EU-Winzervertreter fordert mehr Maßnahmen gegen hohe Energiepreise
Niedrigere Betriebskosten für Landwirt:innen - vor allem für Energie - seien entscheidend für die Ernährungssicherheit und die ökologische Nachhaltigkeit des Sektors, so Luca Rigotti, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wein beim europäischen Landwirtschaftsverbandes COPA-COGECA.
Niedrigere Betriebskosten für Landwirt:innen – vor allem für Energie – seien entscheidend für die Ernährungssicherheit und die ökologische Nachhaltigkeit des Sektors, so Luca Rigotti, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wein beim europäischen Landwirtschaftsverbandes COPA-COGECA.
Ukraine-Krieg, Energiekrise und steigende Kosten beeinflussen europaweit die landwirtschaftliche Produktion, darunter auch den Winzereisektor.
„Die Notlage, in der wir uns befinden, hat die Verarbeitungskosten für die Weinkellereien und die Kosten für Materialien – Glas, Papier, Verpackungen, Etiketten, Korken – erhöht, die ebenfalls eine Phase der Beschaffungsschwierigkeiten erlebt haben“, erklärt Rigotti, der gleichzeitig Präsident der Mezzacorona-Gruppe ist, einer Winzergenossenschaft mit Sitz in Trient.
Trotz allem stiegen laut Jahresbericht 2022 von Valoritalia der Wert der Flaschenweine und die Zertifizierungen. Derweil gab es im Vergleich zu 2020 elf Prozent mehr Verkäufe, und zwölf Prozent mehr im Vergleich zu 2019. Im Jahr 2021 erreicht der zertifizierte Flaschenwein laut dem Bericht die 10-Milliarden-Euro-Marke.
„Das Jahr, das wir gerade abgeschlossen haben – die Weinkellereien schließen normalerweise zur Jahresmitte, etwa im Juni oder Juli – war interessant“, sagte Rigotti. Der Anstieg sei sowohl beim Umsatz als auch beim Export zu verzeichnen. „Wir können also sagen, dass wir unsere Positionen noch verteidigen“, fügte er hinzu.
„Aber die Zukunft macht uns ziemliche Sorgen wegen der Kosten, die wegen der sinkenden Kaufkraft nicht mehr kontrollierbar sind,“ meinte er.
„Wein ist kein Grundbedürfnis und wir befinden uns in einer schwierigen Zeit, nicht nur für den Agrarsektor, sondern für die gesamte Wirtschaft,“ erklärte er.
Historisch trockenstes Jahr
In diesem Jahr war der Agrar- und Lebensmittelsektor von ausgeprägten Dürreperioden betroffen.
Das heiße, trockene Wetter erschwerte in einigen Gebieten die Suche nach Wasser für die Bewässerung. Die Weinproduktion habe hierunter jedoch nicht gelitten, so Rigotti. „In trockenen Jahren hat man immer gute Ernten.“
Der Winzer deutet aber an, die wichtigsten Herausforderungen würden noch bevorstehen.
„Die geopolitische Unsicherheit ist nicht nur wirtschaftlicher Natur“, so Rigotti, „sie ist auch eine Unsicherheit, die viel schwerwiegender ist und die Sicherheit der Menschen beeinträchtigt, selbst derjenigen, die relativ weit von der Konfliktzone entfernt sind, aber ständig Zweifel und Ratlosigkeit im Zusammenhang mit ihr erleben.“
„Wir müssen uns als Unternehmen darauf einstellen und daran arbeiten, die Energiepreise zu senken. Ich weiß, dass es nicht einfach sein wird, aber wir müssen diesen Weg gehen, wir brauchen mehr Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, denn die Lebensmittelsicherheit und die ökologische und soziale Nachhaltigkeit hängen von niedrigeren Kosten ab.“
Mit Blick auf die Bedeutung des Weinsektors auf europäischer Ebene betonte Rigotti, dass wirtschaftliche Stabilität notwendig sei, um zu einer „tugendhafteren Landwirtschaft und einem Weinbau zu gelangen, der die Umwelt und das Land respektiert.“
Im Rahmen ihres 300-Milliarden-Euro-Plans zur Steigerung der Energieeinsparungen, genannt REPowerEU, hat die Europäische Kommission den Mitgliedstaaten die Möglichkeit gegeben, freiwillig einen Teil der Mittel aus einigen EU-Fonds, wie der Kohäsionspolitik und der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), auf die Fazilität für Konjunkturbelebung und Widerstandsfähigkeit (RRF) zu übertragen.
Diese Flexibilität bei der Verwendung von GAP-Mitteln wurde von den Landwirt:innen jedoch nicht gut aufgenommen. Sie betonten, dass die Verwendung von Mitteln aus den nationalen Strategieplänen der GAP nur dann akzeptabel sei, wenn die REPowerEU-Investitionen von der Landwirtschaft initiiert werden.
Vorschläge aus Brüssel
Mit Blick auf den im Juni vorgelegten Kommissionsvorschlag zur Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2030 schloss sich Rigotti den Bedenken mehrerer EU-Mitgliedstaaten an, die eine neue Folgenabschätzung forderten und Bedenken hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit äußerten.
„Der Vorschlag ist als undurchführbar kritisiert worden“, sagte er.
„Ich kann nur über die Weinwelt sprechen, und wir müssen den Weg fortsetzen, der vor Jahren in unserem Sektor begonnen hat und der eine Arbeitsethik, Respekt für die Umwelt und für die Menschen beinhaltet,“ erklärte er. „Wir wollen Protagonist:innen auf diesem Weg sein, aber er muss gesellschaftlich geteilt und mit Folgenabschätzungen berechnet werden“, fügte er hinzu.
Die Europäische Kommission wird im März des kommenden Jahres auch eine Folgenabschätzung für neue genomische Techniken (NGT) vorlegen müssen. Der Begriff „Neue genomische Techniken“ (NGT) beschreibt ein breites Spektrum von Techniken und Methoden für die Veränderung von Genomen mit dem Ziel, bestimmte Eigenschaften von Pflanzen gentechnisch zu verändern, beispielsweise die Trockenheitstoleranz.
Rigotti schätzt die Vorteile dieser Techniken für die Nachhaltigkeit, fügte aber hinzu, dass das Ziel nicht darin bestehen sollte, neue Rebsorten zu schaffen.
„Wir müssen die bereits vorhandenen Sorten widerstandsfähig und tolerant machen, denn Wein ist ein traditioneller Markt, und die Sorten sind seit Jahren dieselben“, fügte er hinzu.
Der Anteil der Flächen, die in den kommenden Jahren in bestimmten Regionen dem Weinbau entzogen werden, werde beträchtlich sein.
„Wenn wir gemeinsame positive Wege gehen wollen, in denen der Weinsektor präsent ist, müssen wir uns zusammen setzen und gemeinsam planen, um zu Ergebnissen zu kommen, die jedes Jahr besser werden,“ erklärte er.
„Wenn die europäischen Produkte nicht produktiv genug sind, um die Nachfrage zu befriedigen, werden wir gezwungen sein, unseren Markt für nichteuropäische Produkte zu öffnen, was inakzeptabel wäre. Wir müssen einen Weg einschlagen, der wirklich tragfähig ist und das Problem löst“.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]