Domino der Euro-Krise: S&P-Abstufung für Italien

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft. Die Troika lässt Griechenland auf die Auszahlung der nächsten Hilfstranche in Höhe von acht Milliarden Euro hoffen.

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi muss sich Korruptionsvorwürfen stellen. Auch das Land selbst hat an Vertrauen eingebüßt: Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Bonität Italiens zurückgestuft. Foto: dpa
Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi muss sich Korruptionsvorwürfen stellen. Auch das Land selbst hat an Vertrauen eingebüßt: Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bonität Italiens zurückgestuft. Foto: dpa

Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft. Die Troika lässt Griechenland auf die Auszahlung der nächsten Hilfstranche in Höhe von acht Milliarden Euro hoffen.

Mitten in der Zitterpartie um neue Finanzhilfen für das von der Pleite bedrohte Griechenland nährt die Herabstufung die Angst vor einem Übergreifen der Krise auf andere Staaten.

Die S&P-Experten begründeten ihren Schritt mit den schwachen Wachstumsaussichten des Landes. Diese würden auch durch das Reformprogramm der italienischen Regierung nicht entscheidend verbessert. S&P verwies auf die fragile Regierungskoalition in Rom und die politischen Differenzen im Parlament. "Wir glauben, dass das reduzierte Tempo von Italiens wirtschaftlicher Aktivität die revidierten Finanzziele der Regierung schwer erreichbar macht", konstatierten die Experten. Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird Regierungskreisen zufolge ihre Konjunkturprognosen für dieses und das kommende Jahr senken. Ein Sparpaket im Volumen von knapp 60 Milliarden Euro soll dazu beitragen, dass Italien bis 2013 einen ausgeglichenen Haushalt erreicht.

Die Kreditwürdigkeit des Landes wird von S&P nun nur noch mit der Note "A/A-1" bewertet, das ist eine Stufe niedriger als die bisherige Note "A+/A-1+". Der Ausblick für die weitere Bewertung bleibe negativ, teilte die Agentur mit. Die Herabstufung durch S&P kam überraschend. An den Finanzmärkten war damit gerechnet worden, dass zuerst die Ratingagentur Moody’s ihre Note für das Land senken würde. Die Moody’s-Analysten hatten vergangene Woche mitgeteilt, sie bräuchten für ihre Entscheidung noch einen weiteren Monat Zeit.

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Das Land ächzt unter einem Schuldenberg von 1,9 Billionen Euro. Es steht mit 120 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in der Kreide.

Bangen um Griechenland

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht aber weiterhin Griechenland. Das Land braucht dringend neue Finanzspritzen der Geldgeber EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (EZB). Sollte diese sogenannte Troika der Regierung in Athen nicht die erforderlichen Reformfortschritte bescheinigen, ist die nächste milliardenschwere Hilfstranche in Gefahr – und dem Land droht die Staatspleite. Die Gespräche mit den Troika-Experten sollen an diesem Dienstag fortgesetzt werden. Ein Vertreter des griechischen Finanzministeriums äußerte sich zuversichtlich, dass es dann zu einem Durchbruch kommt. Die Regierung werde voraussichtlich am Mittwoch zu einer Kabinettssitzung zusammenkommen und danach eine Erklärung abgeben.

Der IWF hatte Griechenland zuvor noch einmal ermahnt, die Auflagen aus dem ersten Rettungspaket zu erfüllen. Vom Urteil der Troika hängt ab, ob im kommenden Monat die nächste Tranche in Höhe von acht Milliarden Euro ausgezahlt wird. Andernfalls kann die griechische Regierung ab Oktober nicht mehr Löhne und Gehälter auszahlen. Die Entscheidung über die Auszahlung vertagten die EU-Finanzminister auf Anfang Oktober.

EURACTIV/rtr/red

Ein englischsprachiger Beitrag zu diesem Thema erschien auf EURACTIV.com.

Ein französischsprachiger Beitrag zu diesem Thema erschien auf EURACTIV.com.

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