Bericht zeigt Handlungsbedarf bei geschlechtsspezifischer Ungleichheit in der Gig-Economy

Der zunehmende Einsatz von KI und der Aufschwung der Plattformökonomie haben sich auf Männer und Frauen unterschiedlich ausgewirkt. Es besteht daher ein Handlungsbedarf, um die Ungleichheit zu beseitigen, so ein Bericht des EIGE.

EURACTIV.com
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Die von den Beschäftigten in den digitalen Plattformen oder in der Gig-Economy gesammelten Daten zeigen, dass einige der als Hauptvorteile dieser Arbeit angepriesenen Punkte, wie die Flexibilität, für Frauen oft nachteilig sind. [Shutterstock / Artem Varnitsin]

Der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und der Aufschwung der Plattformökonomie haben sich auf Männer und Frauen unterschiedlich ausgewirkt. Es besteht daher Handlungsbedarf, um die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu beseitigen, so ein Bericht des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE).

Die KI-Systeme, die diese Rollen häufig prägen, haben ähnliche geschlechtsspezifische Auswirkungen. Ohne Änderungen an der Art und Weise, wie die Systeme entwickelt und eingesetzt werden, so die Schlussfolgerung des Berichts, könnte sich die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auf dem digitalen Arbeitsmarkt und darüber hinaus noch verschärfen.

Auf EU-Ebene gibt es eine Reihe von Gesetzesinitiativen, die sich sowohl mit den Bedingungen von Plattformarbeitern als auch mit den Risiken von KI befassen.

Der Bericht betont jedoch, dass die Dominanz von Männern bei der Erforschung, Entwicklung von solchen Systemen der Plattformökonomie, Frauen strukturell benachteiligen. Denn dadurch werden Stereotype reproduziert und Diskriminierungen in der Technologie Tür und Angel geöffnet, so der Bericht.

„Künstliche Intelligenz und Gig-Work sind Teil der Wirtschaft der Zukunft, und wir müssen sicherstellen, dass sie so gestaltet und reguliert werden, dass die Menschen geschützt werden“, sagte Carlien Scheele, Direktorin des EIGE.

„KI wird auch immer mehr zu einem Teil unseres täglichen Lebens, daher ist es gut, dass die EU Rechtsvorschriften für beide Bereiche ausarbeitet. Dies ist unsere Chance, die uralten Stereotypen, den Sexismus und die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt zu beseitigen und eine moderne Realität zu schaffen, die den Bedürfnissen von Frauen und Männern gleichermaßen gerecht wird“, fügte sie hinzu.

Während Männer immer noch die Mehrheit der Beschäftigten auf den Plattformen ausmachen, ist der Anteil der Frauen, die in der digitalen Wirtschaft tätig sind, in den letzten Jahren gestiegen – ein Trend, der vor der Corona-Pandemie einsetzte, sich aber während dieser beschleunigte.

Von den 5.000 vom EIGE befragten Arbeitnehmern in der Gig-Economy gab ein größerer Anteil von Frauen an, dass sie sich für diese Arbeit entschieden haben, weil sie sich mit Haushalts- und Betreuungsaufgaben vereinbaren lässt, die Frauen im Durchschnitt mehr Stunden pro Woche außerhalb ihrer Arbeit in der Gig Economy verbringen.

Algorithmisches Management von Arbeitskräften, zum Beispiel durch die Anwendung von Systemen, die Arbeitnehmer für Zeiten „geringer Produktivität“ bestrafen, könnte diejenigen am härtesten treffen, die neben ihrer Arbeit in der Gig-Economy Kinder betreuen. Zu diesen Technologien gehören zum Beispiel Produktivitätskontrollen und Instrumente zur Kontrolle von Arbeitszeiten.

„Die geschlechtsspezifischen Risiken, die mit dem algorithmischen Management der Arbeitskräfte verbunden sind (zum Beispiel algorithmische Voreingenommenheit, Diskriminierung), bleiben weitgehend unbehandelt“, heißt es in dem Bericht.

Solche Risiken sind in allen Phasen des Beschäftigungsprozesses vorhanden. Sie reichen von automatisierten Technologien für die Einstellung von Mitarbeitern bis hin zu Systemen, die das Erreichen von allgemeinen Zielvorgaben verfolgen, die für Beförderungen oder Gehälter ausschlaggebend sein können, so der Bericht weiter.

Der Ansatz zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten und Diskriminierung in der Gig-Economy erfordert dem Bericht zufolge Maßnahmen auf mehreren Ebenen. Dazu gehört nicht nur die Stärkung der bestehenden regulatorischen Schutzmaßnahmen, sondern auch eine stärkere Repräsentation innerhalb der Belegschaft, die die Technologien entwickelt und den digitalen Arbeitsmarkt gestalten wird.

16 % der KI-Fachleute in der EU und im Vereinigten Königreich sind Frauen, ein Prozentsatz, der mit der Karriereentwicklung abnimmt. Der Beitrag von Frauen und Menschen aus unterprivilegierten Verhältnissen in der „unsichtbaren KI-Belegschaft“ – oft die schlecht bezahlten und ausgelagerten Aufgaben, die für die Gig-Economy von zentraler Bedeutung sind – wird weiterhin „im Verhältnis zu dem Wissen, das sie zu schaffen helfen, zutiefst unterbewertet.“

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Beschäftigte in der Gig-Economy im Allgemeinen nur unzureichend vor Diskriminierung und ungerechter Behandlung geschützt sind, was oft daran liegt, dass sie nicht als vollwertige Arbeitnehmer, sondern als Selbstständige eingestuft werden.

Im Dezember legte die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf digitalen Arbeitsplattformen vor. Dieser sieht unter anderem die Einführung eines Klassifizierungssystems vor, um sicherzustellen, dass die Arbeitnehmer den Beschäftigungsstatus und den damit verbundenen Sozialschutz erhalten, der der Realität der von ihnen ausgeführten Arbeit entspricht.

Die Kommission hat auch einen KI-Gesetzentwurf vorgelegt: eine horizontale Gesetzgebung, die einen risikobasierten Ansatz zur Regulierung der Entwicklung und des Einsatzes der Technologie verfolgt, indem sie Schlüsselsektoren identifiziert, in denen ihre Anwendung besondere Gefahren bergen könnte.

Der Vorschlag hat jedoch einige kritische Stimmen laut werden lassen. Diese fordern eine stärkere Priorisierung der Grundrechte und die Einführung von Verpflichtungen für diejenigen, die KI-Systeme einsetzen, um ihre eigene Rechenschaftspflicht gegenüber den von ihnen Betroffenen zu gewährleisten.

„KI-Systeme und Plattform-Arbeitsmodelle haben die Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt verschärft, unter anderem in Bezug auf geschlechtsspezifische Diskriminierung, aber auch durch die systematische Überwachung, Beobachtung und Entscheidungsfindung, die sich auf Menschen aus der Arbeiterklasse und rassifizierte Menschen auswirken“, erklärte Sarah Chander, Senior Policy Advisor bei European Digital Rights (EDRi) gegenüber EURACTIV.

„Die Lösungen hierfür müssen über die Anforderungen an die Vielfalt und die „Entzerrung“ von Datensätzen hinausgehen. Vielmehr müssen Governance-Anforderungen für Unternehmen und Institutionen eingeführt werden, die riskante KI-Systeme einsetzen, und die Betroffenen müssen in die Lage versetzt werden, sich gegen Schäden zu wehren“, sagte sie.

„Bislang hat der KI-Gesetzentwurf der EU keinen Schwerpunkt auf Maßnahmen gelegt, die das mit der Nutzung von KI verbundene Machtungleichgewicht beseitigen“, schloss sie.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi und Nathalie Weatherald]