Bauwirtschaft bricht stärker ein

Die Krise hat die mittelständisch geprägte Bauwirtschaft erfasst. Investitionen in Büros, Hotels und Fabriken sinken dramatisch, auch der Wohnungsbau geht zurück. Die Konjunkturprogramme können den Umsatzrückgang voraussichtlich nicht stoppen.

Neue Bürogebäude werden immer seltener.

Foto-Copyright: Bernd-Sterzl / pixelio.de
Neue Bürogebäude werden immer seltener. Foto-Copyright: Bernd-Sterzl / pixelio.de

Die Krise hat die mittelständisch geprägte Bauwirtschaft erfasst. Investitionen in Büros, Hotels und Fabriken sinken dramatisch, auch der Wohnungsbau geht zurück. Die Konjunkturprogramme können den Umsatzrückgang voraussichtlich nicht stoppen.

"Die Baunachfrage ist auf breiter Front eingebrochen, die Auftragseingänge nahmen im ersten Quartal um 13, 5 Prozent ab“, sagte Herbert Bodner, Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), am 26. Mai in Berlin. 2009 rechnet der HDB mit einem Umsatzrückgang von nominal drei Prozent, 2010 mit einem Minus von vier Prozent.

Vor allem der Wirtschaftsbau im Westen Deutschlands leidet laut HDB unter der Rezession. Hier mache sich die Krise der Exportwirtschaft bemerkbar. Der Anteil westdeutscher Bauunternehmen, bei denen Aufträge storniert wurden, habe sich von 14 auf 23 Prozent erhöht. Mit einer Erholung sei erst ab 2011 zu rechnen.

Insgesamt werde der Umsatz des Wirtschaftsbaus 2009 um 12 Prozent zurückgehen. Im Wohnungsbau falle das Minus mit drei Prozent geringer aus.

Einzig bei öffentlichen Bauprojekten erwartet die Bauindustrie ein Umsatzplus von acht Prozent, was der HDB auf die beiden Konjunkturprogramme der Bundesregierung zurückführt. Der „bauwirtschaftliche Impuls“ der Programme liege bei 19 Milliarden Euro. Rein rechnerisch könnten damit 105.000 Arbeitsplätze für zwei Jahre im Baugewerbe gesichert werden. Allerdings befürchtet die Bauindustrie gegenläufige Effekte.

Zum einen könnten Kommunen sich gezwungen sehen, Steuerausfälle durch Kürzungen im Investitionshaushalt aufzufangen. Zum anderen seien „Mitnahmeeffekte“ nicht auszuschließen – wenn Kommunen die Konjunkturprogramme für Investitionen nutzen, die sie bereits vor der Krise im Haushalt eingeplant hatten.

Die Zuwächse im öffentlichen Bau werden den Berechnungen des HDB nach die Umsatzeinbußen im Wirtschaftsbau und im Wohnungsbau nicht ausgleichen können. Der Verband rechnet deshalb mit einem Rückgang der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe von 2,5 Prozent im laufenden und 3 Prozent im kommenden Jahr. Bau-Ingenieure müssen dem HDB zufolge allerdings wenig Sorge um ihren Arbeitsplatz haben, sie sind weiterhin stark gefragt.

Der HDB forderte, die öffentlichen Investitionen müssten auch über die Zeit der Konjunkturprogramme hinaus bedarfsgerecht weitergehen. Einer Schätzung zufolge schöben die deutschen Kommunen einen Investitionsstau von 70 Milliarden Euro vor sich her. Inzwischen seien zum Beispiel 15 Prozent der Brücken im deutschen Bundesfernstraßennetz dringend sanierungsbedürftig. „Das heißt, diese Brücken bewegen sich gerade noch am Rande der Verkehrssicherheit“, so Herbert Bodner. 

Alexander Wragge