Erste Wasserstoffderivate aus den VAE in Deutschland übergeben

Die nationale Ölgesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat eine erste Lieferung von aus Wasserstoff gewonnenem Ammoniak nach Hamburg geliefert.

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Die nationale Ölgesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat eine erste Lieferung von aus Wasserstoff gewonnenem Ammoniak nach Hamburg geliefert. [Shutterstock/ Niwat panket]

Die nationale Ölgesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat eine erste Lieferung von aus Wasserstoff gewonnenem Ammoniak nach Hamburg geliefert.

Deutschland und die VAE haben 2017 offiziell ihre Energiepartnerschaft begonnen. Die VAE streben bis 2030 einen Marktanteil von 25 Prozent am globalen Wasserstoffmarkt an, und die deutsche Industrie setzt auf Wasserstoff, um Produktionsprozesse und chemische Herstellungsverfahren zu dekarbonisieren.

Angesichts des Ukrainekriegs und der daraus folgenden Notwendigkeit, Deutschlands Energiepartnerschaft mit Russland zu beenden, erweist sich diese Kooperation mit den VAE nun als strategischer als ursprünglich gedacht.

„Wir müssen jetzt mehr denn je den Hochlauf von Wasserwirtschaft voranbringen“, erklärte Robert Habeck, Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimapolitik.

„Hierzu bauen wir auch eine eigene Wasserstoffproduktion in Deutschland auf, aber natürlich brauchen wir vor allem auch Wasserstoff aus Importen“, fügte er bei der Übergabe der ersten Lieferung der staatlichen emiratischen Ölgesellschaft ADNOC am Freitag (21. Oktober) in Hamburg hinzu.

Die „Wasserstoff“-Lieferung erfolgte in der Form von 13 Tonnen Ammoniak, die einen Lagerbehälter in der Größe einer standardisierten Zwanzig-Fuß-Einheit, der üblichen Größe von Schiffscontainern, auffüllten.

Die Bundesregierung schätzt, dass der inländische Bedarf an Wasserstoff bis 2030 bei etwa 90 bis 110 TWh liegen wird, was mehr als 3 Millionen Tonnen (mt) Wasserstoff entspricht.

Das EU-Ziel für die Produktion von grünem Wasserstoff bis 2030 liegt bei 10 Millionen Tonnen jährlich, ergänzt durch weitere 10 Millionen Tonnen an Importen.

Es wird erwartet, dass die großen europäischen Häfen mit ihrem weitläufigen industriellen „Hinterland“ zu wichtigen Import- und Handelszentren werden. Und Hamburg steht in hartem Wettbewerb mit niederländischen und belgischen Konkurrenten.

„Hamburg hat das Ziel, ein führender Wasserstoff-Standort in Europa zu werden“, erklärte der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher.

Während sich die deutschen Medien mit dieser Leistung brüsteten, ist der Hafen von Rotterdam bereits in der Lage, 400.000 Tonnen Ammoniak pro Jahr zu importieren, wobei die Kapazität bis 2023 verdreifacht werden soll. Der Hafen von Antwerpen-Brügge plant einen Ammoniak-Importterminal bis 2027.

Der SPD-Politiker Tschentscher ist der direkte Nachfolger von Bundeskanzler Olaf Scholz, der das Bürgermeisteramt nach seinem Aufstieg als Finanzminister in Angela Merkels Kabinett von 2018 verließ.

Blau, nicht grün

Das Ammoniak, das von der staatlichen Ölgesellschaft des Emirats verschifft wurde, wurde aus Wasserstoff gewonnen, der mit fossilem Gas hergestellt wurde. Ein Teil des während des Prozesses freigesetzten CO2 wurde abgetrennt und gespeichert, wodurch er als „blauer“ Wasserstoff bezeichnet werden kann.

„Blaue“ Wasserstoffderivate sind umstritten, da sie auf fossiles Gas angewiesen sind, das derzeit nur spärlich vorhanden ist. Außerdem bestehen Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit der Kohlenstoffabscheidung und der Energieintensität des gesamten Prozesses.

„Die Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas verschlingt enorme Mengen an Erdgas“, erklärt Lucas Schäfer, Geschäftsführer der Umweltorganisation BUND Hamburg.

„Hinzu kommen die Energieverluste für die Umwandlung von Wasserstoff in Ammoniak für den Transport und für die CO2-Abscheidung und unterirdische Speicherung“, fügte er hinzu und bezeichnete „blaues“ Ammoniak als „technologischen Rückschritt.“

Die Bundesregierung will eigentlich auf „grünen“ Wasserstoff setzen, der durch Elektrolyse mit erneuerbarem Strom hergestellt wird.

Allerdings steckt die Produktion von „grünem“ Wasserstoff noch in den Kinderschuhen, weswegen Gasproduzenten derzeit auf „blauen“ Wasserstoff setzen.

Wasserstoff ist wegen seiner geringen Dichte schwer zu transportieren. Ammoniak hingegen „ist einfacher zu transportieren und zu lagern“, erklärt der Energieanalyst Michael Liebreich.

Dekarbonisierung der Kupferproduktion

Das Ammoniak wurde von dem Metallhersteller Aurubis importiert, der das Gas zur Dekarbonisierung der Kupferproduktion einsetzen will.

„Ammoniak kann ein wichtiger Bestandteil der Wasserstofflieferkette sein, um dieses Ziel zu erreichen“, erklärte Roland Harings, CEO von Aurubis.

Aurubis wird das Ammoniak verbrennen, um 20 Prozent des Gases zu ersetzen, das für die Beheizung des ersten Ofens verwendet wird, nach dem das geschmolzene Kupfer zu Draht verarbeitet wird.

Das Unternehmen schätzt, dass es seine CO2-Emissionen dank dieses Verfahrens um 4.000 Tonnen reduzieren kann. Ob Ammoniak Erdgas vollständig ersetzen kann, sei jedoch unklar, so das Unternehmen unter Berufung auf technologische Herausforderungen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]