Europas Sprachenbabel: Perle oder Stolperstein? [DE]

2007 wird Irisch die 21 Amtsprache der EU. Gibt es Grenzen für die Vielfalt der Idiome in der Union? Diese Frage stellt Gabriel von Toggenburg in diesem Artikel, der von café babel herausgegeben wurde.  

2007 wird Irisch die 21 Amtsprache der EU. Gibt es Grenzen für die Vielfalt der Idiome in der Union? Diese Frage stellt Gabriel von Toggenburg in diesem Artikel, der von café babel herausgegeben wurde.  

Auszug: Die EU beschäftigt fast 4000 Übersetzer und Dolmetscher und betreibt den weltweit größten Übersetzungsdienst. Fast 100000 Seiten nur an Gesetzestexten müssen in 20 Amtsprachen übersetzt werden. Dazu kommt noch die Notwendigkeit des Dolmetschens von mittlerweile sage und schreibe 380 Sprachkombinationen. Für sein buntes Spracherbe muss Europa zahlen – rund 800 Millionen Euro im Jahr. Aber Geld ist nicht das eigentliche Problem. Was im europäischen Getriebe zunehmend stört ist der Effizienzschwund. Im Falle von Malta hat man sich bereits offiziell eingestehen müssen, dass das Maltesische als Amtssprache nicht zu verwalten ist (pdf). Warum also dieser Riesenaufwand? Schließlich haben die Vereinten Nationen fast achtmal so viele Mitglieder, aber nur ein viertel an Amtssprachen. Die Erklärung geht weit über die politischen Eitelkeiten der Staaten hinaus: Das malerische Sprachgewirr der EU hat ein handfestes juristisches Motiv. Im Unterschied zum klassischen Völkerrecht können sich die nationalen Parlamente nicht als „amtliche Übersetzer“ zwischen die Bürger und Brüssel stellen. Die unmittelbare Wirkung des Gemeinschaftsrechts macht den europäischen Übersetzungsexzess notwendig. Uns Bürgern bringt das den Vorteil, unser gesamtes Europarecht per einfachen Mausklick in 20 Sprachen zur Verfügung zu haben.

Die Grenzen der Sprachvielfalt

Artikel 21 des EG-Vertrages bestimmt, dass die europäischen Bürger sich in jeder der 20 Amtsprachen an jede der EU-Institutionen wenden dürfen. Diese sind verpflichtet, in eben dieser Sprache zu antworten. Dieser beeindruckende Beweis europäischen Willens zur sprachlichen Vielfalt ist nicht selbstverständlich: Wenn Staaten entstehen – und die EU ist ein staatsähnliches Gebilde – kommt es meist zu einer sprachlichen Homogenisierung. Der historische Abbé Gregoire zählte in seinem Gutachten für die Regierung des revolutionären Frankreichs noch 30 Sprachen und Dialekte. Fast die Hälfte der damals 28 Millionen „Franzosen“ konnte sich nicht auf „französisch“ unterhalten. Wäre Europa dem Beispiel seiner Staaten gefolgt, so wäre der Kontinent auf dem traurigen Weg zu einer öden Sprachmonokultur.

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Der vollständige Artikel ist auf der Website von café babel verfügbar.