EU-Handelsüberschuss mit Indien gestiegen

In der Krise geht der EU-Handel mit Indien zurück. Trotzdem profitiert die EU weiterhin von einem Exportüberschuss. Bislang kommen europäische Maschinen und Fahrzeuge in Indien gut an. In Zukunft könnte auch das westliche Supermarkt-Modell exportiert werden, wovor die NGO Oxfam eindringlich warnt.

Bislang galt Indien als Importeur von Autos. Mit dem „Tata Nano“ für 1700 Euro könnte sich das schnell ändern. Der Industrielle Ratan Tata stellt das Modell vor, das seit März auf dem indischen Markt ist. Foto: dpa.
Bislang galt Indien als Importeur von Autos. Mit dem "Tata Nano" für 1700 Euro könnte sich das schnell ändern. Der Industrielle Ratan Tata stellt das Modell vor, das seit März auf dem indischen Markt ist. Foto: dpa.

In der Krise geht der EU-Handel mit Indien zurück. Trotzdem profitiert die EU weiterhin von einem Exportüberschuss. Bislang kommen europäische Maschinen und Fahrzeuge in Indien gut an. In Zukunft könnte auch das westliche Supermarkt-Modell exportiert werden, wovor die NGO Oxfam eindringlich warnt.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und die Kommissare Benita Ferrero-Waldner und Catherine Ashton kommen übermorgen mit Vertretern der indischen Regierung zum zehnten EU-Indien-Gipfel zusammen. Auf der Agenda stehen der Klimawandel und die Energieversorgung. Zugleich sollen die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen gestärkt werden.

Derzeit wird über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien verhandelt, das von Nichtregierungsabkommen massiv kritisiert wird. Sie fürchten, die Liberalisierung von ausländischen Investitionen könnte Millionen von Arbeitsplätzen im indischen Einzelhandel kosten, wenn westliche Supermarktketten die tradtionellen Händler verdängen. Oxfam verlangt den Stopp der Gespräche über ein EU-Freihandelsabkommen, bis sichergestellt sei, dass es eine sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung in Indien nicht behindert.

Anlässlich des EU-Indien-Gipfels warnt Oxam-Referent David Hachfeld: "Das vorgeschlagene Abkommen würde die Möglichkeit der indischen Regierung, Handel und Investitionen entwicklungsfreundlich zu gestalten, erheblich einschränken."

Handelsrückgang in der Krise

Nach Angaben der EU-Statistik-Behörde Eurostat hat sich der Warenverkehr zwischen der EU und Indien zwischen 2000 und 2008 mehr als verdoppelt. 2,4 Prozent aller EU-Exporte gehen inzwischen in das aufstrebende Schwellenland, 2,2 Prozent aller Importe kommen von dort.

Besonders Maschinen und Fahrzeuge aus der EU verzeichnen in Indien einen Boom. Der Wert der Ausfuhren stieg hier von rund 4 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf rund 14 Milliarden Euro im Jahr 2008. Umgekehrt dominiert Indien den Handel mit Nahrungsmitteln und Energie.

Allerdings brachen die Geschäfte in der Wirtschaftskrise ein. Die EU-Exporte nach Indien gingen in der ersten Jahreshälfte 2009 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 3 Milliarden Euro zurück, die Einfuhren sanken um rund 2 Milliarden Euro.

Bislang profitierte die EU vom Handel. Im Jahr 2008 erzielte sie mit Indien einen Handelsüberschuss von 2,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2000 hatte der Überschuss noch bei 830 Millionen Euro gelegen.

Deutschland profitiert am meisten

Die Handelsbilanz fällt innerhalb der EU äußerst unterschiedlich aus. Deutschland, das 2008 von allen EU-Staaten die meisten Exporte (26 Prozent) nach Indien verbuchte, verzeichnete einen Handelsüberschuss von 3,3 Milliarden Euro. Im Jahr 2000 gab es noch ein Handelsdefizit.

Großbritannien verbucht Defizit

Großbritannien ist für Indien der wichtigste Abnehmer von Waren, und verbucht 18 Prozent aller Importe in die EU. Zugleich wickelt es 16 Prozent aller EU-Exporte nach Indien ab und verzeichnete 2008 ein leichtes Handelsdefizit. Im Jahr 2000 gab es für Großbritannien noch einen Handelsüberschuss von 1,1 Milliarden Euro. Die Verhältnisse zwischen Großbritannien und seiner ehemaligen Kolonie Indien haben sich in den vergangenen Jahren also umgekehrt. 

Oxfam warnt vor Folgen der Globalisierung

Die Annäherung im Zuge der Globalisierung stößt auf Kritik. Gestern stellte die Hilfsorganisation Oxam in Berlin eine Studie vor, wonach europäische Supermarktketten wie "Metro" den indischen Einzelhandel und Millionen von Arbeitsplätzen bedrohen. "Straßenhändler, Ladenbesitzer und später auch Kleinbauern werden von den Handelsriesen in den Ruin gedrängt. Mittlere und größere landwirtschaftliche Betriebe gehören zu ihren bevorzugten Vertragspartnern. Kleinbäuerinnen und -bauern bleiben weitestgehend außen vor", warnt die Autorin und Oxfam-Handelsexpertin Marita Wiggerthale.

Bisher werde nur ein Prozent aller Lebensmittel in Indien in Supermärkten gekauft.  "Die kleinen Tante-Emma-Läden und der Straßenhandel ersetzen in Indien für große Teile der Bevölkerung das soziale Sicherungsnetz. Das wird nun brüchig", so Wiggerthale. Im indischen Einzelhandel arbeiteten derzeit etwa 35 Millionen Menschen.
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Alexander Wragge

Links

EU-Kommission: Übersicht zur Beziehung EU-Indien

Eurostat: Handelsbilanz EU-Indien (4. November 2009)

NGO

Oxfam: "Zur Kasse bitte!". Studie zur Liberalisierung des Einzelhandelns in Indien (3. November 2009)