Albanien weist höchste Korruptionsrate in der Region auf
Mehr als die Hälfte der Albaner:innen gibt an, schon einmal um ein Bestechungsgeld gebeten worden zu sein, während etwas weniger als die Hälfte zugab, es gegeben zu haben. Das Land kommt damit auf die höchsten Korruptionsraten des Westbalkans.
Mehr als die Hälfte der Albaner:innen gibt an, schon einmal um ein Bestechungsgeld gebeten worden zu sein, während etwas weniger als die Hälfte zugab, es gegeben zu haben. Das Land kommt damit auf die höchsten Korruptionsraten des Westbalkans.
Das geht aus einem neuen Bericht über Korruption der Organisation Southeast European Leadership for Development and Integration hervor.
Dem Bericht zufolge ist Albanien das Land mit dem höchsten Korruptionsdruck und der stärksten Verwicklung in Korruption in den westlichen Balkanstaaten, was alle Indikatoren betrifft, wie zum Beispiel die Suche nach Bestechungsgeldern, die Gewährung von Bestechungsgeldern, die Akzeptanz von Korruption, die Tatsache, dass man ihr zum Opfer fällt, und sogar die Vereinnahmung des Staates durch Unternehmen.
„Albanien scheint das Land zu sein, das am stärksten von Korruption in der Verwaltung in der Region betroffen ist. 57 Prozent der Bürger:innen werden zumindest gelegentlich um Bestechungsgelder gebeten und 47 Prozent sind tatsächlich an Korruptionsgeschäften beteiligt“, heißt es im Bericht.
Serbien ist nach wie vor das Land mit dem geringsten Korruptionsdruck in der Region, während der Kosovo mit 20 Prozent der Bürger:innen, die Bestechungsgelder gezahlt haben, im Vergleich zu 23 Prozent in Serbien am wenigsten in Korruptionsvorgänge verwickelt ist.
Dem Bericht zufolge steht die direkte Beteiligung an Korruptionsgeschäften in Zusammenhang mit der Einstellung zu Korruption und korruptem Verhalten sowie der Wahrnehmung, dass Korruption in der Gesellschaft weit verbreitet ist. Ein weiterer Indikator, nämlich die Akzeptanz von Korruption, spiegelt die Überzeugung der Bürger:innen wider, dass einige korrupte Praktiken von Beamt:innen normal sind und toleriert werden können.
Im Jahr 2021 ist die Akzeptanz in Albanien (40 Prozent), Bosnien und Herzegowina (38 Prozent) und Nordmazedonien (37 Prozent) am höchsten, aber auch die niedrigsten Werte (Kosovo – 25 Prozent und Montenegro – 27 Prozent) sind noch recht hoch.
Der stetige Rückgang der Akzeptanz in allen Ländern, mit Ausnahme von Bosnien und Herzegowina und Montenegro , seit 2016 deute jedoch auf eine zunehmende Resilienz der Bürger:innen gegenüber Korruption hin, so der Bericht.
Beim Indikator für die Vereinnahmung des Staates durch Unternehmen, der sich auf den Druck der Monopolisierung auf nationaler, sektoraler oder institutioneller Ebene konzentriert, erreicht Albanien mit 45 Prozent den höchsten Wert in der Region, zusammen mit Bosnien und Herzegowina.
Bei den Faktoren, die eine staatliche Vereinnahmung begünstigen, zu denen institutionelle und umweltbedingte Faktoren auf nationaler Ebene gehören, erreicht Albanien 50 Prozent und liegt damit fast doppelt so hoch wie der Kosovo auf dem zweiten Platz.
In früheren Fortschrittsberichten der EU für Länder in der Region hieß es, man habe „eindeutige Elemente staatlicher Vereinnahmung“ festgestellt, während das Phänomen in neueren Veröffentlichungen nur noch am Rande erwähnt wird, was ein Ausdruck geopolitischer Prioritäten für eine beschleunigte EU-Erweiterung angesichts der Bedrohung durch Russland und China sein könnte.