Erdgas: Italien wird noch 2023 unabhängig von Russland sein

Italien wird bis 2023 unabhängig von russischem Gas sein, erklärte der italienische Minister für Unternehmen Made in Italy, Adolfo Urso (Fdi/EKR), und verwies auf zwei Regasifizierungsschiffe, von denen eines im Hafen von Piombino eingetroffen ist.

EURACTIV.it
Questions time at the Italian Chamber of Deputies
Italien wird in der Lage sein, sich "innerhalb dieses Jahres vollständig von der Abhängigkeit von russischem Gas zu befreien", so Urso gegenüber Radio24. [EPA-EFE/FABIO FRUSTACI]

Italien wird noch 2023 unabhängig von russischem Gas sein, so die italienische Regierung. Möglich soll das mithilfe von zwei schwimmenden LNG-Terminalen sein, die dem Land ermöglichen Gas aus neuen Märkten zu beziehen.

Italiens Weg in die Unabhängigkeit kam aus Singapur. Nach 26 Tagen Fahrt erreichte die Golar Tundra, die 5 Milliarden Kubikmeter (bcm) Flüssiggas (LNG) pro Jahr anlanden kann, schließlich den Hafen von Piombino in der Provinz Livorno. Zusammen mit einem zweiten schwimmenden LNG-Terminal, das in Ravenna erwartet wird, kann Italien zukünftig 13 bcm LNG importieren.

Italien wird dadurch in der Lage sein, sich „innerhalb dieses Jahres vollständig von der Abhängigkeit von russischem Gas zu befreien“, so Wirtschaftsminister Adolfo Urso gegenüber Radio24. „Wir sind von 40 Prozent russischem Gas im Jahr 2021 auf 16 Prozent im letzten Jahr gestiegen, mit den beiden Schiffen werden wir unsere Autonomie vervollständigen“, fügte er hinzu.

Zu den Energiepreisen sagte der Minister, es sei „kein Alarm in Sicht“, da die Vorräte aufgrund eines außergewöhnlich milden Winters derzeit voll seien. Er fügte hinzu, dass die in Brüssel erzielte Vereinbarung über die Preisobergrenze auch eine allmähliche Senkung der globalen Preise gewährleistet.

Golar Tundra wird erst im Mai voll einsatzfähig sein, da die Anschlüsse an die neue Onshore-Pipeline noch fertiggestellt werden müssen. Der CEO von Snam Fsru Italia, Elio Ruggieri, sagte, dass die erste Ladung zum Testen Ende April eintreffen wird.

Aber nicht jeder ist mit der Ankunft des Regasifizierungsschiffs zufrieden.

Der Bürgermeister von Piombino, Francesco Ferrari (Fdi/EKR), und mehrere Bürgerkomitees protestieren seit Monaten gegen die Schiffe und führen Sicherheitsbedenken an.

Ein Einspruch gegen die Installation des Regasifizierungsschiffs im Hafen der toskanischen Stadt ist noch immer beim Regionalen Verwaltungsgericht (TAR) anhängig. Eine Anhörung ist für den 5. Juli angesetzt.

„Ich wende mich insbesondere an meine Mitbürger, um sie daran zu erinnern, dass die Angelegenheit noch lange nicht erledigt ist: Es ist immer noch eine Berufung anhängig (…) wenn das Gericht entscheidet, sie aufrechtzuerhalten, wird die Golar Tundra den Hafen verlassen müssen“, heißt es in einer Mitteilung von Bürgermeister Ferrari.

Die Europaabgeordnete Susanna Ceccardi (Lega/ID) verteidigte Ferrari, indem sie den Gouverneur der Toskana, Eugenio Giani, dafür kritisierte, dass er 2008 das Projekt der Europäischen Union für eine „billigere“ und „weitaus umweltfreundlichere und weniger belastende Pipeline als ein Regasifizierungsschiff“ blockiert hatte.

„Wir müssen die Dinge umdrehen und den Linken zeigen, dass sie nicht die wahren Umweltschützer sind. Sie reden sich den Mund fusselig, wenn es um den Umweltschutz geht, und kommen dann nicht auf den Boden der Tatsachen zurück“, betonte Ceccardi.