Wie nachhaltig ist die Energiesituation in Mitteleuropa? [DE]

Bei einem Seminar, welches EURACTIV am 30. Juni im Europäischen Parlament organisiert, wird es um die Frage gehen, wie nachhaltig die Energieversorgung in den zehn Ländern ist, die der EU am 1. Mai beitraten. EURACTIV umreißt die komplexe Situation.

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Bei einem Seminar, welches EURACTIV am 30. Juni im Europäischen Parlament organisiert, wird es um die Frage gehen, wie nachhaltig die Energieversorgung in den zehn Ländern ist, die der EU am 1. Mai beitraten. EURACTIV umreißt die komplexe Situation.

Nukleare Sicherheit

Die Stilllegung von Atomkraftwerken, die noch aus den Zeiten der Sowjetunion stammen, war eines der dringlichsten Themen, auf welches die EU während der Beitrittsverhandlungen pochte. In vielen Fällen wurden denn auch Kernkraftwerkblöcke vom Netz genommen. Hunderte Millionen Euro werden noch immer für die Stilllegung von Atomkraftwerken in der Slowakei und in Litauen ausgegeben (€ 90 Millionen, beziehungsweise € 285 Millionen, im Zeitraum 2005-2006). In beiden Ländern sollen 2008 und 2009 weitere Anlagen vom Netz gehen.

Die Regierungen und Bevölkerungen in den ‚Nuklearländern’ Mitteleuropas stehen dieser Energiequelle jedoch überwiegend positiv gegenüber. In der Slowakei und Bulgarien gibt es daher Pläne zur Wiederaufnahme von Nuklearprogrammen – allerdings in Übereinstimmung mit den strikten EU-Vorschriften (EURACTIV, 4. Juni 2004). Im Jahr 2001 machte Atomenergie in Bulgarien 45 % des gesamten Stromverbrauchs aus. Auch stellt Atomstrom einen beträchtlichen Teil der Exporte des Landes dar (eine Übersicht der Situation des nuklearen Sektors in den MOL finden Sie hier: EURACTIV, 16. Juni 2004).

Erneuerbare Energieträger

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Energieversorgung ist in den neuen Mitgliedsländern sehr viel geringer als in der EU-15. Nach Kommissionsangaben belief sich ihr Anteil im Jahr 2000 auf 5,6 %, während er in den alten Mitgliedstaaten 14 % betrug. Rechnet man die nationalen Ziele für die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen zusammen, ergibt sich ein Zielanteil für das Jahr 2010 von 11 %, während die EU-15 einen Anteil von 22 % erreichen soll. Das Gesamtziel der EU-25 wurde von der Kommission daher von 22 % auf 21 % gesenkt. 

Verkehr

Der Verkehrssektor in der EU-10 ist gekennzeichnet durch einen relativ hohen Anteil des Schienen- und Seeverkehrs und einer relativ großen Bedeutung der Güterbeförderung. Ein Teil des Verkehrs wird jedoch zunehmend auf die Straßen verlagert (siehe EURACTIV, ). Die EU – einschließlich der neuen Mitglieder – haben sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Biokraftstoffen im Straßenverkehr bis 2010 auf 5,75 % anzuheben. 

Öl

Für die meisten mittel- und osteuropäischen Länder sind Versorgungssicherheit und eine geringere Abhängigkeit von Russland die dringlichsten Herausforderungen.

Nach Informationen des slowakischen Partnerportals von EURACTIV (www.EURACTIV.sk), versucht die Slowakei seit ihrem EU-Beitritt, sich als „Energiebrücke“ zwischen den russischen Ölfeldern und den Verbrauchern in der EU (die Pipeline würde durch die Ukraine laufen) zu positionieren. Nach dem derzeitigen Stand sieht es jedoch so aus, als würde Polen die bevorzugte Rute für den Bau einer neuen Ölpipeline zwischen Russland und EU sein. Sämtlichen neuen Mitgliedstaaten außer Ungarn ist eine Übergangsphase gewährt worden, damit sie für den Fall einer Versorgungskrise Ölvorräte aufbauen können, die einer Versorgung von 90 Tagen entsprechen sollen. 

Kohle

Der Kohleabbau, der in den letzten Jahrzehnten in der EU-15 erheblich verringert worden ist, ist in Mitteleuropa, und insbesondere in der Tschechischen Republik und Polen, noch immer eine der wichtigsten Energiequellen. In Polen macht Kohle nach Angaben des European Renewable Energy Council (EREC) 96 % der Stromerzeugung aus. Da der CO2-Ausstoß der kohlebetriebenen Kraftwerksanlagen beträchtlich ist, haben sich die Länder im Rahmen des Kyoto-Protokolls und des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) zu einem Teilausstieg verpflichtet. Die polnische Regierung hat bereits begonnen, seine unrentabelsten Kohlebergwerke zu schließen. Laut polnischer Behörden seien bislang 23 der insgesamt 64 Kohlebergwerke geschlossen worden, was zu einer Verringerung der Beschäftigung um 40 % geführt habe. 

EU-weite Vernetzung von Gas- und Stromleitungen

Seit dem Beitritt der zehn neuen Mitglieder muss die Gas- und Strominfrastruktur EU-weit verbunden werden, damit die neuen Mitgliedstaaten Teil des gemeinsamen EU-Strom- und Gasmarkts sein können, der derzeit für den Wettbewerb geöffnet wird. Neue Leitlinien zu den Finanzierungsbedingungen der transeuropäischen Energienetze (TEN-E), die eine bessere Vernetzung ermöglichen sollen, werden derzeit ausgearbeitet (EURACTIV, 9. Juni 2005).