Der Domain-Besetzer

Ein griechischer Domain-Besetzer hält die EU in Atem. Belgien will ihm eine Internetseite wieder abjagen - ohne Lösegeld zu zahlen.

Das Internet ist für viele der Hauptzugang zur EU-Politik. Nicht immer landet der Nutzer auf einer seriösen Seite. Foto: red.
Das Internet ist für viele der Hauptzugang zur EU-Politik. Nicht immer landet der Nutzer auf einer seriösen Seite. Foto: red.

Ein griechischer Domain-Besetzer hält die EU in Atem. Belgien will ihm eine Internetseite wieder abjagen – ohne Lösegeld zu zahlen.

Die belgische Regierung hat im Fall der "Domain-Besetzung" einen Etappensieg erreicht. Hintergrund ist der Streit um die Internetadresse "eu2010.be", die Belgien für seine EU-Ratspräsidentschaft nutzen will.

Ein Privatmann hatte sich die Domain gesichert, und bei Ebay zum Verkauf angeboten (EURACTIV vom 7.Mai 2010). Nun setzte Belgien gerichtlich die Sperrung des Angebots durch. Kommende Woche werde man vor Gericht das letzte Mal um den Besitz der Domain kämpfen, sagte Olivier Alsteens, Kommunikationschef des belgischen Premierministers gegenüber EURACTIV.de. "Wir hoffen, dass wir Recht bekommen".

Inzwischen ist bekannt, wer hinter der Domain-Besetzung (Engl.: Cybersquatting) steht. Der Anbieter ist ein Grieche, der den Domainnamen schon vor zehn Jahren registrieren ließ, und regelmäßig Aufregung in EU-Kreisen auslöst. "Die belgische Regierung ist nicht die einzige, die Probleme mit ihm gehabt hat", so Alsteens. "Er hat auf die gleiche Art schon zahlreiche Internetseiten den ’naturgemäßen‘ Besitzern vorenthalten." Der Domain-Besetzer habe für die Freigabe der Adressen "riesige" Geldbeträge gefordert.

Belgien hat den Griechen nun erstmals angezeigt. Eine einvernehmliche Lösung sei an dessen ‚Lösegeldforderung‘ gescheitert. 

Sorge bereiten der belgischen Regierung die Inhalte auf der gegenwärtigen Seite "eu2010.be". Die Seite unterstütze faschistische und rechtsradikale Positionen, so Alsteens. Tatsächlich erscheint auf der Seite ein Hakenkreuz. "Den Internetnutzern wird ein sehr schlechtes Image Europas vermittelt".

Welches Image "eu2010.be" in Zukunft transportiert, wird ein belgisches Gericht entscheiden. Belgiens Schicksal teilen indes zahlreiche Großkonzerne auf der ganzen Welt. Profi-Besetzer sichern sich immer wieder begehrte Domains. Firmen wie Microsoft, Coca Cola, Google und Kodak zahlen "Lösegeld" oder ziehen vor Gericht. 

Elisa Oddone