Wasserstofftaxis, der nächste große Trend

Der europäische Markt für wasserstoffbetriebene Taxis wird immer wettbewerbsfähiger. Das französische Unternehmen Hype, das die Fahrzeuge seit 2015 entwickelt, zählt zu den führenden Anbietern, wie EURACTIV Frankreich berichtet.

EURACTIV France
Hype #4
Frankreich hat vor kurzem einen Mechanismus zur Förderung der Entwicklung von emissionsarmen Fahrzeugen geschaffen. [Hype]

Der europäische Markt für wasserstoffbetriebene Taxis wird immer wettbewerbsfähiger. Das französische Unternehmen Hype, das die Fahrzeuge seit 2015 entwickelt, zählt zu den führenden Anbietern, wie EURACTIV Frankreich berichtet.

Etwa ein Drittel (31 Prozent) der Treibhausgasemissionen in Frankreich stammten 2019 aus dem Verkehrssektor. Die Regierung hat bereits angekündigt, dass sie diese Zahl insbesondere durch die Förderung von kohlenstoffarmem Wasserstoff im Verkehrssektor verringern will.

Besonders vielversprechend sind neben dem Schwerlastverkehr auch Fahrzeugflotten, angefangen bei Taxis.

„Wasserstoff bietet eine echte Betriebseffizienz für unregelmäßige und intensive Anwendungen wie Taxis“, sagte Mathieu Gardies, CEO von Hype, in einem Interview mit EURACTIV.

2015 startete Gardies sein Unternehmen in Paris und entwickelte eine Flotte von Taxis, die mit einer wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle betrieben werden. Hinsichtlich der Leistung können diese Taxis mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren konkurrieren. Sie haben eine Reichweite von 500 bis 700 Kilometer und das Tanken dauert lediglich fünf Minuten.

Der Geschäftsführer hat auch eine Tankstelle in Paris eingerichtet, die sogenannten „blauen Wasserstoff“ anbietet, bei dessen Herstellung zwar CO₂ freigesetzt wird, das jedoch zum Großteil aufgefangen, gespeichert oder wiederverwendet wird.

Heute sind „alle Produktionskapazitäten, in die wir investieren, grüner Wasserstoff“, fügte Gardies hinzu. Dieser wird durch Elektrolyse von Wasser aus erneuerbarer Energie erzeugt und ist damit vollständig nachhaltig.

In der Region Île-de-France hofft Hype, bis Juni 2023 bei seinen Partnern ein Dutzend Tankstellen mit einer Kapazität von einer Tonne grünem Wasserstoff pro Tag aus lokaler Produktion bestellen zu können.

Die Taxiflotte soll bis 2022 mehr als 700 Wasserstofffahrzeuge umfassen.

Eine Tankstelle alle 150 Kilometer

Neben der Verabschiedung einer nationalen Strategie für dekarbonisierten Wasserstoff hat Frankreich vor kurzem ein Gesetz verabschiedet, das die Erneuerung von Flotten mit mehr als 100 Fahrzeugen mit einer Quote emissionsarmer Fahrzeuge vorschreibt.

Dies entspricht 10 Prozent der Flotte bis 2025 und 35 Prozent bis 2029 – egal ob elektrisch oder mit Wasserstoff. Taxi- und Chauffeurfahrzeuge sind besonders betroffen.

Auf EU-Ebene sieht die vorgeschlagene Verordnung zum Aufbau einer Infrastruktur für alternative Kraftstoffe vor, dass bis 2025 alle 150 Kilometer an Hauptverkehrsstraßen Wasserstofftankstellen eingerichtet werden.

Diese gesetzlichen Anreize fördern Projekte für Wasserstofftaxis, die inzwischen in ganz Europa entwickelt werden. Die Clean Hydrogen Partnership, in der die Europäische Kommission, die Brennstoffzellen- und Wasserstoffindustrie sowie eine Gemeinschaft von Forscher:innen vertreten sind, hat beispielsweise mehrere Initiativen ins Leben gerufen – unter anderem Zefer ein Projekt zur Einführung von 180 Brennstoffzellen-Elektrofahrzeugen in Paris, London und Kopenhagen.

„Wasserstoff ist aufgrund der großen Reichweite, der intensiven Nutzung und der kurzen Aufladezeit der ideale Kraftstoff für Taxis“, so Bart Biebuyck, Geschäftsführer der Clean Hydrogen Partnership.

Andere Wasserstoff betriebene Taxiflotten haben in ganz Europa ihren Betrieb aufgenommen.

Green Tomato Cars, das in London eine Flotte von 50 Fahrzeugen betreibt, und Drivr, das in Kopenhagen eine Flotte von 100 Wasserstofftaxis einsetzt, nennt Lionel Boillot, Projektleiter bei der Clean Hydrogen Partnership, als Beispiele.

Seiner Meinung nach sind diese Projekte deshalb so erfolgreich, weil die Entwicklung der Wasserstoffinfrastruktur und der Fahrzeuge Hand in Hand gehen.

Rückstand bei der Produktion

Ein möglicher Boom bei Wasserstofftaxi-Projekten könnte jedoch durch bürokratische Hindernisse ausgebremst werden.

„Die Zeit, die für Verträge, insbesondere für die Infrastruktur von Wasserstofftankstellen, in Anspruch genommen wird, kann manchmal bis zu zwei Jahre betragen. Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich und verzögert die Einführung erheblich“, sagte Boillot.

In der Hoffnung, dieses Hindernis zu überwinden, hat die Clean Hydrogen Partnership bereits eine Liste mit Empfehlungen zur Standardisierung der Verfahren erstellt.

Ein weiteres Problem ist der Mangel an Fahrzeugen, denn nur wenige Automobilhersteller haben sich in die Nische der Wasserstoff-Pkw gewagt.

So stützt sich Hype derzeit auf Toyota und sein Modell Mirai. Andere Hersteller wie Hyundai, Stellantis und Renault haben jedoch nur einige hundert solcher Fahrzeuge pro Jahr gebaut.

Große Autohersteller konzentrieren sich stattdessen auf Elektrofahrzeuge, da diese bei der breiten Öffentlichkeit am beliebtesten sind. So wollen Renault, Peugeot, Fiat und Ford bis 2030 auf vollelektrische Fahrzeuge umsteigen, während Volkswagen plant, seine gesamte Produktion bis 2035 auf Elektroautos umzustellen.

„Das Angebot ist sehr begrenzt“, so Philippe Boucly, Präsident des Verbands France Hydrogène. Stellantis zum Beispiel stelle nur 1.000 bis 2.000 Wasserstoffautos pro Jahr her.

Ein weiteres Hindernis ist laut Boucly der sehr hohe Anschaffungspreis solcher Fahrzeuge, was ihre Vermarktung erschwert.

„Es gibt eine minimale kritische Masse, die von den Herstellern erreicht werden muss, um die Preise zu senken (…), und es ist diese Leistungssteigerung, mit der wir derzeit zu kämpfen haben“, fügte er hinzu.

10.000 Wasserstofftaxis bis 2024

Ungeachtet solcher Hindernisse plant Hype, bis 2024 10.000 Fahrzeuge in der Region Île-de-France zu betreiben.

Außerdem will das Unternehmen ein Wasserstoffverteilernetz mit mindestens 20 Tankstellen für eine Tonne pro Tag und sechs weiteren mit geringerer Kapazität einrichten, die mit lokal produziertem grünem Wasserstoff betrieben werden. Die Tankstellen sollen allen Verwendungszwecken offen stehen, auch kommerziellen und logistischen.

Das Jahr 2024 wurde nicht zufällig gewählt, denn Gardies setzt stark auf den „Olympia-Effekt“ von Paris. „Sportereignisse sind die einzigen Ereignisse, bei denen es uns gelingt, Politiker:innen und Industrielle zusammenzubringen“, sagte er.

Gestärkt durch den Bekanntheitsgrad der Veranstaltung hofft der Geschäftsführer, sich bis 2025 in etwa fünfzehn Städten in Frankreich und im Ausland zu etablieren, mit 40.000 Fahrzeugen, die als Taxis eingesetzt werden, und fast 100 Tankstellen mit einer Kapazität von einer Tonne pro Tag. Italien, Spanien und Portugal sind ebenfalls Teil der EU-Expansionsstrategie des Unternehmens.

Hype ist jedoch nicht der einzige Akteur auf dem Markt für leichte Wasserstofffahrzeuge.

Im Zeitraum 2021-2027 unterstützt die EU die Clean Hydrogen Partnership mit 1 Milliarde Euro, um die Entwicklung von Anwendungen für sauberen Wasserstoff, einschließlich Taxis, zu beschleunigen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon/Alice Taylor]