Alarm im Westen: Südafrikanische Marine übt Manöver mit Russland und China
Südafrika sollte am Freitag (17. Februar) ein gemeinsames Marinemanöver mit Russland und China durchführen. Dies wird als Routineübung bezeichnet, hat allerdings Kritik ausgelöst und Befürchtungen geweckt, dass die Manöver die Beziehungen zu westlichen Partnern gefährden könnten.
Südafrika soll am Freitag (17. Februar) ein gemeinsames Marinemanöver mit Russland und China durchführen. Dies wird als Routineübung bezeichnet, hat allerdings Kritik ausgelöst und könnte die Beziehungen zum Westen stören.
Die Weltmächte wetteifern derzeit um Einfluss in Afrika, während sich die globalen Spannungen durch den Krieg in der Ukraine und die zunehmend aggressive Haltung Chinas gegenüber Taiwan verschärfen.
Einige afrikanische Nationen weigern sich standhaft, Partei zu ergreifen, da sie von dem diplomatischen Tauziehen profitieren wollen. Analysten halten die Ausrichtung der 10-tägigen Mosi-II-Übung, die mit dem Jahrestag des Einmarsches Russlands in die Ukraine am 24. Februar zusammenfällt, jedoch für eine riskante Strategie.
„Diese Übungen werden ein Blitzableiter sein“, sagte Steven Gruzd vom South African Institute of International Affairs.
Südafrika nehme eine neutrale Haltung zum Ukraine-Konflikt ein und enthielt sich bei der Abstimmung über eine UN-Resolution zur Verurteilung Russlands im vergangenen Jahr.
Mit Verweis auf ähnliche Übungen, die es mit anderen internationalen Partnern durchgeführt hat, darunter eine mit Frankreich im November, hat es die Kritik zurückgewiesen.
„Südafrika hat wie jeder unabhängige und souveräne Staat das Recht, seine Außenbeziehungen im Einklang mit seinen … nationalen Interessen zu gestalten“, erklärte das südafrikanische Verteidigungsministerium letzten Monat.
Aber sechs in Südafrika ansässige Diplomaten – alle aus NATO- oder Mitgliedstaaten der EU – sagten Reuters, sie verurteilten die Übung.
„Das ist nicht richtig und wir haben ihnen gesagt, dass wir das nicht gutheißen“, so einer der Diplomaten.
Nicht erwünscht?
Russlands eigene Aktionen haben die Kontroverse weiter angeheizt.
So hat Russland eine Fregatte eingesetzt, die mit einer neuen Generation von Hyperschall-Marschflugkörpern namens Zircon ausgestattet ist.
Präsident Wladimir Putin hat die Waffe, die mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit fliegen kann, als „unaufhaltsam“ bezeichnet. Die russische Nachrichtenagentur TASS berichtete diesen Monat, dass die Fregatte während der Übung einen Übungsstart durchführen wird.
„Ich bin mir nicht sicher, ob sich Südafrika der möglichen Gegenreaktion wirklich bewusst ist“, sagte Gruzd.
Das russische Verteidigungsministerium reagierte nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme und Südafrikas Nationale Verteidigungskräfte haben den TASS-Bericht dementiert. Die Empörung unter den Kritikern des russischen Einsatzes in südafrikanischen Gewässern hält jedoch an.
Am vergangenen Wochenende legte das Schiff mit den Hyperschall-Marschflugkörpern in Kapstadt an. Auf seinen Flanken prangen die Buchstaben Z und V – Symbole, mit denen Russland für den Krieg in der Ukraine wirbt.
„Kapstadt wird sich nicht an Russlands bösem Krieg beteiligen“, schrieb Bürgermeisterin Geordin Hill-Lewis auf Twitter und erklärte das Schiff als in Kapstadt unerwünscht.
Historische Beziehungen
Südafrikas regierende sozialdemokratische „African National Congress“-Partei unterhält seit langem Beziehungen zu Moskau, welches den Kampf gegen das rassistische Apartheidregime unterstützte, das viele westliche Staaten damals als Verbündeten im Kalten Krieg betrachteten.
„Russlands und in geringerem Maße auch Chinas Haltung als antikolonialer Verbündeter findet in weiten Teilen Afrikas noch immer Resonanz, auch wenn andere dies inzwischen als nicht mehr zeitgemäß ansehen“, so Cobus van Staden vom China-Global South Project.
Da Russland und China nun versuchen, neue internationale Koalitionen zu schmieden, rückt Afrika erneut in den Vordergrund, wo sich einige Nationen nach Alternativen zur westlichen Hegemonie sehnen.
Südafrika zum Beispiel schätzt seinen Platz innerhalb der BRICS-Staaten neben Russland, China, Indien und Brasilien sehr und unterstützt Pekings Pläne, die Mitgliedschaft zu erweitern und seinen Einfluss zu vergrößern.
Es besteht jedoch die Gefahr, dass die außenpolitischen Ziele Pretorias die wirtschaftlichen Interessen des Landes untergraben.
„Einige Unternehmen haben uns gefragt, ob es noch sicher ist, mit Südafrika Geschäfte zu machen, weil sie mögliche Konsequenzen fürchten“, sagte ein europäischer Botschafter gegenüber Reuters.
China ist jetzt der wichtigste bilaterale Handelspartner Afrikas, aber die EU ist bei weitem der größte Markt für südafrikanische Exporte.
Der bilaterale Handel mit der EU belief sich nach südafrikanischen Angaben im vergangenen Jahr auf rund 53 Milliarden Dollar, verglichen mit etwas mehr als 750 Millionen Dollar mit Russland.
Innenpolitische Kritiker sehen alleine die wirtschaftliche Realität als Grund dafür, dass die südafrikanische Regierung vertiefte Beziehungen zu Russland und China ernsthaft überdenken sollte.
„Es ist ein Schlag ins Gesicht unserer Handelspartner, sich am Jahrestag der Invasion so eindeutig auf die Seite Russlands zu stellen“, sagte Kobus Marais, der das Verteidigungsressort der oppositionellen Demokratischen Allianz leitet.
„Wir sind die nützlichen Idioten.“