Deutschland ist Europameister: 18 Millionen Tonnen Abfall

Über 100 Kilo Verpackungsmüll produziert der Durchschnittsdeutsche im Jahr. Aber Kunstoffe zunehmend auszutauschen und immer mehr zu recyceln ist auch kein Ausweg, meint das Umweltbundesamt.

Euractiv.de
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Bislang wird in Deutschland knapp die Hälfte aller Kunststoffe wiederverwertet. Bis 2022 soll die Quote deutlich angezogen werden. [Foto: Shutterstock]

Die Deutschen recyceln wie kein anderer – aber das liegt auch daran, dass nirgens in der EU so viel Verpackungsmüll anfällt. Schuld daran sind zum Beispiel einzeln verpackte Kekse.

103,5 kg Verpackungsmüll produziert eine Privatperson jährlich in Deutschland. Insgesamt seien in Deutschland knapp 18,2 Millionen Tonnen angefallen, ein Anstieg um 0,05 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Umweltbundesamt (UBA) gestern mitgeteilt hat. Das sei der „traurige Spitzenplatz in Europa“, wie UBA-Präsidentin Maria Krautzberger erklärte. Die Chefin des Umweltbundesamtes rief dazu auf, das Recycling und Mehrwegsysteme auszubauen. Sie hätten klare ökologische Vorteile gegenüber Einwegverpackungen.

Wie einfach sich eine Verpackung recyceln lässt, ist stark vom Material abhängig. Vergleichsweise hoch ist die Recyclingquote bisher bei Glas (85,5 %) und Papier (88,7 %), dagegen werden Kunststoffe (49,7 %) und Holz (26 %) weit weniger wiederverwertet.

In Deutschland tritt ab Anfang 2019 ein ambitioniertes Verpackungsgesetz in Kraft, das die schrittweise Erhöhung der Anteile recycelter Kunstoffe vorsieht. Bis 2022 sollen 63 Prozent aller Kunststoffes recycelt werden.

Auf EU-Ebene existiert seit 2015 ein Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft, der die maximale Wiederverwendung recycelbarer Materialien vorschreibt. Bis auf zehn Länder sind die meisten Mitgliedsstaaten allerdings noch weit von den selbst gesteckten Zielen entfernt. Von den 2,5 Milliarden Tonnen Siedlungsabfällen, die jährlich in der EU anfallen, werden im internationalen Durschnitt 44 Prozent aller Materialien recycelt. In acht Mitgliedsstaaten werden die Abfälle fast gar nicht verwertet, zwei Drittel landen direkt auf der Deponie.

Die Ursachen für den hohen Verpackungsverbrauch sind vielfältig, erklärte das Umweltbundesamt. Ein Beispiel seien zusätzliche Funktionen der Verpackungen wie Dosierhilfen oder aufwendige Verschlüsse. Sie benötigen mehr Material und machen das Recycling schwieriger. Zudem setze sich der Trend hin zu kleineren Portionen, zu Versandhandel und zum Außer-Haus-Verzehr fort.

„Wir müssen wir Müll vermeiden – auch schon in der Produktionsphase durch den Verzicht auf unnötige und unnötig materialintensive Verpackungen“, so Krautzberger. Daher ist es auch der falsche Weg, ausschließlich auf Recycling zu setzen, meint sie. „Kunststoff durch andere Verpackungsmaterialien zu ersetzen ist nicht immer ökologisch sinnvoll. Besser ist es, weniger Verpackungsmaterial zu nutzen und die Verpackungen weniger aufwändig zu gestalten.“