EU betont Vorteil von Sprachen für KMU
Im Vorfeld des diesjährigen Europäischen Tags der Sprachen am Sonntag wird die Kommission heute (24. September) die Bedeutung der Sprachkenntnisse betonen, um die Beschäftigungschancen der Europäer und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen KMU zu stärken. Jedoch bleiben Zweifel bestehen, ob sich die Kommission selbst an ihre Prinzipien hält.
Im Vorfeld des diesjährigen Europäischen Tags der Sprachen am Sonntag wird die Kommission heute (24. September) die Bedeutung der Sprachkenntnisse betonen, um die Beschäftigungschancen der Europäer und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen KMU zu stärken. Jedoch bleiben Zweifel bestehen, ob sich die Kommission selbst an ihre Prinzipien hält.
Europäer würden sich immer mehr der Bedeutung bewusst, die Fremdsprachenkenntnisse in ihrem Leben haben könnten, sagte die Kommissarin für Mehrsprachigkeit, Androulla Vassiliou, vor einer Konferenz am heutigen Tag zum Thema „Sprachen für KMU“.
Die Konferenz, die etwa 150 Unternehmer, Unternehmensverbände und Vertreter der nationalen und lokalen Verwaltung versammeln wird, debattiert den Zusammenhang zwischen Sprachkenntnissen, Beschäftigungschancen und Wettbewerbsfähigkeit.
Die Europäische Kommission sagt, während sie ihre Unterstützungsposition hinter den EU-Mitgliedern betont, sie respektiere die linguistische Vielfalt als Kernwert der EU.
Sie nahm eine neue Strategie zur Mehrsprachigkeit im September 2008 an und gibt 50 Millionen Euro jährlich aus, um Sprachaktivitäten und -projekte durch ihr Programm für lebenslanges Leben zu fördern.
Die Verbesserung des allgemeinen Niveaus an Fremdsprachenkenntnissen in Europa werde auch zur „Europa 2020“-Strategie für intelligentes und gerechtes Wachstum beitragen. Mehrsprachigkeit sei ein wichtiger Teil der Flagschiffinitiativen „Youth on the Move“ und der „Agenda für neue Kompetenzen und neue Jobs“, so Vassiliou.
Eine Studie aus dem Jahr 2007 hatte herausgefunden, dass von beinahe 2.000 Unternehmen elf Prozent Verträge verloren hatten (manche in Millionenhöhe), weil ihnen die Sprachkenntnisse fehlten.
Sprachen seien nicht nur ein praktisches Gut für die persönliche Entwicklung des Individuums, sondern bedeuteten auch bessere Geschäfte für Unternehmen, indem sie ihnen einen Vorteil im Wettbewerb verschafften und Exportmärkte eröffneten, so die Kommissarin.
Predigt die Kommission Wasser…?
Trotz der Bedeutung, die die Kommission der Mehrsprachigkeit beimisst, haben einige Kommissare im Barroso II-Team Probleme mit Sprachen. In der Tat wurde der Energiekommissar Günther Oettinger in deutschen Zeitungen und auf YouTube für sein Englisch verunglimpft. Eine Reihe seiner Amtskollegen haben indes mit dem Französischen Probleme.
Auf die Frage von EURACTIV, ob alle 27 Kommissare es vorhaben, Französisch zu erlernen antwortete die Kommissionssprecherin Pia Ahrenkilde Hansen, man könne den Kommissaren immer Fragen auf französisch stellen, allerdings könnten sie in einer anderen Sprache antworten.
Natürlich könnten die Kommissare in der Sprache ihrer Wahl antworten, dafür habe man schließlich die Simultanübersetzung, so Hansen.
Die EU kämpft zur Zeit mit einer Reihe anderer sprachlicher Probleme, zum Zeitpunkt, als sie den Tag der Sprachen feiert.
Die belgische Ratspräsidentschaft ist entschlossen, einen Weg aus der Sackgasse bei der Schaffung eines Europäischen Gemeinschaftspatents zu finden. Sprachstreits haben bereits mehrere Ratspräsidentschaften an der Lösung des Problems gehindert (EURACTIV 24.06.10).
Pläne für ein Gemeinschaftspatent wurden im Jahr 2003 geschmiedet, doch der Fortschritt wurde durch technische und gesetzliche Schwierigkeiten behindert, insbesondere durch die Frage, ob ein Patent in all 23 offiziellen Sprachen der EU übersetzt werden muss oder lediglich in die drei Amtssprachen.
Wenn man ein Erfinder in Spanien sei, führe man die Bewerbung in Spanisch durch. Es sei erst nach der ersten Bewerbungsphase, dass das Europäische Patentamt in die drei Amtssprachen wechsle, sagte Vassilious Sprecher, Dennis Abbot. Alle Sprachen seien wichtig, doch hänge es davon ab, wo der Markt sei. Es stimme nicht, dass man nur Englisch und Französisch brauche.
Abbot, ein englischer Muttersprachler, listete dann eine Reihe an Veranstaltungen auf, die in ganz Europa in der jeweiligen Landessprache stattfänden. Er brachte damit die Journalisten zum Lachen, als er mit den verschiedenen Aussprachen zu kämpfen hatte.
Sorge steigt um den Mangel an Dolmetschern
Derweil führte die Sorge über einen Mangel an italienischen Dolmetschern die EU-Institutionen dazu, heute eine Kampagne in Rom zu starten, um junge Italiener zu ermutigen, Arbeit in der Europäischen Union in Betracht zu ziehen.
Ähnliche Kampagnen wurden in den letzten 18 Monaten durchgeführt, um qualifizierte Französischsprachige, Deutschsprachige und Niederländischsprachige zu finden, um in ihren Dienststellen zu arbeiten (EURACTIV 25.09.09; EURACTIV 18.02.09).
Der Europäische Tag der Sprachen wird am Montag mit einer Reihe an Konferenzen in den großen europäischen Hauptstädten enden.