung des Wahlalters nicht nur bei den Europawahlen, sondern bei allen Wahlen, steht in Gent auch eine Konferenz auf der Agenda, bei der junge Menschen aus ganz Europa über Lösungen für weltweite Probleme diskutieren können. Des Weiteren soll eine Debatte zwischen politischen Entscheidungsträgern und Hunderten von Genter Jugendlichen stattfinden, bei der ebenfalls Lösungen für drängende globale Probleme gefunden werden sollen. Darüber hinaus wird es auch eine Reihe von Partys geben, um das Nachtleben in Gent zu bereichern.

Euractiv ist Mitglied der Jury für die Auszeichnung zur Europäischen Jugendhauptstadt

[Bearbeitet von Alice Taylor]