Deutschland und Polen sind Wachstumsmotoren der EU

Die EU-Kommission hat die Wachstumsprognose für Deutschland nach dem starken zweiten Quartal kräftig nach oben geschraubt. Die möglichen Auswirkungen des Konjunkturaufschwungs in Deutschland auf andere Mitgliedstaaten seien vielversprechend. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn weist jedoch darauf hin, dass der Aufschwung noch zaghaft ist.

EU-Kommissar Olli Rehn erklärt bei der Vorstellung der EU-Zwischenprognose in Brüssel, dass die europäische Wirtschaft „wieder erkennbar Fuß gefasst“ hat. Trotzdem müssten strukturelle Reformen so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden. Foto: dpa
EU-Kommissar Olli Rehn erklärt bei der Vorstellung der EU-Zwischenprognose in Brüssel, dass die europäische Wirtschaft "wieder erkennbar Fuß gefasst" hat. Trotzdem müssten strukturelle Reformen so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden. Foto: dpa

Die EU-Kommission hat die Wachstumsprognose für Deutschland nach dem starken zweiten Quartal kräftig nach oben geschraubt. Die möglichen Auswirkungen des Konjunkturaufschwungs in Deutschland auf andere Mitgliedstaaten seien vielversprechend. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn weist jedoch darauf hin, dass der Aufschwung noch zaghaft ist.

Die Wirtschaftsleistung werde sich 2010 um 3,4 Prozent erhöhen statt um 1,2 Prozent wie noch im Mai angenommen, erklärte die EU-Kommission am Montag (13. September) in Brüssel. Auch in Polen soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2010 um 3,4 Prozent steigen.

Deutschland und Polen sind damit die Wachstumsmotoren in der EU. Das Wachstum in den anderen großen EU-Staaten bleibt deutlich dahinter zurück. Spanien kann sich nach Einschätzung der EU-Behörde 2010 noch nicht aus der Rezession befreien.

EU-Wirtschaft hat wieder Fuß gefasst

Die 16 Staaten der Euro-Zone sollen ein Plus von 1,7 Prozent verzeichnen – ein ebenfalls etwa doppelt so starkes Wachstum wie im Frühjahr angenommen. Dies sei eine "Aufwärtskorrektur, die sich sehen lassen kann", erklärte EU-Kommissar Olli Rehn zur Vorlage der Zwischenprognose. Die europäische Wirtschaft habe wieder erkennbar Fuß gefasst, und die wachsende Inlandsnachfrage sei ein gutes Signal für den Arbeitsmarkt.

Insgesamt ist der Aufschwung nach der schweren Wirtschaftskrise nach Einschätzung Rehns aber noch zaghaft. Im zweiten Halbjahr werde die Weltwirtschaft an Fahrt verlieren. Das werde die Exporte dämpfen. "Ein erneuter Rückfall in die Rezession ist allerdings nicht zu befürchten", erklärte die EU-Behörde.

Trotz dieser konjunkturellen Verlangsamung wird für 2010 ein Wachstum des Welt-BIP (ohne EU) von rund 5 Prozent prognostiziert. Der Zuwachs läge daran, dass sich die Wirtschaftstätigkeit in der ersten Jahreshälfte stärker entwickele als erwartet.  Die Prognosen sagen wie auch im Frühjahr eine unausgewogene Konjunkturentwicklung voraus: robustes Wachstum in den Schwellenländern und eine weiterhin zögerliche Konjunktur in verschiedenen Industrieländern.

Spanien lässt Rezession noch nicht hinter sich

In Frankreich, Großbritannien, Italien und den Niederlanden kann sich die Wirtschaft nicht so dynamisch von der Rezession erholen wie in Deutschland oder Polen. Die Kommission erhöhte die Prognosen um einige Zehntel auf Jahresraten unter zwei Prozent. Spanien wird mit einem BIP-Rückgang um 0,3 Prozent die Rezession noch nicht hinter sich lassen.

EURACTIV / rtr / dto

Links / Dokumente

EU-Kommission: Interim forecast September 2010 (13. September 2010)

EU-Kommission: EU-Zwischenprognose: Anhaltender Konjunkturaufschwung in unsicherer Weltwirtschaft (13. September 2010)

EURACTIV.de: EU-Prognose: Es geht leicht aufwärts (14. September 2009)