Blumen aus Afrika: Das undurchsichtige Geschäft mit der Rose zum Muttertag
Zum Muttertag boomt das Geschäft mit Schnittblumen - die immer öfter aus Kenia und anderen armen Ländern kommen. Doch die dortigen Arbeiter arbeiten oft unter widrigen Bedingungen.
Zum Muttertag boomt das Geschäft mit Schnittblumen – die immer öfter aus Kenia und anderen armen Ländern kommen. Doch die dortigen Arbeiter arbeiten oft unter widrigen Bedingungen.
Rose ist nicht gleich Rose: Wer glaubt, dass so gut wie alle Schnittblumen auf dem europäischen Markt aus den Niederlanden kommen, der irrt. Dass sich etliche, vor allem ostafrikanische Staaten inzwischen zu großen Exporteuren entwickelt haben, wissen aber noch immer wenige Verbraucher.
Zu den führenden Schnittblumen-Exporteuren zählt vor allem Kenia, wo Blumen neben Tee eine der bedeutendsten Exportgüter sind. Rund 100.000 Tonnen Blumen hat das Land im vergangenen Jahr ausgeführt – Tendenz steigend. Das gilt auch für andere Länder weitab von Europa: Simbabwe, Kolumbien, Ecuador – sie alle befüllen, verteilt über Großhändler aus Holland, die Blumenvasen auf dem ganzen Globus.
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Interaktive Web-Grafik gibt Einblick in undurchsichtiges Geschäft
Doch wo genau und unter welchen Bedingungen werden die Billig-Rosen im Supermarkt gezüchtet? Über welchen Weg gelangen sie letztlich in den europäischen Handel – und: Wer profitiert von dem boomenden Geschäft, wer geht leer aus?
Pünktlich zum Muttertag am 14. Mai beantwortet das nun online gegangene interaktive Web-Angebot „Fair Roses?“ diese Fragen auf spielerische Weise und blickt anhand verschiedener Szenarien hinter die Kulissen eines oft undurchsichtigen Geschäfts. Dabei kommt die kenianische Farmarbeiterin genauso zu Wort kommt wie der niederländische Handelsagent und der lokale Umweltaktivist. Entwickelt unter der Regie des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL), bietet die Infografik so detaillierte Einblicke in die Geflechte hinter dem globalen Handel mit Schnittblumen.
Deutschland hat den höchsten Schnittblumen-Verbrauch in Europa
Der Fokus Blumen kommt nicht von ungefähr. Denn für Schnittblumen geben die Deutschen pro Jahr mehr als drei Milliarden Euro aus. Deutschland hat damit den höchsten Schnittblumen-Verbrauch Europas und den vierthöchsten der Welt, doch nur rund 19 Prozent der in der Bundesrepublik verkauften Blumen werden auch dort produziert – mit positiven wie negativen Konsequenzen für die Menschen in den Exportländern.
Zwar schafft das Anpflanzen in etlichen armen Ländern Arbeitsplätze. Wie bei vielen anderen Exportgütern wie Mineralien, Kleidung, Kaffee oder Palmöl gilt aber auch hier: Viele Arbeiterinnen auf den Blumenfarmen werden weder fair entlohnt noch fair behandelt.
„Menschen bei ihren alltäglichen Kaufentscheidungen zu unterstützen, ohne die Komplexität globaler ökonomischer Dynamiken zu stark zu reduzieren“, das sei das Ziel des Formats, sagt der Bonner Wissenschaftler Geograph Andreas Gemählich, der das Konzept beigesteuert hat. Der Forscher untersucht eingehend, wie sich globale ökonomische Dynamiken und lokale Arbeitsbedingungen auf die Produktionsstätten der Schnittblumenindustrie am Naivasha-See in Kenia auswirken.
Etliche Mängel in der Produktion
Neben schlechten Arbeitsbedingungen und viel zu geringen Löhnen, schuften die Arbeiter auf den Farmen auch unter hohen gesundheitlichen Risiken durch den Pestizideinsatz.
In Kenia werden große Mengen Nitrat und Pestizide in das Wasser des Naivasha-Sees geleitet, an dem die meisten Blumenfarmen aufgebaut wurden. Wegen des enormen Wasserbedarfs der Blumenzucht sank außerdem der Wasserspiegel dramatisch.
Weil Umweltverbände wie etwa der WWF protestierten – aber auch, weil die Farmbetreiber von dem Wasser abhängig sind, ist die Lage inzwischen etwas besser. Beim Kauf, darauf verweisen auch Menschenrechtsverbände wie „terre des hommes“ immer wieder, sollte dennoch auf ein Fairtrade-Label geachtet werden. Nicht nur werden dann Pestizide sparsamer eingesetzt, auch den Farmrarbeiterinnen sichert das eine fairere Behandlung zu – von höheren Löhnen bis hin zu geregelten Arbeitsbedingungen. Ein zweiter Blick auf die Herkunft der Rosen für die geliebte Mama lohnt sich also.