250.000 Pfund für den perfekten Euro-Ausstieg
Der englische Think Tank Policy Exchange honoriert das beste Konzept zum Ausstieg aus der Euro-Zone mit knapp 300.000 Euro. Stößt der "Wolfson Economics Prize" eine notwendige Debatte an oder steckt dahinter lediglich der Euroskeptizismus seines Sponsors?
Der englische Think Tank Policy Exchange honoriert das beste Konzept zum Ausstieg aus der Euro-Zone mit knapp 300.000 Euro. Stößt der „Wolfson Economics Prize“ eine notwendige Debatte an oder steckt dahinter lediglich der Euroskeptizismus seines Sponsors?
Internationale Spitzenakademiker aus den Wirtschaftswissenschaften sollen sich den Kopf darüber zerbrechen, wie EU-Staaten geordnet aus der Europäischen Währungsunion aussteigen können. So wünscht es sich der Londoner Think Tank Policy Exchange, der das beste Konzept mit dem "Wolfson Economics Prize" belohnt. "Zu den vielen komplexen Fragen, die ein solcher Schritt aufwerfen würde, wurde bislang viel zu wenig geforscht", erklärte Neil O’Brien, Director von Policy Exchange, am Dienstag.
Gestiftet werden die ausgelobten 250.000 Pfund (ca. 286.000 Euro) vom englischen Unternehmer Lord Simon Wolfson, der den konservativen Tories nahe steht. Höher dotiert ist auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften nur der Nobelpreis. Wolfson erwartet von den Ökonomen Antworten darauf, wie eine "Post-Euro-Euro-Zone" aussehen würde, und der Übergang zu bewerkstelligen wäre.
Euroskeptizismus ist in Großbritannien weit verbreitet. Wolfson beteuert allerdings: "Ich hoffe, wie die meisten europäischen Geschäftsleute, dass sich die Euro-Zone in den kommenden Jahren stabilisiert". Sollte die Stabilisierung aber nicht gelingen, sollen die Wirtschaftswissenschaftler dem Lord zufolge vorbereitet sein. Ihre Konzepte sollen verhindern, "dass Europa in ein Finanzchaos stürzt, das Ersparnisse, Arbeitsplätze und den sozialen Zusammenhalt zerstört".
Reaktionen
Ökonomen reagieren unterschiedlich auf die Preisausschreibung. Clemens Fuest, Wirtschaftsprofessor an der University of Oxford, kritisiert, die Fragestellung setze eine Auflösung der Euro-Zone voraus. Teilnehmen möchte er selbst deshalb nicht. "Ich würde mich nicht an die Speerspitze einer Bewegung stellen, die den Euro abschaffen will", sagte Fuest gegenüber Spiegel Online.
Peter Boone, Ökonom an der London School of Economics (LSE), bezweifelt, dass ein Wissenschaftler allein den perfekten Plan zur Auflösung der Euro-Zone liefern kann. Dennoch begrüßt Boone den Wettbewerb. "Der Preis fördert die öffentliche Debatte", so Boone gegenüber Spiegel Online. Die Frage eines Euro-Ausstiegs einzelner Länder sei sicherlich in den Finanzministerien und Zentralbanken der Euro-Zone schon durchgespielt worden, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
jni
Links
Policy Exchange: Internetseite
Presse
Spiegel.de: Ökonomen glauben nicht an Euro-Masterplan (19. Oktober 2011)
Spiegel.de: Britischer Lord lobt Preis für Euro-Ausstieg aus (19. Oktober 2011)
Tagesspiegel.de: "250 000 Pfund für die Lösung der Euro-Krise". Porträt von Lord Simon Wolfson (19. Oktober 2011)