Blackouts im Winter: Französische Regierung in Alarmbereitschaft

Die Besorgnis über die Gefahr von Stromausfällen im Winter hält die französische Regierung in höchster Alarmbereitschaft. Präsident Emmanuel Macron und andere Minister:innen haben Kritiker:innen für ihre "ungeschickten" und "angstmachenden" Äußerungen scharf kritisiert und darauf bestanden, dass das Land "durchhalten wird."

/ EURACTIV.fr
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Laut einem Schreiben von Premierministerin Elisabeth Borne an alle zuständigen Behörden, das EURACTIV Frankreich vorliegt, wurden die staatlichen Stellen aufgefordert, lokale Notfallpläne zu erstellen. [[Shutterstock/Viacheslav Lopatin]]

Die Besorgnis über die Gefahr von Stromausfällen im Winter hat die französische Regierung in höchster Alarmbereitschaft versetzt. Aus Paris kommen derweil Durchhalteparolen.

Die Regierung hat in den letzten Wochen ihre Kommunikationspläne wegen der Gefahr plötzlicher Stromausfälle in diesem Winter, sollte die Nachfrage zu hoch sein, verschärft. EURACTIV Frankreich hat bereits im Juli über dieses Thema berichtet.

Laut einem Schreiben von Premierministerin Elisabeth Borne an alle zuständigen Behörden, das EURACTIV Frankreich vorliegt, wurden die staatlichen Stellen aufgefordert, lokale Notfallpläne zu erstellen.

Stromausfälle werden auf bestimmte Orte beschränkt sein und nicht länger als zwei Stunden dauern, mit einer Vorankündigung von drei Tagen, heißt es in dem Brief.

Gefährdete Gruppen und Einrichtungen mit hohem Risiko, wie Krankenhäuser und Notaufnahmen, dürften nicht betroffen sein, obwohl Schulen möglicherweise stundenweise geschlossen werden müssen, wie Bildungsminister Pap Ndiaye am Dienstag bestätigte.

Energiepolitische Verantwortungslosigkeit

Doch der Widerstand gegen die Art und Weise, wie die Regierung die Energieverteilung über den Winter regeln will, ist stärker geworden.

„Die Bürger:innen zahlen den Preis für die Unvorbereitetheit der Regierung“, sagte der kommunistische Abgeordnete Sébastien Jumel am Dienstag in der Nationalversammlung und warf der Regierung „energiepolitische Verantwortungslosigkeit“ vor.

Am Rande des Gipfeltreffens zwischen der EU und den westlichen Balkanstaaten am Dienstag versuchte Macron ebenfalls, die Empörung zu beschwichtigen, indem er die Behörden und die politischen Verantwortlichen aufforderte, „nicht durch Angst zu regieren.“

Er forderte die Regierung und die Energieversorger auf, „ihre Arbeit zu machen“ und sagte, er vertraue darauf, dass die Bürger:innen Maßnahmen ergreifen, um ihren persönlichen Energieverbrauch zu senken.

„Wir haben ein großartiges Energiemodell. Wir werden diesen Winter trotz des Krieges überstehen“, sagte er.

Borne richtete sich auch an Kritiker:innen und wies Vorwürfe der Unvorbereitetheit zurück.

Sie sagte, dass es in den Krankenhäusern nicht zu Stromengpässen kommen werde, und tadelte die Neinsager:innen für ihre „ungeschickten Bemerkungen.“ Sie stellte auch klar, dass die Regierung „alle Szenarien, wie unwahrscheinlich sie auch sein mögen“, prüfen werde, um Kürzungen bestmöglich zu verhindern.

„Die Regierung macht die Sache größer, als sie in Wirklichkeit ist, um den ganzen Ruhm zu ernten, wenn das Land ohne Stromausfälle durch den Winter kommt“, erklärte ein einflussreicher Oppositionsabgeordneter gegenüber EURACTIV.

Borne hatte sich zu Beginn des Jahres zum Ziel gesetzt, den Energieverbrauch von Unternehmen und Privatpersonen um zehn Prozent zu senken.

Ihre Energieministerin, Agnès Pannier-Runacher, sagte am Dienstag, dass der Energieverbrauch bereits um sieben Prozent gesunken sei, selbst unter Berücksichtigung der kühleren Temperaturen.

Sie betonte auch, dass Frankreich seine Gasspeicher schnell bis zum Maximum aufgefüllt habe und sich von Beginn der Krise an für europäische Solidarität – insbesondere mit Deutschland – eingesetzt habe.

Welche Länder sind gefährdet?

Stromausfälle in diesem Winter sind das Worst-Case-Szenario für die EU-Politiker:innen, die seit Beginn der Energiekrise auf obligatorischen Energieeinsparungen sowohl für die Industrie als auch für die Haushalte bestanden haben.

Laut einem Bericht, der diese Woche von ENTSO-E, dem europäischen Verband für die Zusammenarbeit der Stromübertragungsnetzbetreiber, veröffentlicht wurde, drohen einigen EU-Ländern in diesem Winter Stromversorgungsprobleme.

„Der Bericht zeigt ein höheres Risiko im Vergleich zu früheren Wintern. Am stärksten sind die Systeme in Irland, Frankreich, Südschweden, Finnland, Malta und Zypern belastet“, heißt es in dem Bericht.

Laut ENTSO-E ist das Elektrizitätssystem zwar nach wie vor in hohem Maße vom Gas abhängig, aber günstige Wetterbedingungen könnten diese Abhängigkeit vom Stromsystem verringern.

„Für den Winter wurden einige zusätzliche Risiken identifiziert, die sich verwirklichen und erhebliche Auswirkungen auf die Angemessenheit des Stromnetzes haben könnten, insbesondere wenn sie zeitlich zusammenfallen. Die Unsicherheiten in Bezug auf die Verfügbarkeit von Kernenergie in Frankreich, Schweden und Finnland sowie die Kohleversorgung in Deutschland und Polen müssen genau beobachtet werden.“