Bulgariens Präsident nimmt an verbotenem pro-russischen Marsch teil

Der bulgarische Präsident Rumen Radew nahm am Donnerstag (9. Mai) persönlich an einem pro-russischen Marsch zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Sofia teil. Die Stadtverwaltung hatte diesen aus Gründen der nationalen Sicherheit eigentlich verboten.

EURACTIV.bg
Radev Immortal regiment
Der von Russland initiierte Marsch des „Unsterblichen Regiments“ fand in der bulgarischen Hauptstadt statt. Dabei hatte die Stadtverwaltung von Sofia die Genehmigung verweigert, unter anderem auf der Grundlage von Informationen der Staatlichen Agentur für Nationale Sicherheit, die der Spionageabwehr dient. [Bulgaria on Air]

Der bulgarische Präsident Rumen Radew nahm am Donnerstag (9. Mai) persönlich an einem pro-russischen Marsch zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Sofia teil. Die Stadtverwaltung hatte diesen aus Gründen der nationalen Sicherheit eigentlich verboten.

Radew, der sich als zunehmend wichtiger Akteur der Parteipolitik in Bulgarien herauskristallisiert, hat sich gegen eine militärische Unterstützung der Ukraine durch Bulgarien ausgesprochen.

Er schloss sich Vizepräsidentin Ilijana Jotowa an, um den Teilnehmern des von Russland initiierten Marsches des sogenannten „Unsterblichen Regiments“ zu gratulieren. An dem Marsch nahm auch die russische Botschafterin in Sofia, Eleonora Mitrofanova, teil.

Mehr als 200 Menschen nahmen an dem Marsch teil, der an den Sieg über Nazi-Deutschland erinnerte und bei dem Slogans zur Unterstützung Russlands skandiert wurden. 

Dabei hatte die Stadtverwaltung von Sofia die Genehmigung verweigert, unter anderem auf der Grundlage von Informationen der Staatlichen Agentur für Nationale Sicherheit, die der Spionageabwehr dient. Aufgrund des Verbots liefen die Teilnehmer auf dem Bürgersteig statt auf der Straße. 

„Heute ist ein Tag des Gedenkens an die wenigen verbliebenen bulgarischen Veteranen, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben, an die Tausenden von Bulgaren, die Teil dieses Krieges waren, an die Tausenden von Bulgaren, die ihr Leben für den Sieg über den Nationalsozialismus gegeben haben“, sagte Radew nach dem Marsch vor Journalisten.

Dank ihres Opfers sei der Weg zum heutigen friedlichen und geeinten Europa geebnet worden.

Während der Zeremonie legte Radew anlässlich des 79. Jahrestages des Sieges über den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg einen Kranz am Denkmal des Unbekannten Soldaten nieder.

Der Marsch führte weiter zu einem Garten im Zentrum Sofias, wo das Denkmal für die sowjetische Besatzungsarmee der bulgarischen Hauptstadt bis zu seinem Abriss Ende 2023 stand.

Einige prorussische Kandidaten nutzen diesen auch für ihren Wahlkampf bei den bevorstehenden nationalen Neu- und Europawahlen.

Die Kandidaten der pro-russischen Partei Solidarna Bulgarien, Maya Manolova, Vanya Grigorova und Georgi Kadiev, standen vor den Zäunen, hinter denen das Denkmal der sowjetischen Armee gestanden hatte.

„Es wird hier wieder ein Denkmal der sowjetischen Armee geben, und alle, die versucht haben, es zu entweihen, zu zerschneiden oder zu zerstören, werden zur Verantwortung gezogen werden“, sagte Manolova vor dem Zaun.

„Wir werden sie mit allen legalen Mitteln dazu zwingen, es wieder aufzubauen, es wieder auf den Sockel zu stellen, von dem sie es illegal und gegen den Willen des bulgarischen Volkes entfernt haben, und wofür sie staatliche Gelder ausgeben haben.“

Anschließend ritzten die drei mit roter Sprühfarbe auf den Zaun: „Hier wird es wieder ein Denkmal geben.“

Radev und Jotowa nahmen später an der Zeremonie zum Hissen der EU-Flagge vor dem Präsidentenpalast anlässlich des Europatages teil. 

Selbst in Russland fand der Marsch des „Unsterblichen Regiments“ 2024 aus Sicherheitsgründen nicht statt und wurde durch andere Veranstaltungen ersetzt.

[Bearbeitet von Nick Alipour]