Wikipedia steht in Russland vor dem Aus

Während der Kreml immer härter gegen die freie Berichterstattung im eigenen Land durchgreift, geht die russische Medienaufsicht nun auch gegen Wikipedia vor. Der Online Enzyklopädie droht aufgrund ihres Eintrags zur russischen Invasion der Ukraine die Abschaltung.  

Euractiv.de
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Mehrere Medien, die sich der „Message Control“ nicht beugen wollten, wurden bereits durch russische Behörde geschlossen. Jetzt geht die russische Medienbehörde Roskomnadsor auch gegen Wikipedia vor, denn der russischsprachige Artikel zum Krieg in der Ukraine weicht von der offiziellen Darstellung des Kremls ab. [ SASCHA STEINBACH/EPA]

Während der Kreml immer härter gegen die freie Berichterstattung im eigenen Land durchgreift, geht die russische Medienaufsicht nun auch gegen Wikipedia vor. Der Online-Enzyklopädie droht aufgrund ihres Eintrags zur russischen Invasion in der Ukraine die Abschaltung.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine ist die russische Führungsriege sichtlich bemüht, den Informationsfluss über das Kriegsgeschehen in Zaum zu halten. Russische Medien wurden etwa verpflichtet, in Ihrer Berichterstattung die offizielle Linie des Kremls zu vertreten. Anderenfalls drohen hohe Geldstrafen oder sogar die Abschaltung.

Mehrere Medien, die sich der „Message Control“ nicht beugen wollten, wurden bereits durch russische Behörde geschlossen. Jetzt geht die russische Medienbehörde Roskomnadsor auch gegen Wikipedia vor, denn der russischsprachige Artikel zum Krieg in der Ukraine weicht von der offiziellen Darstellung des Kremls ab.

Akribisch wird dort der Verlauf des Konfliktes nachgezeichnet. Über 500 Quellenangaben weist der Wikipedia-Eintrag zum Ukrainekrieg bereits auf, wobei sich der Artikel auch auf Quellen bezieht, die von der offiziellen russischen Darstellung abweichen.

Denn laut dem Duktus des Kremls handelt es sich bei dem russischen Angriffskrieg lediglich um eine „militärische Operation“ aus „Friedenszwecken.“ In dem Artikel ist jedoch von einer „Invasion“ durch Russland die Rede.

Zusätzlich weichen die im Artikel gelisteten Opferzahlen von der offiziellen Darstellung Moskaus ab – denn dort werden auch die Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums gelistet, die weit höher sind als die offiziellen Zahlen des Kremls.

Für Moskau ist die Sache besonders pikant, da der Eintrag zum Ukrainekrieg mit rund 3 Millionen Aufrufen an der Spitze der russischen Wikipedia-Ausgabe steht. Deshalb geht die russische Medienaufsicht nun gegen die Online-Enzyklopädie vor.

Die russische Generalstaatsanwaltschaft sieht hier einen Gesetzesverstoß, der letztendlich zur Blockade von Wikipedia führen könnte, wie die russische Medienbehörde mitteilte.

Wikepedia wehrt sich jedoch gegen die drohende Abschaltung und hat das Schreiben der Aufsichtsbehörde öffentlich gemacht. Zudem kündigte die Online-Enzyklopädie an, juristisch gegen die drohende Sperrung vorgehen zu wollen. Allerdings sind die Chancen auf Erfolg vor den staatsnahen russischen Gerichten gering. Deshalb hat Wikipedia bereits Tipps veröffentlicht, wie die Sperre umgangen werden kann.

Russland spannt das Korsett der freien Meinungsäußerung derweil immer enger.

Laut Angaben der Moscow Times bereitet die Staatsduma gerade einen Gesetzesentwurf vor, der darauf abzielt, die Verbreitung von „falschen“ Informationen über den Ukrainekrieg unter Strafe zu stellen und mit bis zu 15 Jahren Haft zu ahnden.

„Zweck, Rolle und Aufgaben“ der russischen Armee dürften nach dem Entwurf weder verfälscht, noch dürften Zahlen über die russischen Militärverluste veröffentlicht werden, die nicht vom Kreml selbst stammen.