Deutschland trotz Krise attraktiv

Deutschland wird die Wirtschaftskrise besser meistern als seine europäischen Nachbarn, so das Urteil internationaler Manager. Frankreich wird stärkster Konkurrent um Investitionen.

Für ausländische Manager erscheint Deutschland attraktiv. © Hermann Eberhardt / PIXELIO
Für ausländische Manager erscheint Deutschland attraktiv. © Hermann Eberhardt / PIXELIO

Deutschland wird die Wirtschaftskrise besser meistern als seine europäischen Nachbarn, so das Urteil internationaler Manager. Frankreich wird stärkster Konkurrent um Investitionen.

Deutschland kann sich als führender Standort in Westeuropa behaupten und belegt im Ranking der weltweit attraktivsten Standorte wie im Vorjahr Platz sechs. Zu diesem Ergebnis kommt die jährliche Standort-Analyse des Beratungsunternehmens Ernst & Young, vorgestellt am 4. Juni in Berlin.  Zwischen Februar bis März 2009 wurden Manager von 809 internationalen Unternehmen befragt.

Für 43 Prozent der Befragten hat Deutschland die besten Voraussetzungen in Europa, um aus der Krise herauszukommen. Dass Großbritannien oder Frankreich die Krise am besten meistern, glauben dagegen nur elf bzw. neun Prozent. "Das ist für uns in dieser Klarheit sehr überraschend", sagte Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. Positiv ausgewirkt hat sich laut Englisch, dass die Regierung mit den Konjunkturprogrammen investive Maßnahmen ergriffen hat, anstatt den Konsum zu stimulieren. "In der Wahrnehmung der internationalen Investoren scheint das die richtige Antwort auf die Krise gewesen zu sein."

Wachse die Weltwirtschaft im kommenden Jahr, werde sich Deutschland wahrscheinlich schneller erholen als die europäischen Nachbarn, die zum Teil schwierige strukturelle Anpassungsprozesse vor sich hätten, sagte Englisch. 

"Die Stärken Deutschlands liegen seit Jahren nicht darin, in Bezug auf die Lohnkosten und Steuern besonders günstig zu sein", so Englisch. Wichtiger seien der Unternehmergeist, die Innovationskraft, die Infrastruktur und die Qualifikation der Mitarbeiter. 

Frankreich schärfster Konkurrent

Bei der Frage, mit welchem Standort Deutschland um Investitionen konkurriert, ergeben sich der Studie zufolge erhebliche Verschiebungen. Als wichtigster Wettbewerber wird Frankreich (22 Prozent) wahrgenommen, dass im Vorjahr nur für 12 Prozent als stärkster Wettbewerber galt. Die USA (10 Prozent, minus 11) und China (12 Prozent, minus 4) verlieren als Standortkonkurrenten deutlich an Bedeutung. Damit werde der Wettbewerb zunehmend "innereuropäisch", so Englisch. Ursache sei u. a. dass die Arbeitskosten als Standortfaktor zurzeit an Bedeutung verlören, während die Qualifikation der Beschäftigten und die Infrastruktur immer wichtiger werden.  

Deutschland profitiert, Osteuropa verliert

Die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland stiegen 2008 deutlich, um 28 Prozent. Speziell im Sektor der erneuerbaren Energien engagierten sich hierzulande ausländische Unternehmen. Die Zahl der neugeschaffenen Arbeitsplätze verdoppelte sich gegenüber 2007.

Europaweit kam es dagegen zum Abwärtstrend. Hier sank die Zahl der von ausländischen Investoren geschaffenen Arbeitsplätze um 16 Prozent. Speziell in Tschechien entstanden weniger neue Stellen (minus 63). Auch die Slovakei und Polen verzeichneten Rückgänge von 57 bzw. 16 Prozent.

Die Neigung der Manager, Geschäfte aus Deutschland ins Ausland zu verlagern, hat indes deutlich abgenommen. Nur noch jedes Zehnte der befragten Unternehmen plant entsprechende Schritte, 2007 war es noch jedes Fünfte.

Eine der Ursachen könnte sein, dass Lohnvorteile in Osteuropa an Attraktivität verloren haben.  „In so genannten Billig-Lohnländern, in denen man sein Heil gesucht hat, stellt man fest, dass dort auch nicht alles Gold ist, was glänzt“ , sagte Englisch und nannte das Beispiel der Arbeitseinstellung. "Aus Rumänien ziehen Unternehmen wieder weg, weil die Leute schon nach ein paar Monaten nicht mehr zur Arbeit kommen", so Englisch.

Insgesamt geben 31 Prozent der ausländischen Unternehmen an, in Deutschland investieren zu wollen, drei Prozent mehr als 2008.

(awr)