Wiederverwendbare Verpackungen verringern Emissionen
Wiederverwendbare Verpackungen für einige Arten von Take-away-Verpackungen können weniger Emissionen verursachen als Einwegverpackungen. Allerdings müssten dafür effiziente Sammel-, Rückführungs- und Waschsysteme existieren.
Wiederverwendbare Verpackungen verursachen zwar weniger Emissionen als Einwegpackungen, allerdings, nur wenn effiziente Sammel-, Rückführungs- und Waschsysteme existieren, wie eine Studie zeigt.
Die am Dienstag (5. September) veröffentlichte Untersuchung wurde von der Kampagnengruppe Zero Waste Europe (ZWE) in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Gruppe Reloop und dem norwegischen Unternehmen TOMRA, das fortschrittliche Sammel- und Sortiersysteme anbietet, in Auftrag gegeben.
Momentan findet ein heftiger Meinungsstreit über die Wiederverwendungsziele im Entwurf der EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) statt. Die Verordnung zielt darauf ab, dass bis 2030 alle Verpackungen recycelt oder wiederverwendet werden können.
Das im November letzten Jahres von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Gesetz sieht außerdem vor, dass bis 2030 20 Prozent der Getränke zum Mitnehmen und 10 Prozent der Lebensmittel in wiederverwendbaren Verpackungen geliefert werden sollen.
Während diese Ziele von Umweltgruppen und dem linken Flügel des Europäischen Parlaments unterstützt werden, sind rechte Politiker und Vertreter der Industrie eher skeptisch.
Nach Ansicht von Zero Waste Europe bestätigt die Studie die Bedeutung des Umstiegs von Einwegverpackungen auf wiederverwendbare Optionen.
„Während sich die institutionellen Verhandlungsführer auf die Verhandlungen über die Verpackungsvorschriften in der EU vorbereiten, zählen wir darauf, dass sie dieses Potenzial anerkennen, indem sie ehrgeizige Wiederverwendungsziele vorschreiben“, sagte Aline Maigret, Leiterin der Abteilung Politik bei ZWE.
Wiederverwendung funktioniert bei Bechern, Behältern und Burgerboxen
Die Studie von Eunomia untersuchte die Emissionen von wiederverwendbaren Take-away-Verpackungen in einem einheitlichen System für das Jahr 2030, wenn die ersten PPWR-Wiederverwendungsziele in Kraft treten. Es wird davon ausgegangen, dass bis zu diesem Zeitpunkt in den EU-Ländern mehr Elektromobilität und klimaneutraler Strom eingesetzt wird.
Die Studie ergab, dass wiederverwendbare Becher, Burgerboxen und Behälter geringere Treibhausgasemissionen verursachen würden als Einwegverpackungen, während Pizzakartons mehr Innovationsarbeit erfordern würden, um effektiv verwendet zu werden.
Wenn beispielsweise 92 Prozent der Behälter zurückgegeben werden und jeder Behälter 13 Mal wiederverwendet wird, sind die Emissionen geringer als bei einem Einweg-Papierbehälter. Für das Beispiel von Burgerboxen, bräuchte man eine Rückgaberate von 97 Prozent und jede Box sollte 30 Mal wiederverwendet werden, um geringere Emissionen als bei einer Einwegbox zu erreichen.
Bei wiederverwendbaren Pizza- und Sushi-Boxen ist dies jedoch schwieriger, da hier noch höhere Rückgabe- und Wiederverwendungsquoten erforderlich sind, um mit Einwegboxen gleichzuziehen.
„Das Ausmaß, in dem die Kohlenstoffeinsparungen erreicht werden könnten, ist bei den einzelnen Behältertypen unterschiedlich, wobei wiederverwendbare Becher die besten Ergebnisse erzielen“, sagte Andy Grant von Eunomia Research & Consulting.
„Bei größeren und schwereren Behältern, wie beispielsweise Pizzakartons, besteht noch Verbesserungsbedarf, da sich deren Wiederverwendung derzeit nur schwer begründen lässt und weitere Design-Innovationen erforderlich sind, um ihren Anwendungsbereich zu finden“, fügte er hinzu.
Neben weiterer notwendiger Innovationen betont Eunomia, dass die Einführung der wiederverwendbaren Verpackungen nicht möglich ist, „solange man nur über den bloßen Austausch einer Verpackungsart gegen eine andere nachdenkt“ und findet, dass das System „gut konzipiert und umgesetzt werden muss.“
„Um das Potenzial der sinnvollen Wiederverwendung zu entfalten, müssen wir Systeme entwickeln, die unsere kollektive Designerfahrung nutzen, die Prozesse vom Design bis zur Pfandrückgabe optimieren, den Rücktransport einbeziehen und die Technik des Reinigungsvorgangs perfektionieren“, sagt Clarissa Morawski von Reloop, einer gemeinnützigen Gruppe, die sich für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft einsetzt.
Industrie warnt vor Plastikflut
Politiker und Industrie stehen den von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Wiederverwendungszielen skeptisch gegenüber und warnen davor, dass sie sich negativ auf die Umwelt auswirken und Unternehmen schaden könnten.
„Selbstverständlich scheint die Idee der Wiederverwendung die naheliegendste Lösung zu sein. Aber es ist komplizierter als es scheint“, sagte Jon Banner, stellvertretender Vizepräsident von McDonald’s, Anfang des Jahres gegenüber Journalisten in Brüssel und fügte hinzu, dass solche Systeme zusätzliche Kosten für den Sektor bedeuten würden.
Um wirtschaftlich und ökologisch rentabel zu sein, müsste beispielsweise ein Mehrwegbecher „50 bis 100 Mal zurückgegeben und wiederverwendet werden“, erklärte er.
Anfang dieses Jahres gab McDonald’s eine Studie bei der Unternehmensberatungsfirma Kearney in Auftrag, aus der hervorging, dass höhere Wiederverwendungsvorgaben zu einem sprunghaften Anstieg von Plastik führen würden, um die Papiertüten, Verpackungen oder Pizzakartons zu ersetzen, die derzeit in Take-away-Restaurants verwendet werden.
Die Studie ergab, dass der Verpackungsmüll aus Plastik beim Restaurantbesuch um bis zu 300 Prozent zunehmen würde, während er bei Take-away-Speisen um das 15-fache ansteigen würde.
Die Debatte über die Wiederverwendung wird wahrscheinlich einer der Hauptstreitpunkte im Zusammenhang mit dem PPWR sein. Die Abgeordneten und die EU-Länder diskutieren derzeit über das Gesetz, bevor sich die beiden Parteien zu Verhandlungen über das endgültige Gesetz zusammensetzen.
[Bearbeitet von Frédéric Simon/Alice Taylor/Kjeld Neubert]