Anti-EU-Partei greift bulgarischen EURACTIV-Journalisten an
Die prorussische und EU-feindliche Partei Vazrazhdane hat die bulgarische Journalistin Emilia Milcheva ins Visier genommen, als sie versuchte herauszufinden, wie die Partei Unterschriften für ein Referendum sammelt, das die Mitgliedschaft des Landes in der Eurozone verhindern soll.
Die prorussische und EU-feindliche Partei Vazrazhdane hat die bulgarische Journalistin Emilia Milcheva ins Visier genommen, als sie versuchte herauszufinden, wie die Partei Unterschriften für ein Referendum sammelt, das die Mitgliedschaft des Landes in der Eurozone verhindern soll.
Milcheva ist regelmäßig für EURACTIV tätig und arbeitet außerdem für die bulgarische Redaktion der Deutschen Welle sowie den TV-Sender TV1.
Die Journalistin wurde von der Partei als „Provokateurin“ und „Schnüfflerin“ bezeichnet, weil sie an einem Bericht für die Deutsche Welle mitarbeitete, der sich damit befasste, wer ein Referendum gegen den Beitritt Bulgariens zur Eurozone unterschrieben hatte.
Die Initiative wird hauptsächlich von Kostadin Kostadinov von Vazrazhdane unterstützt, der bei den letzten Wahlen etwas mehr als 10 Prozent der Stimmen erhalten hat.
Am Donnerstag hielt Vazrazhdane eine Pressekonferenz über das Referendum ab, auf der der Vorsitzende des Initiativkomitees und Sekretär von Vazrazhdane, Deyan Nikolov, sagte, die Initiative werde „von Provokateuren angegriffen.“
Milcheva hatte eine Unterschriftensammelstelle besucht und Fragen zu den Motiven der Initiator:innen gegen die Einführung des Euro gestellt.
Nikolov warf Milcheva außerdem vor, persönliche Daten anderer Menschen fotografiert zu haben.
„Es ging so weit, dass unser Team sofort die Polizei rief, um die Fotos vom Telefon der betreffenden Dame zu löschen und ihr eine Verwarnung auszustellen“, so Nikolov.
Er erklärte, Milcheva sei eine PR-Agentin für die „Snitch Bulgaria Party“, wie die pro-russische Partei ihre pro-europäischen Rivalen vom Demokratischen Bulgarien nennt. Dies führte zu Anschuldigungen, die Journalistin sei in eine Parteiverschwörung gegen das Anti-Eurozonen-Referendum verwickelt.
Der Sekretär von Vazrazhdane erklärte, die Journalistin sei geschickt worden, um zu versuchen, „persönliche Daten zu extrahieren, das Gesetz zu brechen und dann irgendeinen Drecksartikel in irgendeinem amerikanischen Medium zu schreiben.“
Milcheva veröffentlichte ihren Text für die Deutsche Welle, in dem sie die Antwort von Vazrazhdane auf ihre Fragen erwähnte und beschrieb, wie die Polizei gerufen wurde. Sie äußerte sich nicht zu den Positionen der Personen, sondern zitierte sie lediglich.
Milcheva arbeitete 2017 vier Monate lang in der PR-Abteilung der Partei „Ja, Bulgarien“ und kehrte dann in den Journalismus zurück.
„Niemand kann einem Journalisten verbieten, über öffentliche Prozesse zu berichten, wie etwa die Aktion zur Unterschriftensammlung für ein Referendum der Partei Vazrazhdane zur Verteidigung der bulgarischen Währung“, sagte Milcheva gegenüber EURACTIV.
Die Deutsche Welle erklärte, dass sie „die Behauptungen von Vazrazhdane zurückweist und widerlegt und fest hinter ihrer langjährigen Autorin Emilia Milcheva steht.“
Bulgarien steht in der Rangliste von Reporter ohne Grenzen auf Platz 91 und ist im letzten Jahr um 21 Plätze gestiegen.