Wegen Pandemie und Klimazielen: Agrar-Beziehungen zu Afrika sollen sich ändern

Angesichts der weiterhin grassierenden Coronavirus-Pandemie und den verschärften Klimazielen der EU soll sich nun auch die Kooperation mit den afrikanischen Staaten verändern.

EURACTIV.com
This article is part of our special report "Landwirtschaftsbeziehungen EU-Afrika: Wie geht es weiter?"
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Viele afrikanische Staaten haben die virusbedingte Unterbrechung von Lebensmittelimporten genutzt, um der heimischen landwirtschaftlichen Produktion und der Ernährungssicherheit Priorität einzuräumen. [<a href="https://www.shutterstock.com/it/image-photo/cabindaangola-09-jun-2010-rural-farmers-1066474067" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK/PINTO]</a>]

Angesichts der weiterhin grassierenden Coronavirus-Pandemie und den verschärften Klimazielen der EU soll sich nun auch die Kooperation mit den afrikanischen Staaten verändern.

Als die Europäische Kommission und die Afrikanische Union (AU) im Mai 2018 eine zwölfköpfige gemeinsame Taskforce für das ländliche Afrika einrichteten, waren ihre Prioritäten die Förderung der afrikanischen Ernährungssicherheit, die Vermittlung und Weitergabe von Fähigkeiten, die Anpassung an den Klimawandel und Investitionen in das „Agribusiness“ des Kontinents.

Anfang dieses Jahres hat sich das Mandat nun erweitert; und insbesondere die Arbeit an den Zielen für die kommerzielle afrikanische Agrarwirtschaft wurde durch die COVID-19-Pandemie beschleunigt.

Zu den Prioritäten der Taskforce gehören nun sowohl die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie als auch die Umstellung auf ehrgeizigere Klimaziele im Zusammenhang mit dem Green Deal der EU.

Als die Pandemie im März 2020 erstmals Europa und Afrika erreichte, gab es zunächst vor allem Befürchtungen, dass die afrikanische Agrarproduktion durch die Unterbrechung der Lieferketten stark beeinträchtigt werden würde.

Bei der ersten Sitzung einer Taskforce zu den Auswirkungen von COVID-19 auf die Lebensmittelsicherheit und Ernährung in Afrika, die von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Afrikanischen Union im Mai einberufen wurde, betonte Wolfgang Burtscher von der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission die Bedeutung des Handels und die Rolle der Regierungen, die sicherstellen müssten, dass die Lieferketten nicht unterbrochen werden.

Im April bezeichneten die FAO und die AU das Lebensmittelversorgungssystem als „einen wesentlichen Dienst, der in Zeiten von Lockdown, Notstand, Ausgangssperre und anderen Eindämmungsmaßnahmen weiter funktionieren muss“. Nur so könne sichergestellt werden, dass die landwirtschaftlich geprägten Kommunen und die Lebensmittelversorgung im Allgemeinen geschützt werden.

Geschichten und Hinweise aus einer Reihe von afrikanischen Ländern deuten nun allerdings darauf hin, dass diese trotz des tatsächlichen Rückgangs der landwirtschaftlichen Produktion (um bis zu 25 Prozent) die Pandemie und die damit verbundene Unterbrechung ihrer Versorgung mit Lebensmittelimporten vielmehr genutzt haben, um der heimischen landwirtschaftlichen Produktion und der Ernährungssicherheit Priorität einzuräumen.

Ghana ist eines von mehreren afrikanischen Ländern, die in letzter Zeit einen Anstieg der nationalen Produktion von Grundnahrungsmitteln wie Reis und Mais verzeichnen. „Die COVID-19-Pandemie ist eine einmalige Gelegenheit für Ghana, um die Nahrungsmittelproduktion zu optimieren, um den heimischen Bedarf zu decken, um unsere Exporte zu steigern und um Arbeitsplätze zu schaffen,“ fasste der ghanaische Landwirtschaftsminister Owusu Afriyie Akoto bereits zusammen.

„Wir sehen, dass immer mehr Unternehmen in die Lebensmittelproduktion einsteigen,“ erklärte auch Botswanas Ministerin für Handel und Investitionen, Peggy Serame, im Gespräch mit EURACTIV.com.

Gleichzeitig folgen die Preise für Grundnahrungsmittel nicht dem Preisverfall, den andere Rohstoffe erlebten. Afrika verzeichnete außerdem lediglich einen leichten Anstieg seines Agrarhandels, da die Länder meist versuchen, ihre eigenen Nahrungsmittelbestände zu halten.

„Das Problem sind nicht die Vorräte oder die Produktion, sondern der Transport dieser Produkte,“ stellt Arif Husain, der Chefökonom des UN-Welternährungsprogramms, fest.

Die Weltbank warnt weiter, dass eine tiefgehende Unterbrechung der Produktions- und Lieferketten nach wie vor „eine Krise der Ernährungssicherheit“ in Afrika auslösen könnte. Wenn es zu weiteren Handelsbeschränkungen kommen sollte, prognostiziert sie einen Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion um bis zu sieben Prozent und einen Rückgang der Lebensmittelimporte um 25 Prozent.

Die EU stellt ihrerseits unterdessen finanzielle Unterstützung und technische Hilfe zur Verfügung. Erst in der vergangenen Woche kündigte die Europäische Kommission ein Unterstützungspaket von 180 Millionen Euro für Kleinbauern und Fischer in Tunesien an. Im November wurde ein ähnliches Förderprogramm in Höhe von 38 Millionen Euro für Angolas Landwirte aufgelegt, um damit Mais-, Bohnen- und Sorghumsaatgut sowie Düngemittel, Arbeitsgeräte und andere kleinere Ausrüstungsgegenstände zu kaufen.

Andernorts konzentrieren sich Initiativen wie die Europe-Africa Research & Innovation Partnership on Food and Nutrition Security and Sustainable Agriculture (FNSSA) auf Afrikas langfristigen Landwirtschaftssektor.

Die EU und die AU hatten im Juni darüber hinaus eine gemeinsame Agrar- und Ernährungsplattform ins Leben riefen, die den afrikanischen und europäischen Privatsektor miteinander vernetzen soll, um so nachhaltige Investitionen in den Agrarbereich zu fördern.

„Landwirtschaft ist Biologie, und unsere Landwirtschaft ist nur so gut wie unsere Wissenschaft. Das Forum für Agrarforschung in Afrika (FARA) treibt das Ziel der Afrikanischen Union voran, die Anwendung von Wissenschaft und Technologie zu stärken, um den landwirtschaftlichen Wandel in Afrika zu beschleunigen,“ erklärte außerdem Yemi Akinbamijo, Exekutivdirektor des FARA.

Er weiß: „Als Nachbarn und zunehmend auch als Handelspartner haben Europa und Afrika viele gemeinsame Interessen und können viel voneinander lernen, wenn es darum geht, die Herausforderungen der Zukunft für unsere Ernährungssysteme zu meistern.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Gerardo Fortuna]