Wolf, der von der Leyens Pony tötete, soll erschossen werden
Die Region Hannover hat eine Abschussgenehmigung für den Wolf erteilt, der eines der Ponys von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen getötet hat. Diese hatte zuvor erklärt, dass die EU-Kommission den Schutzstatus von Wölfen neu bewerten werde.
Die Region Hannover hat eine Abschussgenehmigung für den Wolf erteilt, der eines der Ponys von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen getötet hat. Diese hatte zuvor erklärt, dass die EU-Kommission den Schutzstatus von Wölfen neu bewerten werde.
Das Pony mit dem Namen „Dolly“ war Anfang September durch einen Wolfsangriff getötet worden, als es zusammen mit einem anderen Pony im Besitz der Familie von der Leyen in der Nähe von Hannover in Norddeutschland graste.
„Die ganze Familie ist fürchterlich mitgenommen von der Nachricht“, sagte der Sprecher der Kommissionspräsidentin damals.
Nun haben die zuständigen Behörden die Entnahme des betroffenen Wolfes genehmigt.
„Eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung wurde beantragt und entsprechend der rechtlichen Anforderungen geprüft. Diese sind erfüllt“, sagte eine Sprecherin der zuständigen Stadtverwaltung am Freitag (9. Dezember) der TAZ.
Bei dem Wolf handelt es sich um einen sogenannten „Problemwolf“ – ein Begriff, der zur Anwendung kommt, wenn ein Wolf wiederholt Nutztiere angreift oder sich anderweitig nicht für eine friedliche Koexistenz mit dem Menschen geeignet zeigt. Dies erleichtert die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung zum Abschuss.
Nach Angaben der Sprecherin hat das Tier außer dem Pony insgesamt 12 Schafe und Kühe getötet. Sie wollte sich jedoch nicht dazu äußern, ob spezifisch der Tod von „Dolly“ den Ausschlag für die Erteilung einer Abschussgenehmigung gegeben hat.
Von der Leyen will Schutzstatus „neu bewerten“
Nachdem Expert:innen vor Ort bereits kurz nach dem Vorfall zu dem Schluss gekommen waren, dass das Pony wahrscheinlich von einem Wolf getötet wurde, bestätigten die am Mittwoch (7. Dezember) veröffentlichten Ergebnisse einer DNA-Analyse dies und halfen bei der Identifizierung des konkreten Wolfs.
Derweil erklärte von der Leyen in einem kürzlichen Brief an deutsche CDU-Abgeordnete, dass die Kommission den Schutzstatus der Wölfe überprüfen wolle.
In dem Brief, aus dem die dpa zitiert, erwähnte von der Leyen nicht ausdrücklich ihr Pony, sagte aber, die Kommission erkenne an, „dass die Rückkehr des Wolfes und seine wachsende Zahl zu Konflikten führen.“
„Es gibt vermehrt Berichte über Wolfsangriffe auf Tierbestände und steigende Risiken für Menschen vor Ort“, fügte sie hinzu.
Schutzstatus viel diskutiert
Wölfe und andere große Raubtiere wie Bären oder Luchse stehen derzeit unter strengem Schutz gemäß der EU-Habitatrichtlinie, was bedeutet, dass alle Formen des absichtlichen Fangens oder Tötens der Tiere in freier Wildbahn verboten sind.
Landwirt:innen und Vertreter:innen von Ländern und Regionen mit großen Raubtierpopulationen haben jedoch davor gewarnt, dass die wachsende Wolfspopulation eine Bedrohung für die Landwirtschaft und die lokalen Gemeinschaften darstelle.
Abgeordnete der konservativen EVP, der auch von der Leyen als CDU-Mitglied angehört, haben sich lautstark dafür eingesetzt, den Schutzstatus von Wölfen und anderen Großraubtieren wie Bären oder Luchsen zu überdenken, zuletzt mit einer kontroversen Twitter-Kampagne, die auf das Märchen Rotkäppchen anspielte.
🐺Attacks on livestock by #wolves, bears and lynxes have increased in Europe, putting farmers’ livelihoods at risk.
❗️Current measures are not enough!
Good monitoring is essential for successful large carnivore management.
We called for a #EPlenary debate to find solutions. pic.twitter.com/qJAiszTJXW
— EPP Group (@EPPGroup) November 23, 2022
Ende November hatte das Europäische Parlament ebenfalls eine nicht bindende Resolution verabschiedet, in der eine Herabstufung des Schutzstatus der Wölfe gefordert wird, um dem Tierhaltungssektor zu helfen.
Derweil könnte von der Leyen bei ihrem Vorstoß, den Schutzstatus zu überdenken, auf Widerstand innerhalb des Kollegiums der Kommissar:innen stoßen: Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius ist ein Befürworter des Schutzes von Großraubtieren und verteidigte kürzlich die derzeitige EU-Gesetzgebung zum Thema gegen die Kritik mehrerer Mitgliedsstaaten.
[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]