"Die besten Investitionen in die Zukunft Europas"

Mehr lernen im Ausland: Die Kommission will die Zahl der Teilnehmer an den EU-Bildungsangeboten verdoppeln. Mit dem Programm "Erasmus für alle" sollen bis zu fünf Millionen Menschen einen Teil ihrer Bildung im Ausland absolvieren können.

„Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung sind die besten Investitionen in die Zukunft Europas“, sagte EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou. Foto: EC
"Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung sind die besten Investitionen in die Zukunft Europas", sagte EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou. Foto: EC

Mehr lernen im Ausland: Die Kommission will die Zahl der Teilnehmer an den EU-Bildungsangeboten verdoppeln. Mit dem Programm „Erasmus für alle“ sollen bis zu fünf Millionen Menschen einen Teil ihrer Bildung im Ausland absolvieren können.

Bei "Erasmus für alle" handelt es sich um neues Programm, das die EU-Kommission letzte Woche für die allgemeine und berufliche Bildung, den Jugend- und den Sportbereich vorgeschlagen hat. Mit den darin vorgesehenen Stipendien könnten bis zu 5 Millionen Menschen – fast doppelt so viele wie bisher – einen Teil ihres Bildungswegs im Ausland absolvieren, darunter fast 3 Millionen Lernende in der Hochschul- und Berufsbildung. Für Master-Studierende ist zudem ein neues Garantieinstrument für Studiendarlehen vorgesehen, das gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank-Gruppe eingerichtet werden soll. Das auf sieben Jahre angelegte Programm mit einem Gesamtbudget von 19 Milliarden Euro soll im Jahr 2014 anlaufen.

"Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung sind die besten Investitionen in die Zukunft Europas", sagte EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou. "Bildungsaufenthalte in anderen Ländern verbessern die Fertigkeiten der Bürger, tragen zu ihrer persönlichen Entwicklung bei und steigern ihre Anpassungs- und Beschäftigungsfähigkeit. Wir wollen dafür sorgen, dass mehr Menschen EU-Stipendien erhalten, um solche Möglichkeiten zu nutzen. Zugleich müssen wir mehr Mittel für qualitative Verbesserungen auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung bereitstellen, damit wir weltweit zur Spitzengruppe zählen und die Beschäftigung und das Wachstum steigern können."

Die Kommission ersetzt die bestehenden sieben Programme durch ein einziges, das die allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport unter einem Dach vereint. "Erasmus für alle" soll Einzelpersonen ebenso wie die Zusammenarbeit der Institutionen, Organisationen und Unternehmen fördern, aber auch die Modernisierung der Bildungssysteme in den Mitgliedsstaaten vorantreiben. Das Gesamtbudget für den Zeitraum von 2014 bis 2020 soll um 70 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro angehoben werden.

"Sämtliche Beteiligte sollen profitieren"

"Befürchtungen, dass die Neugestaltung der Programme zu großen Einschnitten bei der Finanzierung führen würde, hat Kommissarin Vassiliou eine Absage erteilt. Sämtliche Beteiligte des Bildungs-, Jugend-, Kultur- und Mediensektors sollen von einem Nettozuwachs in der Finanzierung profitieren. Bei der Wahl der Programmnamen ist es wie im wahren Leben: reine Geschmacksache. Aber in der Sache hat die Kommission recht: Auch in Zeiten der Krise muss weiter in Bildung und Kultur investiert werden, um Zukunftschancen auf dem Arbeitsmarkt zu sichern und um den sozialen und kulturellen Zusammenhalt über die Grenzen hinweg zu stärken", erklärte die EU-Abgeordnete Nadja Hirsch (FDP).  
 
Die EU-Abgeordnete Helga Trüpel (Grüne/EFA), Vizepräsidentin des Kulturausschusses, erklärte: "Ich stehe den Vorschlägen von Kommissarin Vassiliou, die bisherige Struktur der Programme aufzugeben und das ‚Jugend in Aktion‘-Programm mit den Bildungsprogrammen in einen ‚Topf‘ zu werfen, sehr kritisch gegenüber. Die Bereiche allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport sollen durch das Dachprogramm ‚Erasmus für alle‘ abgedeckt werden. Gerade das Programm Erasmus, das zu den größten Erfolgen der europäischen Hochschulbildungspolitik gehört, droht damit dominant zu werden und soziale Aspekte drohen hinter der Studentenförderung zu verschwinden. Die Gefahr ist, dass die anderen Bereiche nicht mehr identifizierbar sind und gerade informelles Lernen im Bereich von ‚Jugend in Bewegung‘ weiter degradiert wird durch die Markenbezeichnung ‚Erasmus für alle‘. Bisher sorgte das Programm Lebenslanges Lernen mit seinen vier Einzelprogrammen Comenius, Leonardo da Vinci, Erasmus und Grundtvig für eine klare Unterscheidung der einzelnen Bereiche Schul,- Berufs,- Hochschul- und Erwachsenenbildung. Die bestehende Klarheit droht mit der neuen Benennung und der Fusion verloren zu gehen."

EU-Parlament und Rat müssen nun über den endgültigen Finanzrahmen für 2014-2020 entscheiden, wovon auch die Finanzierung des Bildungs- und des Kulturprogramms abhängt.

Ein englischsprachiger Beitrag zum Thema erschien auf EURACTIV.com.

dto

Links

LinkDossier: Erasmus für Jungunternehmer

Dokumente

EU-Kommission: ERASMUS FÜR ALLE: Das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport

EU-Kommission: Erasmus für alle: EU-Fördermittel für 5 Millionen Bürgerinnen und Bürger (23. November 2011)

EU-Kommission: Erasmus für alle – Häufig gestellte Fragen (23. November 2011)

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