Baerbock: Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ist "Irrsinn"

Eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken werde die derzeitige Energiekrise nicht lösen und sei mit hohen Kosten verbunden, warnte die grüne Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. Die Drei-Parteien-Regierung bleibt in dieser Frage gespalten.

Euractiv.de
German Foreign Minister Baerbock visits Copenhagen
Deutschland habe in den vergangenen Jahrzehnten "viele Milliarden für das Hin und Her beim Atomausstieg bezahlt. Das jetzt wieder umzuwerfen, wäre Irrsinn und würde uns noch teurer zu stehen kommen", sagte Bundesaußenminister in Annalena Baerbock. [EPA-EFE/EMIL HELMS]

Eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken werde die derzeitige Energiekrise nicht lösen und sei mit hohen Kosten verbunden, warnte die grüne Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. Die Drei-Parteien-Regierung bleibt in dieser Frage gespalten.

Unter den aufeinanderfolgenden Regierungen von Ex-Kanzlerin Angela Merkel hat sich Deutschland seit der Fukushima-Katastrophe von 2011 für einen schrittweisen Ausstieg aus der Atomkraft entschieden. Dennoch werden nach der durch den Krieg in der Ukraine ausgelösten Energiekrise die Forderungen nach einer Verlängerung der Laufzeit einiger Atomanlagen lauter, auch aus den Reihen der Regierungskoalition.

„Ich bin nicht überzeugt, dass Atomkraftwerke unser Gasproblem lösen werden“, sagte Baerbock in einem Interview mit der Welt am Sonntag.

Deutschland habe in den vergangenen Jahrzehnten „viele Milliarden für das Hin und Her beim Atomausstieg bezahlt. Das jetzt wieder umzuwerfen, wäre Irrsinn und würde uns noch teurer zu stehen kommen“, fügte sie hinzu.

Die Befürworter:innen der Kernenergie würden sich nicht mit einer geringfügigen Verlängerung der Laufzeit bestehender Anlagen zufriedengeben, sagte sie.

„Sie wollen eine Rolle rückwärts zur Atomkraft“, sagte sie weiter.

In der Drei-Parteien-Koalition plädiert die liberale FDP dafür, die Abschaltung von Atomkraftwerken aufzuschieben, und während die Sozialdemokraten von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) diese Idee nicht ausschließen, blockieren Baerbocks Grüne weiterhin einen solchen Vorschlag.

Um die Pattsituation zu durchbrechen, führt die Regierung derzeit einen sogenannten „Stresstest“ durch, der weitere Informationen über die Sicherheit der Stromversorgung des Landes liefern soll, und will auf der Grundlage der Ergebnisse über die Kernenergie entscheiden.