Deutsche Start-up-Strategie setzt auf Tech-Unternehmen

Die vom grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck vorgelegte Start-up-Strategie ist ambitioniert und insbesondere auf den Tech-Bereich ausgerichtet. Versprechen gab es aber schon zuvor, nun müssen die Koalitionspartner überzeugt werden.

Euractiv.de
„Mit dem Entwurf der Start-up-Strategie legen wir Lösungsvorschläge für die großen Baustellen im Start-up-Bereich vor und wollen Deutschland zu einem Treiber eines europäischen Start-up-Standorts machen“, so Anna Christmann.
„Mit dem Entwurf der Start-up-Strategie legen wir Lösungsvorschläge für die großen Baustellen im Start-up-Bereich vor und wollen Deutschland zu einem Treiber eines europäischen Start-up-Standorts machen“, so Anna Christmann. [HAYOUNG JEON/EPA]

Die vom grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck vorgelegte Start-up-Strategie ist ambitioniert und insbesondere auf den Tech-Bereich ausgerichtet. Versprechen gab es aber schon zuvor, nun müssen die Koalitionspartner überzeugt werden.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) stellte am Freitag (3. Juni) ihren Entwurf zur Start-up-Strategie vor. Ziel sei, dass das Kabinett die Start-up-Strategie im Sommer beschließt, um dann schnellstens mit der Umsetzung zu beginnen. 

„Mit dem Entwurf der Start-up-Strategie legen wir Lösungsvorschläge für die großen Baustellen im Start-up-Bereich vor und wollen Deutschland zu einem Treiber eines europäischen Start-up-Standorts machen“, so Anna Christmann, Start-up-Beauftragte des Wirtschaftsministeriums vor Journalisten. 

Die Strategie setzt es sich zum Ziel, Deutschland als Start-up Standort international voranzutreiben. Zu viel Bürokratie und zu wenig finanzielle Unterstützung wurden lange von Start-up Verbänden moniert. Zudem ist Deutschland mit einem Fachkräftemangel konfrontiert, der sich in den nächsten Jahren noch weiter zuspitzen könnte. Die Bundesregierung schätzt, dass sich Anzahl der im Start-up Sektor tätigen Personen bis 2030 auf über 970.000 verdoppeln könnte. 

Besonders die Mitarbeiterkapitalbeteiligung soll dabei helfen, die Lücke zu den europäischen Nachbarn zu schließen. Hier sind Verbesserungen im Einkommensteuerrecht wichtig: Künftig soll Liquidität besteuert werden, nicht bereits das “Dry Income”, also die reine Beteiligung am Unternehmen. 

Außerdem brauche es konkretere Maßnahmen und zeitliche Vorgaben. 

Jedoch betont der Digitalverband Bitkom, dass es auch schon in den vorigen Legislaturperioden Versprechungen an Gründer:innen gegeben habe. “Doch eingelöst wurden sie häufig nicht. Die jetzt vorgelegten ambitionierten Pläne dürfen nicht im politischen Klein-Klein zerrieben, sondern müssen vollumfänglich umgesetzt werden,” heißt es in einer Bitkom Presseaussendung (3. Juni). 

Vorgegangen sind dem Entwurf Konsultationen, in die 76 Stakeholder, beispielsweise von Verbänden, Start-ups und Hochschulen, ihre Stellungnahmen eingebracht haben. 

Die Pläne adressieren laut Alexander Rabe, Geschäftsführer des Digitalverbands eco, zwei wesentliche Faktoren, die für die Digitalbranche relevant sind: Mehr Frauen in IT-Berufen und mehr IT-Kompetenz in Deutschland durch verpflichtenden Informatikunterricht ab der Sekundarstufe 1. 

Es bleibt zu wünschen, dass diese zentralen Punkte auch mehrheitlich in der Bundesregierung Gehör finden und entsprechend Wege aufgezeigt werden, diese auf Länderebene zielgerichtet umzusetzen,” so Rabe gegenüber EURACTIV. 

Im Entwurf werden konkret zehn Handlungsfelder vorgesehen, zuallererst die verstärkte Finanzierung für Start-ups und die erleichterte Gewinnung von Talenten. Dafür soll auch die Einwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten vereinfacht und beschleunigt werden, insbesondere bei der Anerkennung von Abschlüssen sollen Hürden sinken.  

“Der angekündigte digitale Visaprozess kann hier entscheidend dazu beitragen, die besten Köpfe nach Deutschland zu holen,” so Bitkom. 

Außerdem sollen Gründungen einfacher und digitaler werden und Diversität unterstützt werden. Über die neue Förderlinie “EXIST Women” sollen demnach gezielt Gründerinnen angesprochen werden. 

Besonders für die Finanzierung im Tech-Bereich wurden wichtige Maßnahmen vorgestellt, wie etwa die European Tech Champions Initiative oder der Deep Tech and Climate Fonds, der für Hochtechnologie-Startups vorgesehen ist.

Mit dem Zukunftsfonds will die Bundesregierung innovative technologieorientierte Start-ups in ihrer Wachstumsphase unterstützen, wofür sie 10 Milliarden Euro neue öffentliche Mittel in einem Investitionszeitraum bis 2030 bereitstellen möchte. 

Als Teil der Strategie ist außerdem ein Monitoring vorgesehen. Die Ressorts sollen das BMWK regelmäßig darüber informieren, wie die Umsetzung der Maßnahmen ihrer Zuständigkeitsbereiche verläuft und außerdem sollen Stakeholder fortlaufend konsultiert werden. 

Um ein Erfolg zu werden, müsse die Strategie laut den Digitalverbänden Bitkom und eco zügig beschlossen werden. “Denn Digitalisierung wartet nicht auf Deutschland, sondern geschieht jeden Tag,” so ecos Geschäftsführer.

[Bearbeitet von Oliver Noyan]