Ehemalige EU-Klimachefin: Man muss lokaler gegen Klimawandel vorgehen

Lokale Behörden müssen an der Spitze der EU-Strategie zur Klimaanpassung stehen, da sie am stärksten von Überschwemmungen, Stürmen und anderen extremen Wetterereignissen, die durch die globale Erwärmung verursacht werden, betroffen sind, erklärte die ehemalige Klimachefin der EU, Connie Hedegaard, gegenüber EURACTIV.

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"Wir haben Regionen mit sehr unterschiedlichen Herausforderungen, aber anstatt dass jeder versucht, alles auf eigene Faust neu zu erfinden, können wir uns austauschen", sagte die ehemalige EU-Klimachefin, Connie Hedegaard. [<a href="https://www.flickr.com/photos/konservativedk/" target="_blank" rel="noopener">Flickr / konservativedk</a>]

Lokale Behörden müssen an der Spitze der EU-Strategie zur Klimaanpassung stehen, da sie am stärksten von Überschwemmungen, Stürmen und anderen extremen Wetterereignissen, die durch die globale Erwärmung verursacht werden, betroffen sind, erklärte die ehemalige Klimachefin der EU, Connie Hedegaard, gegenüber EURACTIV.

Hedegaard, eine frühere EU-Kommissarin für Klimaschutz, sprach am Freitag (20. Januar) am Rande einer Zeremonie in Tallinn zur Verleihung des Preises „Grüne Hauptstadt Europas“ mit EURACTIV.

Ihr zufolge müssen Staaten und Regionen Klimaanpassungsstrategien in ihren Ausgabenplänen stärker berücksichtigen.

„Stellen wir diese Dinge wirklich in den Vordergrund? Wenn die Staaten und Regionen das nicht tun, weiß ich, wo die Rechnung am meisten hängen bleibt – nämlich vor Ort.“

Bei extremen Wetterereignissen sei die lokale Bevölkerung immer am stärksten betroffen, sagte Hedegaard. Dabei verwies sie auf die Überschwemmungen in Belgien und Deutschland im Juli 2021, die mehr als 200 Todesopfer und erhebliche materielle Zerstörungen verursachten.

„Wer sitzt da mit dem Problem und der Rechnung? Es sind die Kommunen vor Ort.“

Europa sei zwar in der Lage, mit den nationalen Behörden umzugehen, aber es sei mehr Arbeit nötig, um einen effizienteren Dialog mit der regionalen und lokalen Ebene zu führen, so Hedegaard gegenüber EURACTIV.

Hedegaard ist Vorstandsvorsitzende der Forschungs- und Innovationsmission der EU zur Anpassung an den Klimawandel.

Die im Juli 2019 gestartete Mission unterstützt EU-Regionen, Städte und lokale Behörden bei ihren Bemühungen, sich gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu wappnen. Dazu hilft sie den Regionen, die Klimarisiken, denen sie ausgesetzt sind, besser zu verstehen und Vorbereitungspläne zu entwickeln.

Die einzige Möglichkeit, eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu erreichen, besteht darin, zusammenzuarbeiten, sich gegenseitig zu inspirieren, zu experimentieren und bewährte Verfahren auszutauschen, betonte Hedegaard.

„Jeder würde sagen, ja, natürlich müssen wir uns anpassen, aber viele lokale Einheiten und regionale Instanzen kämpfen mit ihren eigenen Wegen“, bemerkte sie.

„Wir haben Regionen mit sehr unterschiedlichen Herausforderungen, aber anstatt dass jeder versucht, alles auf eigene Faust neu zu erfinden, können wir uns austauschen.“

Gefahr von Zurückweisung und Greenwashing

Lokale Behörden könnten bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen auch auf den Widerstand der Bürger:innen stoßen, weil sie negative wirtschaftliche und soziale Auswirkungen befürchten, warnte Hedegaard in ihrer Grundsatzrede in Tallinn.

Um dem entgegenzuwirken, müssen die lokalen Behörden den Menschen die „Attraktivität“ der vorgeschlagenen Lösungen und ihre Vorteile für die am meisten gefährdeten Menschen aufzeigen.

„In Europa haben wir unsere Art der Besteuerung und unsere soziale Art zu versuchen, diejenigen zu schützen, die wirtschaftlich am meisten gefährdet sind“, erklärte sie.

„Aber ich behaupte auch, dass die Steigerung der Energieeffizienz, der Ressourceneffizienz, der Wiederverwendung von Materialien, des Recyclings, der Kreislaufwirtschaft und der Abfallvermeidung keine sozialen Nachteile mit sich bringen, sondern durchaus auf sozial gerechte Weise möglich sind“, sagte Hedegaard und wies auf die Geschäftsmöglichkeiten hin, die der grüne Wandel bietet.

In ihrer Grundsatzrede in Tallinn sprach Hedegaard auch eine Warnung an europäische Städte aus, die versuchen, sich als grün zu profilieren.

Das Risiko bestehe darin, sich zu ehrgeizige Ziele zu setzen, die von den Kommunen nicht umgesetzt werden könnten, sagte sie.

„Man setzt sich Ziele, um sich zu profilieren, aber wenn man sie nicht erreicht, ist das nicht nur gefährlich für den Ruf, sondern man wird auch sehr kritische Bürger:innen haben“, warnte Hedegaard.

„Setzen Sie sich Ziele, geben Sie die Richtung vor, seien Sie ehrgeizig – aber liefern Sie, setzen Sie um. Die Menschen haben es satt, dass es darum geht, wer das höchste Ziel vorweisen kann.“

[Bearbeitet von Frédéric Simon]