Arbeitskräftemangel: Frankreich wehrt sich gegen Kommission
Der französische Arbeitsminister Olivier Dussopt wies am Montag (12. Juni) die Kritik der Europäischen Kommission zurück, seine Regierung tue nicht genug, um den Arbeitskräftemangel zu verringern, und antwortete stattdessen, dass "wir hart arbeiten."
Der französische Arbeitsminister Olivier Dussopt wies am Montag (12. Juni) die Kritik der Europäischen Kommission zurück, seine Regierung tue nicht genug, um den Arbeitskräftemangel zu verringern, und antwortete stattdessen, dass „wir hart arbeiten.“
Dusspot sprach am Rande des Rates für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten (EPSCO) in Luxemburg, an dem Minister aus den 27 EU-Mitgliedstaaten teilnahmen.
Die Minister debattierten über die Empfehlungen der Kommission zum Europäischen Semester, das darauf abzielt, die Wirtschafts-, Sozial- und Haushaltspolitik der Mitgliedstaaten zu koordinieren.
Im Falle Frankreichs wurde in den im Mai veröffentlichten Empfehlungen vor „makroökonomischen Ungleichgewichten“ gewarnt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Arbeitskräftemangel lag, den Frankreich derzeit erlebt.
Laut den Zahlen für 2023 von Pôle emploi, der französischen Arbeitsagentur, werden 61 Prozent der Neueinstellungen als „schwierig“ eingestuft, eine Statistik von historischem Ausmaß. In 85 Prozent der Fälle beklagen die Personalvermittler eine unzureichende Anzahl von Kandidaten, während 79 Prozent über unpassende Profile berichten.
Auf europäischer Ebene war jedes vierte Unternehmen gezwungen, seine Produktion aufgrund von Einstellungsproblemen zu drosseln, berichtet das Europäische Gewerkschaftsinstitut.
Frankreich hat zwar „die Investitionen in die Fortbildung und Umschulung von Arbeitnehmern erhöht“, aber die Kommission stellte fest, dass es nach wie vor mehrere Hindernisse gibt, insbesondere die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern geringe Beteiligung von Ungelernten am Arbeitsmarkt.
Außerdem führen „Arbeits- und Qualifikationsdefizite in Sektoren und Berufen, die für den grünen Wandel entscheidend sind, […] zu Engpässen beim Übergang zu einer Netto-Null-Wirtschaft“ bis 2050, wie es in den Zielen des Green Deal der EU heißt.
Doch Dussopt wies die Kritik zurück. Frankreich sei „hart am Arbeiten“, antwortete er auf Anfrage von EURACTIV. Er wies darauf hin, dass die Regierung im vergangenen Jahr „eine Reihe von Arbeitsmarktreformen durchgeführt“ habe, darunter die Überarbeitung der Regeln für die Arbeitslosenversicherung, die am 1. Februar in Kraft getreten ist.
Im Rahmen der Reform wird die Dauer des Arbeitslosengeldes um 25 Prozent gekürzt, sobald die nationale Arbeitslosenquote unter 9 Prozent fällt. Der Status quo wird wiederhergestellt, wenn die Arbeitslosenquote 9 Prozent überschreitet oder innerhalb eines Quartals um mehr als 0,8 Prozentpunkte ansteigt.
Der Minister hob auch die Erneuerung des französischen Investitionsplans für Qualifikationen (PIC) und das Gesetz über die Vollbeschäftigung als wirksame Hebel zur Bewältigung von Einstellungsproblemen hervor.
„Das ist ein Thema, an dem wir arbeiten, [aber] mit Optimismus, denn unsere Wirtschaft schafft weiterhin Arbeitsplätze […]. Der Marsch in Richtung Vollbeschäftigung geht weiter“, so Dussopt abschließend.
In einer Rede im April kündigte der französische Präsident Emmanuel Macron den Beginn von „hundert Tagen der Beschwichtigung“ an. Dazu gehört auch die Einführung eines neuen „Pakts für das Leben am Arbeitsplatz“, der darauf abzielt, „der Arbeit wieder einen Sinn zu geben und die Arbeitsbedingungen zu verbessern“ – und das alles bei gleichzeitiger Vorbereitung auf die Um- und Weiterqualifizierung im Rahmen des grünen Übergangs.
[Bearbeitet von János Allenbach-Ammann/Zoran Radosavljevic]