Comeback des Exportweltmeisters?

Deutschland wird laut einer Studie nach der Weltwirtschaftskrise wieder deutlich vom Welthandel profitieren. BGA warnt vor Kreditklemme und Protektionismus.

Beim Thema Export sind Norbert Walter (l.) und Anton F. Börner (r.) eng beinander. Sie setzen auf die Globalisierung. Foto: Robles
Beim Thema Export sind Norbert Walter (l.) und Anton F. Börner (r.) eng beinander. Sie setzen auf die Globalisierung. Foto: Robles

Deutschland wird laut einer Studie nach der Weltwirtschaftskrise wieder deutlich vom Welthandel profitieren. BGA warnt vor Kreditklemme und Protektionismus.

 „Infolge der globalen Wirtschaftskrise hat sich die Exportturbine im Jahr 2009 zwar umgekehrt, man kann jedoch mit einer Stabilisierung der Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr 2009 und mit einer allmählichen Erholung 2010 rechnen“, sagte Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, am 25.Juni 2009 in Berlin.  

Besonders die deutsche Exportwirtschaft werde vom kommenden Aufschwung profitieren, kommentierte Walter das Ergebnis der Studie "Wohlstand durch Handel" , erstellt von der Deutschen Bank Research und dem Bundesverband Großhhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA).

Nach Walters Prognose wird das weltweite BIP 2010 wieder um real wieder um 1,5 Prozent zulegen. Wie in der Vergangenheit werde der Außenhandel dann wieder zum Motor der deutschen Wirtschaft. Fast die Hälfte des realen Wirtschaftswachstums der vergangenen fünf Jahre sei aus dem Export resultiert.

Jüngst hatte der BGA einen Rekordeinbruch der deutschen Exporte vermeldet (EURACTIV.de vom 9. Juni 2009)

Börner fordert Bad Banks 

Auch BGA-Präsident Anton F. Börner nennt die Perspektiven des Groß- und Außenhandels trotz der akuten Krise „hervorragend.“ Diese Entwicklung sei aber kein Selbstläufer: „Der Schlüssel zur Überwindung der Krise liegt vor allem in der Sicherstellung der Finanzierung der Unternehmen sowie in der Bekämpfung eines weltweit zunehmenden Protektionismus“, so Börner. Er fordert eine Entlastung der Banken von giftigen Wertpapieren. Auch müsse  im Steuerrecht die mit der Unternehmenssteuerreform 2008 eingeführte Substanzbesteuerung rückgängig gemacht werden.

Die Studie kommt außerdem zu dem Schluss, dass sich im Gravitationsfeld der Globalisierung neue Pole ergeben werden. Bis jetzt bestimmt Europa mit über 40 Prozent des Welthandels das Feld, gefolgt von Asien mit 27, 6 Prozent und den USA mit 13 Prozent. Doch dieses System werde sich durch erfolgreiche Aufholprozesse der „Emerging Markets“ – China, Indien, Russland und Brasilien – zunehmend verändern.

Energiekrise und Klimawandel: Risiko und Chance

Der Außenhandel sei von den gegenwärtig wieder ansteigenden Energiepreisen betroffen. „Steigende Transportkosten bremsen die Globalisierung“, so Walter. Es sei ein Rückgang im „exzessives Outsourcing“ zu erwarten, weil Standortentscheidungen besser überdacht werden müssen. Dies berge aber auch Chancen: „ Die deutsche Industrie und der Mittelstand sind international als Problemlöser für energieeffiziente Prozesse und Produkte bekannt“, so Walter. Jüngst hatte eine Ernst & Young-Analyse ergeben, dass die Attraktivität Deutschlands als Wirtschaftsstandort steigt.

Klimawandel: Exportiert Deutschland bald vermehrt Wein ?

Walter sieht auch Chancen im Klimawandel. Er verändere das Umfeld für Branchen wie die Landwirtschaft und führe zu neuen Handelsströmen. „Stärken und Schwächen der Branchen verändern sich. Wer Sonnenblumen in Spanien anbaut, hat dann vielleicht Pech gehabt, dafür könnten in Zukunft mehr Spitzenweine aus deutschen Landen kommen.“ Länder der gemäßigten Klimazone könnten durchaus von der Erwärmung profitieren, sagte Walter.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass wichtige Treiber der Globalisierung nach der Krise wieder die Oberhand gewinnen werden. Börner zufolge wird Deutschland vom absehbaren globalen Aufschwung überproportional profitieren. Deutschland sei im internationalen Wettbewerb dank attraktiver Produkte und hoher Problemlösungskompetenz gut aufgestellt. Walter appellierte an das „Selbstbewusstsein Deutschlands“.  Allerdings dürfe man die zu erwartenden Gewinne nicht „verjubeln.“  Die Diagnose gelte nur „für jetzt“. „Ab 2015 wird Deutschland eine Rentnergesellschaft sein, man muss jetzt schon vorsorgen, um die dann fälligen erhöhten Importe zu bezahlen.“

Isabel Robles