Wahlen in Frankreich: Umfragen zeigen geringen Abstand zwischen Macron und Le Pen

In den jüngsten Umfragen zu den Präsidentschaftswahlen verringert sich der Abstand zwischen Macron und Le Pen, trotz der optimistischen Äußerungen von Macrons Partei bei einem Wahlkampftreffen vor kurzem. EURACTIV Frankreich berichtet.

EURACTIV.fr
National Front president Le Pen at Elysee Palace
Der französische Präsident Emmanuel Macron (R) begleitet die Vorsitzende der rechtsextremen Partei Front National (FN), Marine Le Pen (L), nach ihrem Treffen im Elysée-Palast in Paris, Frankreich, 21. November 2017. [EPA-EFE/IAN LANGSDON]

In den jüngsten Umfragen zu den französischen Präsidentschaftswahlen verringert sich der Abstand zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen. Macrons Partei zeigt sich trotzdem optimistisch. EURACTIV Frankreich berichtet.

Nach der „Stunde der Exekutive“ zu Beginn des Ukraine-Krieges befindet sich die Popularität des amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron derzeit im Sinkflug. Die rechtsextreme Kandidatin Le Pen gewinnt sowohl in den Umfragen für die erste als auch für die zweite Wahlrunde zusehends an Boden.

Einige Umfragen der letzten Tage zeigen einen so geringen Abstand im Falle einer zweiten Runde zwischen Le Pen und Macron, dass unter Berücksichtigung der Fehlermarge ein Sieg von Marine Le Pen nun im Bereich des Möglichen ist.

Bei Macrons einziger Wahlkampfveranstaltung am Samstag (2. April) zeigten sich die Anhänger Macrons zwar hoffnungsvoll, zugleich ist man sich der Herausforderung durch Le Pen aber auch bewusst.

„Es ist gut, dass er in die Arena kommt“, sagte ein Mitglied von Macrons Partei nach wochenlangem Warten auf einen offiziellen Wahlkampfauftakt von Macron.

Einige Mitglieder von Macrons Kampagne zeigten sich enttäuscht, dass der Wahlkampf nur langsam in Gang gekommen sei und den Gegnern den Weg frei gemacht habe.

„Mit den Regeln für die Redezeit haben wir das Gefühl, dass wir ausgenutzt werden“, sagte ein Mitglied von Macrons Kampagne.

Seit Ende März müssen die Fernseh- und Radiosender jedem der zwölf Kandidaten die gleiche Sendezeit einräumen. „Im Fernsehen haben wir nichts vom letzten Teil der Rede gesehen, der am berührendsten und am wenigsten [technokratisch] war“, beschwerte sich ein langjähriger Unterstützer am Tag nach der Veranstaltung vom Samstag.

Le Pens Schatten

Die Anhänger Macrons scheinen mehr als zuvor über die Bedrohung durch Le Pen besorgt zu sein.

Die Minister und Führungskräfte auf der Kundgebung verkündeten alle die gleiche Botschaft, dass man sich nicht selbstzufrieden geben sollte.

„Wir müssen aufhören, Marine Le Pen zu banalisieren“, sagte Elisabeth Borne, Arbeitsministerin.

„Sie hat ein viel sympathischeres Image, aber hinter [diesem Image] steckt die extreme Rechte […] sie ist eine Verbündete Putins, sie will aus der [Eurozone] austreten, sie will aus Europa austreten“, so Borne weiter.

Der „Frexit“ und der Austritt aus der gemeinsamen Währung sind nicht mehr Teil von Le Pens offiziellem Programm für 2022.

Einige der von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen stehen jedoch im Widerspruch zu den EU-Verträgen, was in einigen Fällen einem de facto-Austritt aus dem europäischen System gleichkäme, insbesondere was den freien Waren- und Personenverkehr betrifft.

Emmanuelle Wargon, die für das Wohnungswesen zuständige Ministerin, zeigte sich besorgt über die mögliche niedrige Wahlbeteiligung und forderte, „sich daran zu erinnern, wer sie [Marine Le Pen] ist“: Zwischen „nationaler Präferenz“ für Arbeitsplätze und Wohnraum und der „Abschaffung des europäischen Beitrags“ verfolge Le Pen weiterhin eine rechtsextreme Agenda.

„Die republikanische Front bröckelt“, sagte Éric Woerth, ein Abgeordneter von Les Républicains.

Woerth ist ein Unterstützer des Präsidenten und ein Spezialist im Bereich der politischen Rechten. Da die Gefahr besteht, dass mehrere Amtsträger und Wähler der Rechten für die Rechtsextremen stimmen (insbesondere Éric Zemmour), ist die Mitte-Rechts-Front, die bisher dazu beigetragen hat, die Rechtsextremen an der Macht zu hindern, nun deutlich geschwächt.

Kurz nach der Rede von Macron sagte Macrons Verbündeter und Bürgermeister von Poissy Karl Olive: „In Krisenzeiten schließen sich die Extreme zusammen, und hier sind wir nicht weit davon entfernt“.

Trotzdem meint der ehemalige Justizminister François Bayrou, dass es gegen Le Pen „auf die Debatte ankommen wird. Emmanuel Macron kann sich besser mit der Realität auseinandersetzen als sie.“

[Bearbeitet von Alice Taylor]