Brenner-Basistunnel: Meilenstein bei Europas Vorbereitung auf Krisen und Konflikte

Sobald fertiggestellt, zählt der Brenner-Basistunnel zu den längsten Eisenbahntunneln der Welt: Er verbindet Innsbruck in Österreich mit Franzensfeste in Italien und verkürzt die Fahrzeit auf der Schiene um rund 60 Prozent – auf nur noch eine halbe Stunde.

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Die Alpen trennten einst europäische Feinde. Doch aus einstigen Gegnern sind Partner geworden – und die Berge stellen heute vor allem ein Hindernis für militärische Mobilität dar. Genau dieses Hindernis soll der Brenner-Basistunnel überwinden. Ein zentrales Etappenziel des Projekts wird heute gefeiert.

„Der Brenner-Basistunnel ist ein großer Schritt für Europas Konnektivität und Resilienz. Mit mehr Kapazität und Geschwindigkeit auf der Schiene, durch die Angleichung grenzüberschreitender Standards und die Verlagerung von Verkehr von der Straße auf die Schiene wird er den zivilen wie militärischen Transport quer über unseren Kontinent schneller und effizienter machen“, erklärte EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas gegenüber Euractiv in einer schriftlichen Stellungnahme.

Am Donnerstag meldet das Projekt den Durchschlag des Erkundungsstollens – und damit die durchgehende Verbindung zwischen Österreich und Italien unter den Alpen. Bisher sind rund 87 Prozent der Arbeiten geschafft, mehr als 200 der insgesamt 230 Kilometer wurden bereits ausgebrochen, bestätigte die Bau-Arge.

Als Teil des skandinavisch-mediterranen TEN-T-Korridors wird der Tunnel die bestehende Bahnlinie am überlasteten Brenner ersetzen.

Die Querung der Alpen war lange eine Herausforderung – und ein Streitpunkt zwischen Österreich und Italien, da Wien den Straßengüterverkehr auf einer der wichtigsten Handelsrouten Europas beschränkt.

Sobald fertiggestellt, zählt der Brenner-Basistunnel zu den längsten Eisenbahntunneln der Welt: Er verbindet Innsbruck in Österreich mit Franzensfeste in Italien und verkürzt die Fahrzeit auf der Schiene um rund 60 Prozent – auf nur noch eine halbe Stunde.

Militärische Dimension

Seit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 ist die schnelle Verlegung von militärischem Gerät quer durch Europa von wachsender Bedeutung.

Der Tunnel, dessen Fertigstellung für 2032 vorgesehen ist, wird mit seinen beiden Hauptröhren eine nahezu ebene Trasse bis zu 1.400 Meter unter den Alpen schaffen. Die bestehende Strecke weist dagegen Steigungen von bis zu 26 Prozent auf, was drei Lokomotiven von österreichischer und zwei von italienischer Seite erfordert – und den Schienentransport gegenüber der ohnehin überlasteten Straße unattraktiver macht.

Die schnellere, elektrifizierte und standardisierte Bahn ermöglicht künftig längere und schwerere Züge – ein klarer Vorteil für die Militärlogistik im Krisenfall.

„Für Österreich bedeutet er vor allem eines: raschere Verlegung von Kräften und Gerät im Rahmen der Landesverteidigung sowie im Falle von Katastrophen- und Hilfseinsätzen im In- und Ausland,“ erklärte das Verteidigungsministerium in Wien gegenüber Euractiv.

„Er stärkt somit die nationale Einsatzfähigkeit und leistet gleichzeitig einen Beitrag zur europäischen Resilienz.“

Die Projektkosten werden auf rund 10,5 Milliarden Euro geschätzt, getragen zu gleichen Teilen von Österreich und Italien; die EU übernimmt die Hälfte des Gesamtvolumens.

(aw, jl)