Wie Ewigkeitschemikalien EU-Ostereier verderben

Kurz vor Ostern hat die niederländische Gesundheitsagentur Verbrauchern vom Verzehr von Eiern aus dem eigenen Garten abgeraten. Studien haben eine hohe Konzentration an gesundheitsschädlichen Chemikalien gefunden. Aber das Problem geht weit über die Niederlande hinaus. 

EURACTIV.com
Someone picking up hen-eggs
Gesundheitsbehörden in mehreren europäischen Ländern haben bislang Warnungen für Verbraucherausgesprochen auf Eier aus eigener Haltung zu verzichten.

Kurz vor Ostern hat die niederländische Gesundheitsagentur Verbrauchern vom Verzehr von Eiern aus dem eigenen Garten abgeraten. Studien haben eine hohe Konzentration an gesundheitsschädlichen Chemikalien gefunden. Aber das Problem geht weit über die Niederlande hinaus. 

Man solle in den Niederlanden keine Eier aus dem eigenen Garten mehr verzehren, erklärte die niederländische Gesundheitsagentur (RIVM) am Dienstag. In privat produzierten Eiern wurde eine hohe Konzentration der sogenannten Ewigkeitschemikalie PFAS gefunden, wie eine neue Studie zeigt, die an 60 verschiedenen Orten im ganzen Land durchgeführt wurde.

Per- und Polyfluoralkylsubstanzen – kurz PFAS – sind Chemikalien, die vor allem aufgrund ihrer wasser- und fettabweisenden Eigenschaften eingesetzt werden. Sie kommen unter anderem in Pestiziden, antihaftbeschichtetem Kochgeschirr, Feuerlöschschaum und Lebensmittelverpackungen vor. PFAS gelten als potenziell gesundheitsgefährdend und sind extrem beständig in der Umwelt, – daher der Beiname „Ewigkeitschemikalien“.

„In den Niederlanden nehmen wir bereits viele PFAS über andere Lebensmittel und teilweise über das Trinkwasser auf“, heißt es in der Mitteilung des RIVM. Mit der Empfehlung, auf Eier aus heimischer Zucht zu verzichten, wolle die Behörde eine „deutlich höhere PFAS-Aufnahme“ verhindern.

Der Verzehr von Eiern aus dem Handel – auch aus Freilandhaltung – sei laut Behörde weiterhin unbedenklich.

„Alle im Handel erhältlichen Eier, die wir seit 2023 getestet haben, bleiben unter dem Höchstwert für PFAS und erfüllen somit die gesetzlichen Anforderungen“, bestätigte Saïda Ahyad, Sprecherin der niederländischen Behörde für Lebensmittel und Konsumgüter (NVWA), gegenüber Euractiv.

„Wir müssen besser verstehen, wie diese Kontamination zustande kommt, damit wir gezielte Maßnahmen ergreifen können“, sagte Tim Bennebroek, Pressesprecher des niederländischen Gesundheitsministeriums, gegenüber Euractiv.

Derzeit läuft eine Folgestudie der Gesundheitsagentur, die durch Bodenanalysen die Quellen der erhöhten PFAS-Konzentrationen ermitteln soll. Die endgültigen Ergebnisse werden bis Ende dieses Jahres erwartet.

Nicht nur in den Niederlanden ein Problem

Im belgischen Flandern rät das Gesundheitsministerium Verbraucherinnen und Verbrauchern, nicht mehr als zwei Eier aus eigener Produktion pro Woche zu essen. Für Kleinkinder, Schwangere und ältere Menschen gilt die Empfehlung von einem Ei pro Woche. In Regionen, in denen erhöhte PFAS-Werte im Boden gemessen wurden, soll ganz auf Eier aus eigener Haltung verzichtet werden.

Seit 2023 gilt für die Region Paris ebenfalls eine Empfehlung, keine selbst produzierten Eier zu verzehren. Auch dort hatte eine Studie eine erhebliche Belastung durch PFAS nachgewiesen.

In Dänemark hat das Nationale Lebensmittelinstitut ebenfalls vor dem Verzehr von Eiern aus dem eigenen Garten gewarnt, nachdem in Bio-Eiern Ewigkeitschemikalien festgestellt wurden. Kinder, die mehr als zwei Stück pro Woche verzehren, könnten die EU-Grenzwerte für die PFAS-Aufnahme überschreiten.

In Italien deckten Umwelt-NGOs bereits 2021 auf, dass die Region Venetien Daten über die Verunreinigung von Lebensmitteln durch PFAS im Grundwasser zurückgehalten hatte. Zu den betroffenen Lebensmitteln gehörten unter anderem Aprikosen, Salat, Weintrauben – und auch Eier.

Auf europäischer Ebene schlägt die Leiterin der Chemikalienpolitik beim Europäischen Umweltbüro Alarm. „Wenn der einfache Akt des Sammelns von Eiern aus dem eigenen Garten zu einem Gesundheitsrisiko wird, ist das ein Zeichen für ein systemisches Versagen im Umweltschutz“, sagte Tatiana Santos gegenüber Euractiv.

Die PFAS-Verschmutzung raube „den Europäern stillschweigend grundlegende Freiheiten: die Freiheit, Lebensmittel anzubauen, Kinder sicher aufzuziehen und ohne Angst vor Vergiftungen zu leben“. Santos fordert die EU auf, „die Regulierung von Chemikalien dringend zu verschärfen, um ihre Bürger zu schützen“.

Die Europäische Chemikalienagentur arbeitet derzeit an einem Vorschlag zur europaweiten Beschränkung von PFAS.

(adm/aw)