Brandbrief in Bulgarien: Ukrainische Bürgermeister wollen Strafe für kremlinfreundlichen Politiker
In einem am Freitag veröffentlichten Brief schrieben ukrainische Bürgermeister von Gemeinden mit einem erhöhten bulgarischen Bevölkerungsanteil dass das bulgarische Parlament Kostadin Kostadinow, den Vorsitzenden der bulgarischen prorussischen Partei Vazrazhdane, bestrafen sollte.
In einem am Freitag veröffentlichten Brief schrieben ukrainische Bürgermeister mit einem hohen Anteil von Bulgaren, dass das Parlament den Vorsitzenden der bulgarischen prorussischen Partei Vazrazhdane, bestrafen sollte.
Damit reagierten sie auf Kostadinows Drohung, alle ukrainischen Flüchtlinge aus Bulgarien abzuschieben, sollte er an die Macht kommen.
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat Bulgarien viele Ukrainer aufgenommen, von denen inzwischen etwa 50.000 dauerhaft in Bulgarien leben und arbeiten. In der Ukraine leben die Bulgaren vor allem im Süden, insbesondere in Bolhrad in der Oblast Odessa, und bilden dort die fünftgrößte Minderheit.
In dem Schreiben weisen die ukrainischen Bulgaren die Behauptung Kostadinows zurück, sie hätten die Autonomie eines Teils der Region Odessa gefordert.
Ein solches Verhalten diene „direkt den imperialen Bestrebungen Russlands, das das Thema Autonomie nutzt, um seinen Einfluss geltend zu machen und territoriale Ansprüche durchzusetzen“, heißt es weiter.
Zu Beginn des Krieges verbot die Ukraine Kostadinow, ukrainisches Hoheitsgebiet zu betreten, da die bulgarischen Dienste ihn für einen russischen Spion hielten.
Die Äußerungen des Parteichefs über die ans Schwarze Meer grenzende Region Südbessarabien sorgten ebenfalls für Aufruhr.
Laut Kostadinow handle es sich dabei um „altes bulgarisches Land mit alten bulgarischen Städten, die vorübergehend unter ukrainischer Verwaltung stehen“ und das seiner Meinung nach für die Bulgaren autonom gemacht werden sollte.
Sein Verhalten sei „eine grobe Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Ukraine, eine Unterstützung des Separatismus und der russischen Militäraggression gegen die Ukraine“, fügten sie hinzu.
„Wir erinnern Sie daran, dass die ethnischen Bulgaren erst nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 alle rechtlichen und faktischen Möglichkeiten erhalten haben, ihre Identität zu bewahren, ihre Sprache und Kultur zu studieren und zu entwickeln“, heißt es in dem Schreiben.
„Kinder ethnisch bulgarischer Herkunft können die bulgarische Sprache als Muttersprache erlernen, selbst unter den Bedingungen des Kriegsrechts, nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine, unter den Bedingungen des ständigen russischen Raketenbeschusses und des bewaffneten Terrors“, heißt es weiter.
In ihrem Schreiben bezeichnen die bessarabischen Bulgaren den ukrainischen Teil Bessarabiens – den Teil der Region Odessa in der Nähe von Rumänien und Moldawien – als eine multikulturelle Region.
Sie betonen, dass die separatistischen Äußerungen eines Vertreters der bulgarischen Behörden nicht nur die Bulgaren in der Ukraine beleidigen, sondern auch die Gagausen, Moldauer, Lipowaner, Albaner, Roma, Deutschen, Armenier und andere Völker, die seit mehr als 200 Jahren friedlich in diesem Gebiet zusammenleben.
„Wir fordern das bulgarische Parlament auf, den Vorsitzenden der Vazrazhdane-Partei für seine Versuche zu verurteilen, sich in die inneren Angelegenheiten der Ukraine einzumischen und die ukrainischen ethnischen Bulgaren als Werkzeug zu benutzen, um seine schmutzigen politischen Interessen zu verschleiern“, heißt es in dem Brief weiter.
Der Widerstand gegen Russland hatte zuletzt für große Einigkeit in der Region geführt.
In dem Brief heißt es, dass „die ethnischen Bulgaren der Ukraine ihr Land und ihre Heimat gegen den Aggressor verteidigen, weil die russische Besatzung allen Völkern, außer den Russen, Unrecht und Unterdrückung bringt.“