Der Minister hatte ein großes Mitteilungsbedürfnis. Seine Festrede zum 100. Geburtstag des Wirtschaftsministeriums näherte sich bereits der Ein-Stunden-Marke, die Gäste rutschten schon unruhig auf ihren Stühlen herum, doch Hausherr Peter Altmaier wollte noch etwas loswerden. Für seine Industriepolitische Strategie bekäme er ja nicht nur Lob, sondern auch eine Menge Kritik, sagte Altmaier. Aber das, so seine betont entspannte Botschaft, sei vollkommen in Ordnung. Es ginge ihm schließlich in allererster Linie darum, endlich wieder die Wirtschaftspolitik in die Mitte der Debatte zu rücken – überhaupt darum, einen „Stein ins Wasser zu werfen“.
Warum Peter Altmaiers Prestigeprojekt scheitern könnte
Weniger Ludwig Erhard wagen, dafür mehr Franz Josef Strauß: Der Wirtschaftsminister will Deutschland eine nationale Industriepolitik verordnen. Doch der Widerstand gegen Altmaiers großen Plan wächst.
Weniger Ludwig Erhard wagen, dafür mehr Franz Josef Strauß: Der Wirtschaftsminister will Deutschland eine nationale Industriepolitik verordnen. Doch der Widerstand gegen Altmaiers großen Plan wächst.
Eines muss man Altmaier lassen: Es ist ihm gelungen. Dieser Stein schlägt ziemliche Wellen, und einige davon könnten auch über ihm selbst zusammenbrechen. Zwei prominente Kritiker dieser Strategie der sichtbaren Hand, die der Wirtschaftsminister forcieren möchte, saßen Mitte März direkt im Publikum: Ifo-Chef Clemens Fuest, der insbesondere die Angst vor China für übertrieben hält. Und der Freiburger Wirtschaftsweise Lars Feld, der ministeriumsintern wie öffentlich nicht damit hinter dem Berg hält, dass er die ganze neue Staatswirtschaft mit ihrer Fokussierung auf Großunternehmen für hochproblematisch hält. „Nicht zu Ende gedacht“ lautete zudem das Urteil von Achim Wambach, dem Präsidenten der Monopolkommission.
Sollten Altmaier die Gegenreden der Ökonomen beeindrucken, dann lässt er sich das nicht anmerken. Zum Auftakt der Hannover-Messe am Sonntagabend bekräftigte der Minister noch einmal seine Absichten. Die deutsche Wirtschaft müsse „an der Spitze“ mit dabei sein, und mit der vorgelegten Industriestrategie wolle er „einen Beitrag dazu“ leisten. Wenn er morgen seinen traditionellen Rundgang über die Industriemesse macht, dürfte er sicher nachlegen.