Albanien schlittert in eine Arbeitsmarktkrise
Die hohe Abwanderung junger Menschen aus Albanien führt zu einer besorgniserregenden Situation auf dem lokalen Arbeitsmarkt. Einem neuen Bericht zufolge könnte es 2030 zu Engpässen in Schlüsselsektoren kommen.
Die hohe Abwanderung junger Menschen aus Albanien führt zu einer besorgniserregenden Situation auf dem lokalen Arbeitsmarkt. Einem neuen Bericht zufolge könnte es bereits 2030 zu Engpässen in Schlüsselsektoren kommen.
Albanien befindet sich mitten in einer demografischen Krise, da jedes Jahr Zehntausende von Menschen das Land verlassen und die verbleibende Bevölkerung von Überalterung und sinkenden Geburtenraten gekennzeichnet ist. Jährlich wandern bis zu 42.000 Menschen aus.
Die von der Europäischen Stiftung für Berufsbildung durchgeführte Studie stellt fest, dass die Länder des westlichen Balkans, insbesondere Albanien, durch die Abwanderung junger Menschen mit einer sich verschärfenden Arbeitskrise zu konfrontiert sein werden.
Dem Basisszenario zufolge werden Albanien, Nordmazedonien und Serbien zwischen 2020 und 2030 mit einem Arbeitskräftemangel in den unteren, sekundären, höheren und beruflichen Qualifikationsgruppen zu kämpfen haben. Bosnien und Herzegowina wird vor allem im unteren und mittleren Bildungsbereich mit einem erheblichen Mangel rechnen müssen, während die Abwanderung von Personen mit höherem Bildungsniveau nicht so stark ins Gewicht fallen wird.
In Montenegro wird es einen Mangel an Arbeitskräften der unteren und mittleren Ebene geben, dafür jedoch ein Überangebot an hoch qualifizierten Arbeitskräften.
Der Bericht gibt zu bedenken, dass der Verlust von Arbeitnehmern aller Qualifikationsstufen zu erheblichen Engpässen auf dem Markt führen wird. Dies wiederum kann zu einem zögerlichen Verhalten ausländischer Investoren führen, die es sich möglicherweise zweimal überlegen, ob sie in der Region ein Unternehmen gründen wollen.
In Albanien ist die Situation noch dramatischer, da der Studie zufolge bis zu 40 Prozent der Hochschulabsolvent:innen, darunter Lehrer:innen und akademisches Personal, bereits ausgewandert sind.
Darüber hinaus gab es in den letzten Jahren einen Mangel an Arbeitskräften im verarbeitenden Gewerbe, insbesondere in Bekleidungs- und Textilfabriken.
Von den Personen, die in den letzten zwei Jahren aus Albanien ausgewandert sind, waren 15.000 zwischen 20 und 24 Jahre alt. Die Arbeitslosenquote in Albanien lag im Jahr 2020 bei 11,7 Prozent.