EU genehmigt ersten Methan-reduzierenden Futtermittelzusatz für Rinder

Ein innovativer Futtermittelzusatz, der die Methanemissionen in der Viehhaltung verringert, hat von den EU-Ländern eine offizielle Marktzulassung erhalten.

EURACTIV.com
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Der Futtermittelzusatz soll das Enzym unterdrücken, das die Methanproduktion im Pansen einer Kuh auslöst. [<a href="https://www.shutterstock.com/it/image-photo/cows-produce-methane-this-greenhouse-gas-1793096575" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK/HOOIJER]</a>]

Ein innovativer Futtermittelzusatz, der die Methanemissionen in der Viehhaltung verringert, hat von den EU-Ländern eine offizielle Marktzulassung erhalten.

Bovaer, ein von der niederländischen Firma DSM entwickelter Futtermittelzusatzstoff, wurde am Mittwoch (23. Februar) vom Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel (scoPAFF) genehmigt. Vertreter:innen der 27 EU-Mitgliedstaaten sind in dem Ausschuss versammelt, dessen Vorsitz die Europäischen Kommission innehat.

Der Futtermittelzusatz soll das Enzym unterdrücken, das die Methanproduktion im Pansen einer Kuh auslöst. Laut DSM reduziert der Zusatzstoff die Methanemissionen im Darm von Milchkühen um etwa 30 Prozent, bei Rindern sogar um 90 Prozent.

Methan ist ein Treibhausgas (THG), das zwar kurzlebig ist, aber mehr Wärme speichern kann als Kohlendioxid, nämlich 84 Mal mehr Wärme über 20 Jahre.

Die enterale Fermentation – gasförmige Emissionen von Wiederkäuern wie Milch- und Fleischrindern – gilt als die bedeutendste Methanquelle im Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten.

„Die Verringerung der landwirtschaftlich bedingten Methanemissionen ist der Schlüssel zu unserem Kampf gegen den Klimawandel, und die heutige Genehmigung ist ein deutliches Beispiel dafür, was wir durch neue landwirtschaftliche Innovationen erreichen können“, sagte die für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakides.

Nach Ansicht der Kommissarin ist Innovation der Schlüssel für eine erfolgreiche Umstellung auf ein nachhaltigeres Lebensmittelsystem. Mit der Zulassung des Futterzusatzes bleibt die EU weiterhin führend bei der Gewährleistung von Lebensmittelsicherheit sowie der Anpassung an neue Technologien, die die Lebensmittelproduktion nachhaltiger gestalten können.

Die Kommission erklärte in einem Vermerk, dass dieses innovative Produkt zur Ökologisierung der EU-Landwirtschaft und zur Verwirklichung der Ziele der wichtigsten EU-Lebensmittelpolitik, der „Farm to Fork“-Strategie, beitragen werde.

Nun wird erwartet, dass die EU-Exekutive die Entscheidung in den kommenden Monaten formell annimmt, woraufhin der Futtermittelzusatzstoff als erster seiner Art auf den europäischen Markt kommen würde.

Die brasilianischen und chinesischen Behörden hatten bereits grünes Licht für die Vermarktung des Produkts gegeben.

Ein spezielles Gremium der EU-Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA), das wissenschaftliche Empfehlungen zur Wirksamkeit von Zusatzstoffen, Erzeugnissen oder Substanzen in der Tierernährung abgibt, hatte bereits im November letzten Jahres eine positive wissenschaftliche Bewertung zu Bovaer abgegeben.

Die von der Kommission in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie bestätigte, dass der Zusatzstoff die Methanemissionen von Milchkühen unter den angegebenen Anwendungsbedingungen wirksam reduziert. Diese Schlussfolgerung wurde auf alle anderen Wiederkäuer ausgeweitet, die zur Milcherzeugung und Reproduktion verwendet werden.

Nach Ansicht der EFSA-Wissenschaftler:innen ist Bovaer in der empfohlenen Höchstmenge auch für Milchkühe unbedenklich und auch für die Sicherheit der Verbraucher:innen und die Umwelt wirft die Verwendung des Zusatzstoffs unter den vorgeschlagenen Bedingungen keine Bedenken auf.

Die erste globale Verpflichtung, die Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent unter das Niveau von 2020 zu senken, wurde gleich in den ersten Tagen der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow im vergangenen Jahr eingeleitet.

Angeführt wurde die Initiative von den USA und der EU, die 103 weitere Länder zusammenbrachten, welche zusammen 46 Prozent der weltweiten Methanemissionen verursachen und 70 Prozent der Weltwirtschaft repräsentieren. Darunter waren mehrere rinderreiche Länder wie Brasilien, Kanada, Argentinien und Neuseeland.

Einige Länder mit hohen Methanemissionen haben sich jedoch dafür entschieden, die Verpflichtung nicht anzunehmen, darunter China, Indien, Australien und Russland.

Die globale Verpflichtung konzentriert sich auch auf technische Maßnahmen wie Futtermittelzusätze, die laut den Vereinten Nationen die Emissionen des Sektors bis 2030 jährlich um 20 Prozent senken könnten.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]